FC Bayern Alaba: Österreichs Stolz

Mittendrin im Geschäft der Großen: David Alaba (links) Foto: dpa

Gerade erst 17 und schon auf dem besten Weg, ein Großer zu werden: David Alaba begeistert die Bayern und erst recht sein Heimatland. Der erste Alpenkicker im Viertelfinale ist er allerdings nicht.

 

FLORENZ Beim Bankett nach dem Viertelfinaleinzug in Florenz saß David Alaba schon wie selbstverständlich zwischen den Matchwinnern Mark van Bommel und Arjen Robben. Die Holländer mussten zwar mehr Autogramme schreiben, aber als ein Gewinner dieses Abends durfte sich der 17-Jährige schon auch fühlen. Lob von allen Seiten, auch von Louis van Gaal: „Ich bin sehr zufrieden. Er hat mein Vertrauen nicht enttäuscht.“

Auch die Mannschaftskollegen waren froh über Alabas solide Leistung: „Hut ab!“, sagte Bastian Schweinsteiger, und Daniel van Buyten verriet: „Wir haben viel mit ihm geredet, damit er cool bleibt.“ Das hat geklappt. Alaba zeigte sich bescheiden und brach nur ganz kurz das vom Verein ausgesprochene Interview-Verbot: „Da ist der nächste Traum in Erfüllung gegangen. Es hat viel Spaß gemacht."

Im Heimatland Österreich werden die statistischen Superlative des Jung-Stars aufgelistet, der vor zwei Jahren noch in der Jugend von Austria Wien kickte. Jüngster Spieler in der Champions League ist er aber nicht. Das ist Celestine Babayaro vom RSC Anderlecht mit 16 Jahren, zwei Monaten und 26 Tagen. Der flog bei seinem Debut 1994 jedoch nach 37 Minuten vom Platz. Das machte Alaba besser, verpasste Stürmer-Star Alberto Gilardino sogar ein „Gurkerl" (österreichisch für „Tunnel“).

Alaba ist auch nicht der erste Österreicher in einem Champions-League-Viertelfinale, wie Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge behauptet hatte. Das war Wolfgang Feiersinger 1997 mit Borussia Dortmund. Und ein gewisser Andreas Herzog kam auch schon mal so weit: „Mit Bremen unter Otto Rehhagel standen wir unter den letzten Acht“, erzählt der Ex-Alpen-Maradona. Alaba hält er für „eins der größten Talente in Europa in seiner Altersklasse - umso schöner, dass er Österreicher ist“. Herzog schwärmt: „Im Fußball kann er fast alles. Er ist ein liebenswerter, offener, ehrlicher Bursche – und im zentralen Mittelfeld noch eine Klasse stärker als links hinten. Das Spiel in Florenz hat seine Fähigkeiten gezeigt und Louis van Gaal für seinen Mut belohnt. Er hat das Potenzial von Alaba erkannt, und so ist den Bayern in Florenz alles aufgegangen.“

Herbert „Schneckerl“ Prohaska sieht das ähnlich: „Der junge Mann hat eine schöne Karriere vor sich. Er ist kein Sprücheklopfer, hat Ziele vor Augen und setzt sie gut um. Er ist auf dem richtigen Weg. Die Zukunft spricht für ihn.“ Wie Herzog verortet auch Prohaska den Junior im Mittelfeld: „In der zentralen Viererkette ist er besser aufgehoben. Er ist mit seinen 17 Jahren unheimlich ruhig am Ball und wird sich unter dem Klasse-Trainer van Gaal binnen kurzer Zeit gut weiter entwickeln.“ Auch die Nationalelf profitiere auf Dauer von Alabas Fähigkeiten: „Er wird mit 17 nicht der Mann sein, der uns zur nächsten EM führt. Da muss man Geduld haben.“ Dass Alaba schon mit 15 Richtung Säbener Straße zog, missfiel dem ehemaligen Nationalcoach: „Viel zu früh aus meiner Sicht. Aber das ist irgendwie Mode geworden. 90 Prozent aller jungen Österreicher scheitern bei einem frühen Wechsel ins Ausland. Alaba nicht. Das spricht für ihn.“

Ein anderer Ex-Nationalcoach entdeckt Parallelen zu Lukas Podolski: „Der war auch sehr jung schon sehr gut“, meint Josef Hickersberger, „Alaba ist abgebrüht und doch sehr erfrischend. Aus dem kann was werden, Respekt! Der gefällt mir gut, macht viel Freude. Ein absoluter Fixpunkt in der Nationalmannschaft. Den hätte ich früher auch gern gehabt.“

Thomas Becker

 

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