Ex-Frankfurt-Boss im AZ-Interview Bruchhagen: „Ich fühle mit Hoeneß“

„Es ist eine ordentliche Sport-Freundschaft entstanden“, sagt Bruchhagen über sein Verhältnis zu Uli Hoeneß. Foto: imago

Heribert Bruchhagen, der ehemalige Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt, spricht in der AZ über Treffen mit dem Ex-Präsidenten, dessen Rückkehr, den FC Bayern und sein Leben nach seinem Rücktritt.

 

Der 67-jährige war 13 Jahre lang Vorstandsvorsitzender bei Eintracht Frankfurt, im Mai trat er zurück, ab dieser Saison arbeitet er als Experte beim Fernseh-Sender Sky. Die AZ hat den ehemaligen Frankfurt-Macher zum Interview getroffen.

AZ: Der FC Bayern hat am Montag seine USA-Reise angetreten. Einige Stars fehlen. Kann man so der englischen Premier League, die ja hinsichtlich der Vermarktung auf den internationalen Märkten sehr stark ist, Paroli bieten?
HERIBERT BRUCHHAGEN: Zur Internationalisierung gehört persönliche Präsenz. Der wird der FC Bayern gerecht. Er macht es nicht nur für sich, sondern auch für den deutschen Fußball. Daher halte ich so eine Reise für richtig. Ob die Trainer immer begeistert sind, ist eine andere Frage. Zur Premier League: Da hat die Liga schon zugelegt. Ich denke, wir haben das richtige Maß gefunden. Dass die Premier League, was ihre Vermarkung angeht, so stark ist, erklärt sich aus der Geschichte, hängt natürlich auch mit der Kolonialzeit zusammen. Deutschland war nie Kolonialmacht und hat von daher nicht die fundamentalen Beziehungen zu den Ländern, wie sie etwa England aufgrund seiner Vergangenheit hat.

Alle erwarten ja die Rückkehr von Uli Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der Bayern. Hatten Sie in letzter Zeit Kontakt zu Hoeneß?
Ja, ich habe ihn besucht während seiner Freigänger-Tätigkeit beim FC Bayern. Zusammen mit Co-Trainer Hermann Gerland haben wir uns auf einen Kaffee getroffen. Ich fühle mit Uli Hoeneß mit. Wir sind sportlich befreundet. Bei all den Unterschiedlichkeiten, die wir im Laufe der letzten 30 Jahre auch hatten, ist daraus doch eine ordentliche Sport-Freundschaft entstanden.

Wie wird seine Rückkehr zum FC Bayern?
Ich kann nicht sagen, welche Pläne der FC Bayern mit Hoeneß hat. Auch welche Position er selbst anstrebt, kann ich schwer beurteilen. Klar ist, dass der FC Bayern auch in der Ära Karl Hopfner ein starker Verein ist. Da hat der Klub auch Titel gewonnen und sogar die Führungsposition in Deutschland ausgebaut. Auch mit Hoeneß werden die Bayern weiter stark sein. Das ist ein Gefüge, da würde ich mir sogar zutrauen, Titel zu holen, wenn ich dort Verantwortung hätte.

Ein Gefüge, das zu stark für den Rest der Liga ist?
Dass Bayern vorneweg marschiert ist ein Zustand, den keiner möchte. Für die Bundesliga ist es enorm wichtig, dass es Mannschaften gibt, die Bayern schlagen können. Die Tabelle darf nicht zu sehr auseinanderdriften. Deswegen bin ich froh, dass Dortmund investiert hat. In den letzten Spielzeiten hatte der FC Bayern jeweils zehn Punkte Vorsprung auf Platz zwei. Meine Hoffnung ist, dass dieser Vorsprung kleiner wird. Ich könnte mir vorstellen, dass die Reihenfolge Bayern, Dortmund, Gladbach ist. Um Platz vier kämpfen dann Schalke, Leverkusen und Wolfsburg.

Ist der FC Bayern mit Carlo Ancelotti als Trainer jetzt noch einen Schritt weiter?
Ich habe engen Kontakt zu Hermann Gerland. Wir telefonieren ein Mal die Woche. Aber das reicht dann doch nicht aus, um so eine Beurteilung machen zu können. Bayern hatte aber nur großartige Trainer. Jupp Heynckes steht für mich über allem.Ancelotti ist ein großer Trainer und Guardiola war das auch. Der FC Bayern kann sich den Luxus erlauben, die besten Trainer zu holen.

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Was erzählt denn Gerland so über die Arbeit mit Guardiola?
Er hat Pep Guardiola als großartigen Trainer angesehen, hat ihn immer in den höchsten Tönen gelobt.

Zu welchem Trainer war sein Verhältnis besonders gut?
Die tiefe Freundschaft zwischen Jupp Heynckes und Hermann Gerland ist ja bekannt. Ob er ihn bevorzugt hat, weiß ich nicht.

Sie haben nach fast 13 Jahren das Amt des Vorstandsvorsitzenden von Eintracht Frankfurt niedergelegt. Wie sieht Ihr Leben im Moment so aus?
Es ist morgens schon ganz schön, wenn man aufwacht, und man keine Dinge zu erledigen hat. Keine Post, keine Personalentscheidungen, keine sportlichen Entscheidungen, keine Mediennachfragen. Wenn ich jetzt morgens aufwache, frage ich mich zuerst, wo ich meine Brötchen hole. Aber ganz ohne Bundesliga geht bei mir eben auch nicht – als Sky-Experte werde ich ab dieser Saison Woche für Woche beim Sky-Topspiel am Expertentisch Platz nehmen. Darauf freue ich mich enorm!

Haben Sie eigentlich noch viel Kontakt zu Eintracht Frankfurt und geben den ein oder anderen Tipp?
Es gibt einen Ehrenkodex in der Bundesliga. Wenn ich 13 Jahre Vorstandsvorsitzender war, dann äußere ich mich nicht mehr zur Vereinspolitik. Und sage auch nichts. Das macht man nicht.

Gibt es eigentlich ein Stadion, auf das sie sich immer besonders freuen?
Meine beiden Kinder leben ja in Hamburg. Da gehe ich dann zum FC St. Pauli. Da bezahle ich meinen Eintritt, esse eine Bratwurst und trinke zwei Bier. Ein Freitagabend beim FC St. Pauli, das ist schon schön.

 

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