Erich Schmidt-Eenboom im AZ-Interview Geheimdienstexperte zu Hackern: "Erhebliches Know-how nötig"

Erich Schmidt-Eenboom ist Experte für Geheimdienste und Autor mehrerer Bücher wurde von der "Zeit" "Überwacher der Überwacher" genannt. Foto: Michael Kappeler/dpa/imago/AZ

Geheimdienst-Experte Erich Schmidt-Eenboom über den Hackerangriff, seine möglichen Urheber – und die Versäumnisse der deutschen Behörden.

 

AZ: Herr Schmidt-Eenboom, wie schätzen Sie als Geheimdienstexperte den Online-Angriff auf hunderte Politiker und Prominente ein?
ERICH SCHMIDT-EENBOOM: Da klingeln bei mir natürlich sämtliche Alarmglocken. Denn die Frage, wer die Daten erbeutet hat, ist höchst brisant. Für eine Aktion dieses Ausmaßes ist erhebliches Know-how nötig. Für Privatleute scheint das eine Nummer zu groß. Und Hacker, die das könnten, etwa die Leute vom Chaos Computer Club, tun so etwas nicht. Es deutet also alles in Richtung professioneller, ausländischer Geheimdienste.

Welche kämen denn in Frage?
Technisch in der Lage zu so einer Attacke wären etwa die Amerikaner, die Briten oder die Franzosen. Doch bei denen ist kein Motiv erkennbar. Auch die Geheimdienste Russlands, Chinas und sogar Nordkoreas verfügen über Hacker mit den entsprechenden Fähigkeiten.

Russland wird ja seit Jahren verdächtigt, Hackerangriffe auf deutsche Ziele zu führen.
Das stimmt. Auch bei der Attacke auf das Netz des Bundestags vor zwei Jahren deutete vieles Richtung Moskau. Es dürfte aber äußerst schwierig sein, den exakten Beweis für die Urheberschaft des Angriffs zu erbringen.

Was könnte das Motiv für den Diebstahl der Daten und deren Veröffentlichungen sein?
Das sieht nach einem Versuch aus, die deutsche Gesellschaft zu destabilisieren und die Stimmung aufzuheizen.

Glauben Sie, dass die bisherigen Veröffentlichungen nur die Spitze des Eisbergs waren?
In der Tat ist es nicht auszuschließen, dass das Ganze den Charakter einer Drohgebärde hat. Keiner weiß, über welches Material die Datendiebe noch verfügen, ob da auch Vorgänge mit Erpressungspotenzial dabei sind. Es könnte sein, dass nun das passiert, was vor der Bundestagswahl befürchtet worden war, dass brisante Daten aus früheren Cyber-Angriffen nun in Umlauf kommen.

Welche ersten Erkenntnisse ziehen Sie aus der Affäre?
Es ist erschreckend, wie lückenhaft der Datenschutz ist. Dass die Kommunikation von Politikern nicht sicher ist, weist auf gewaltige Probleme bei den zuständigen Behörden hin.

 

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