Erdgas-Auto im Dauertest Ein Jahr Audi A4 g-tron - die Bilanz

Der bivalente Audi A4 Avant g-tron: treuer Begleiter für ein ganzes Jahr. Foto: Rudolf Huber

Ein Jahr lang war der Audi A4 g-tron ein treuer Alltags-Begleiter. Knapp wurde die 30.000-Kilometer-Marke verpasst. Wie hat sich das Gas-Auto geschlagen? Die Bilanz.

 

München - Kurz die Basis-Daten des g-tron, der zum Abschluss bei Audi in Ingolstadt auf Herz und Nieren gecheckt wurde: Der A4 Avant g-tron ist ein bivalentes Fahrzeug, er verbrennt Erdgas (CNG) und Superbenzin. Sein Zweiliter-Motor leistet 170 PS, 20 weniger als der Nur-Benziner. Der Sprit-Tank fasst 25 Liter, die drei CNG-Rundlinge unterm Wagenboden zusammen 19 Kilo.

Hilfreich ist die Einstellung, mit der sich zwischen Tacho und Drehzahlmesser die jeweils mögliche Reichweite anzeigen lässt. Im Dauertest pendelte sie sich auf 370 Kilometer mit Gas und 330 Kilometer mit Benzin ein, sprich: Wenn es sein muss, sind 700 Kilometer am Stück kein Problem. Und mehr. Denn auf einem Langstreckenversuch ging den Gastanks erst nach knapp über 400 Kilometern der Druck aus. Es kommt halt wie immer drauf an, wie zart man mit dem Gaspedal umgeht.

Gas-Tanken macht Spaß

Auch wenn die Gaspreise in den letzten Monaten tendenziell ein bisschen nach oben gegangen sind: Das Tanken macht - zumindest aus finanzieller Hinsicht - jedes Mal großen Spaß. Bei Kilopreisen um die 1,16 Euro reichen rund 20 Euro für die nächsten zurückhaltend gefahrenen 400 Kilometer. Macht circa fünf Euro pro 100 Kilometer. Da müssen auch noch so sparsame Diesel passen.

Anderer Aspekt: Gas-Autos sind konkurrenzlos sauber, das hat vor Kurzem die Forschungsgesellschaft Joanneum Research dargelegt. Nach deren Berechnungen können bei Betrachtung des aktuellen Strom-Mixes übers komplette Fahrzeugleben betrachtet nicht einmal E-Autos mithalten, wenn es um klimarelevante Schadstoffe geht, Benziner und Diesel haben nicht den Hauch einer Chance. Und: Schon normales Erdgas ist sehr sauber, Biogas vergrößert den Vorsprung in der Treibhausgas-Bilanz nochmals deutlich.

Ein Manko: Erdgas tanken geht nicht überall

Allerdings wird es dem Erdgas-Fahrer mit gerade mal 900 Abfüll-Stationen in Deutschland nicht unbedingt leicht gemacht, die rund 2.000 Euro Mehrpreis für die Tanks und die restliche CNG-Hardware am g-tron möglichst schnell wieder reinzufahren. Das Navi, in dem alle Anlaufstellen hinterlegt sind, hilft zwar nach Kräften dabei und fragt bei einer Restreichweite von 50 Kilometern, ob es zur nächsten Gas-Tanke lotsen soll. Aber immer wieder mal ist die eine oder andere Säule auch mal außer Betrieb. Dann muss zwischendurch teurer Sprit verbrannt werden.

Wohl dem, der für seine täglichen Arbeits- oder Einkaufswege eine CNG-Tankstelle in der Nähe hat. Ist das nicht der Fall, macht ein Erdgasauto zumindest finanziell gesehen keinen Sinn.

Das ist schade, denn speziell in einem Fahrzeug wie dem A4 Avant g-tron ist nicht nur das Tanken eine Freude, sondern auch der ganze Rest. Trotz des wegen der Gastanks etwas verkleinerten Kofferraums ist der Ingolstädter Kombi ein vollwertiger und rundum alltagstauglicher Begleiter. Er ist komfortabel, sehr gut verarbeitet und verbreitet dank des Doppelkupplungsgetriebes und einer reichlich bemessenen Basisausstattung durchaus einen Hauch von Luxus. Die Fahrleistungen (223 km/h Spitze, in 8,5 Sekunden von null auf 100 km/h) können sich ebenso sehen lassen. Der Verbrauch pendelt je nach Fahrweise zwischen 4,2 und 5,4 Kilo Gas pro 100 Kilometer. Im Schnitt waren es 4,7 Kilo.

Nach einem Jahr gibt es beim Audi A4 g-tron nichts zu beanstanden

Alles also im grünen Bereich nach einem Jahr? Wie schneidet der g-tron auf der Hebebühne und beim Dichtheits-Check mit dem "Gas-Schnüffler" ab? Das lässt sich mit einen einzigen Prädikat beantworten: ausgezeichnet. Der große Service, wie er etwa vor einer Hauptuntersuchung durchgeführt wird, ist durchaus anspruchsvoll und beleuchtet alle Teile eines Autos, bei denen Alterung oder Verschleiß eine Rolle spielen können.

Doch Beanstandungen gibt es nicht, weder Fahrwerk noch die Hankook-Reifen, weder die Bremsscheiben, noch die Beläge, weder die Bodenbleche, noch die Auspuffanlage zeigen Anzeichen von Wechselwilligkeit. Alles (fast) so frisch wie am ersten Tag, lautet das Fazit des Meisters in der Audi-Lehrlingswerkstatt. Und sein Kollege mit dem elektronischen Gas-Detektiv pflichtet nach einer intensiven Schnüffeltour an der kompletten CNG-Anlage bei: Beide Daumen hoch!

Beim Dauertestwagen ist alles im grünen Bereich - die nächsten zigtausend Kilometer können kommen.

 

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