Erhöhte Asylprognose Flüchtlinge: Die große Welle kommt erst noch

Über Rosenheim kommen vor allem Flüchtlinge aus Afrika nach München. Dort beantragen sie dann Asyl. Foto: dpa

In München werden heuer wohl 12.000 Betten für Flüchtlinge und Asylwerber gebraucht – fast doppelt so viele wie ursprünglich gedacht. Was bedeutet das für die Stadt?

 

München - Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat am Mittwoch seine Prognosen deutlich nach oben korrigiert: Statt wie bisher von 450 000 geht die Bundesbehörde nun von etwa 800 000 Flüchtlingen aus, die heuer voraussichtlich in Deutschland ankommen werden. Was das für München und die Maßnahmen der Stadt bedeutet? Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie viele Flüchtlinge muss München 2015 aufnehmen?

Welche Kommune wie vielen Menschen Asyl bieten muss, wird über den sogenannten Königsteiner Schlüssel berechnet. München muss demzufolge etwa 1,5 Prozent der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge aufnehmen. Bei 800 000 Asylsuchenden macht das 12 000 Betten, die München in diesem Jahr bereitstellen muss.

Wie viele Flüchtlinge leben aktuell in München?

In München sind derzeit um die 9000 Flüchtlinge untergebracht. Etwa 4000 davon sind erst heuer in Deutschland angekommen. Sollte die Prognose des Bundesamtes zutreffen, so ist also von bis zu 8000 weiteren Personen auszugehen, die München bis Jahresende beherbergen muss. Die große Flüchtlingswelle steht also noch aus.

Wie bereitet sich die Stadt auf den Ansturm vor?

Etwa alle vier Wochen schnürt der Stadtrat ein neues Paket mit Unterkünften. Kommende Woche steht der nächste Beschluss an, der mittlerweile achte in dieser Legislaturperiode. Neben dem bereits bekannten Johanneskolleg in der Hiltenspergerstraße und einigen Gewerbebauten will Sozialreferentin Brigitte Meier dem Stadtrat dann auch drei weitere Standorte für Leichtbauhallen vorschlagen. Die genauen Adressen dafür sind noch nicht bekannt, sie verteilen sich aber auf die Stadtteile Harthof, Feldmoching und Obermenzing.

Kann die Stadt das Flüchtlingsproblem alleine lösen?

Bürgermeister Josef Schmid (CSU) hatte diese Woche einen Hilferuf abgesetzt – und dafür viel Kritik einstecken müssen. Auch Sozialreferentin Brigitte Meier geht davon aus, dass München das Flüchtlingsproblem alleine in den Griff bekommt. Die für Asylverfahren zuständige Regierung von Oberbayern weist der Stadt derzeit 225 Flüchtlinge pro Woche zur Unterbringung zu. Aufgrund der neuen Prognosen steigt diese Zahl von kommender Woche an auf 248. Doch die Stadt hat mittlerweile genug Unterkünfte akquiriert, um in der Woche theoretisch auch 300 neue Flüchtlinge unterbringen zu können.

Wenn genug Platz ist, wo ist dann das Problem?

Die Stadt hat einen sogenannten Stab für außergewöhnliche Ereignisse eingerichtet. Dieser ist mit der Suche von potenziellen Flüchtlingsunterkünften beauftragt. Mittlerweile befinden sich genügend Quartiere in der Kartei der Stadt, „der Feind ist allerdings die Zeit“, sagt Sozialreferentin Brigitte Meier. Nicht jede Unterkunft kann so schnell hochgefahren werden, wie das teilweise nötig wäre. Und jetzt fallen auch noch zwei Unterbringungsmöglichkeiten aus: Wegen der anstehenden Wiesn wollen viele Hoteliers ihre Pensionszimmer, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, nicht mehr an die Stadt vermieten. Wegen der Bauma geht im Oktober zudem der Messeparkplatz in Riem als Standort verloren.

Fehlen der Stadt denn dann derzeit Plätze?

Nach derzeitigem Stand gibt es in der Stadt tatsächlich 33 Plätze zu wenig. Das ist aber kein Problem, das Sozialreferat gleicht dieses Defizit kurzfristig mit anderen Kontingenten aus, etwa aus dem Wohnungslosen-Programm. „Nervös werden wir erst ab 200 fehlenden Plätzen“, sagt Referentin Brigitte Meier. Und sollte der Stadtrat kommende Woche den neuen Unterkünften zustimmen, ist die Stadt vorläufig wieder im Plus.

Wo kommen die Flüchtlinge eigentlich her?

Nach München kommen die Flüchtlinge fast ausschließlich über zwei Wege: Syrer, Afghanen und Iraker über Passau, Flüchtlinge aus Afrika und dem Balkan vornehmlich über Rosenheim. Täglich stranden so etwa 650 Menschen am Münchner Hauptbahnhof, am Dienstag waren es innerhalb von 24 Stunden sogar 858. Diese werden dann auf die Erstaufnahmeeinrichtungen verteilt. Die Anerkennungsquote für Asylsuchende liegt derzeit bei 36 Prozent.

 

63 Kommentare