EM-Ticket scheint sicher Löw über Gomez: "Wieder das Näschen für Tore"

Mario Gomez war trotz der Niederlage gegen England der gefeierte Mann. Foto: dpa

Bei der 2:3-Pleite gegen England konnte nur Mario Gomez überzeugen. Doch das war nicht immer so. Nach viel Kritik und zahlreichen Verletzungen hat sich der Ex-Bayer in seine Topform zurückgekämpft.

 

München - In den letzten Jahren war es oft so: Die Nationalelf spielt, gewinnt, und der einzige Verlierer heißt: Mario Gomez.

Weil torlos, manchmal slapstickhaft in seinem chronischen Versagen, danach ausgepfiffen. Und so ließ der traurige Mario seine Schultern hängen und die Hoffnung fahren. Verunsichert, verletzt, vergessen – 23 andere wurden 2014 in Brasilien Weltmeister. Gomez war 2008 und 2010 bei EM und WM dabei, kehrte jeweils als Verlierer heim.

Am Karsamstag, nach dem 2:3 im EM-Test gegen England war es so: Die Nationalelf spielt, verliert, und der einzige Gewinner heißt: Mario Gomez. Raus mit Applaus beim Wechsel in der 80. Minute. Die Fans im Berliner Olympiastadion zollten dem Wieder-Super-Mario Respekt. Vor allem für seinen Kopfballtreffer in Minute 57 auf Flanke von Sami Khedira, mit dem er schon vor seiner Bayern-Zeit beim VfB Stuttgart prächtig harmonierte. Zuvor hatte der Mittelstürmer einen regulären Treffer erzielt, der aberkannt wurde (27.).

Physis entscheidend für wiedergewonnene Stärke

Ein Beleg für seine wiedergewonnene Stärke, die der 30-Jährige selbst auf seine erstarkte Physis zurückführt. Nach der Partie berichtete er, dass er wieder „die Körner habe, um mich gut zu bewegen und so der Mannschaft zu helfen“. Er sei „wieder fit“. Das ist die eine Komponente. Auch das Selbstvertrauen ist zurück. Er holte es sich über Spiele und Tore.

Entscheidend war der Wechsel letzten Sommer vom AC Florenz in die Türkei zu Besiktas Istanbul, anfangs als Abstieg verschrien. Mit 19 Toren in 26 Ligaspielen liegt Gomez an der Spitze der Torjägerliste der türkischen „Süper Lig“.

Er habe „den Spaß am Fußball wieder gefunden“, erzählte Gomez, der in Florenz zu oft verletzt war und ab 2009 bei Bayern am Spielsystem – erst unter Louis van Gaal, dann unter Jupp Heynckes - verzweifelte: „Da stand ich nur blöd im Strafraum rum.“ Mit dem Triplesieg 2013 verabschiedete er sich nach Italien. Und irgendwie auch aus der Nationalelf, verspottet als „Chancentod“.

Diesen Stempel verpasste ihm die deutsche Öffentlichkeit. Gomez wurde verlacht, als er 2008 bei der EM gegen Österreich den Ball auch aus einem Meter nicht versenken konnte.

 

Erster Treffer nach 1382 Tagen

Mit dem Tor zum 2:0 gegen England beendete er eine 1382 Tage währende Durststrecke im DFB-Trikot. Treffer Nummer 26 folgte auf den Doppelpack bei der EM 2012, als er die Niederländer beinahe im Alleingang abschoss (2:1). Beim 1:0 gegen Portugal wenige Tage zuvor sorgte der Kommentar von ARD-Experte Mehmet Scholl für Aufruhr, der den unbeweglichen Strafraumstürmer verspottet hatte: „Ich hatte Angst, dass er sich wund liegt.“ Er ging erstaunlich locker mit dem medialen Echo um, der nächste Stempel war jedoch drauf.

Einen Fan hatte er immer: Bundestrainer Joachim Löw. „Man hat in den vergangenen Monaten gesehen, dass Mario an Selbstvertrauen gewonnen hat. Man hat im Training gemerkt, dass er dynamischer und selbstbewusster ist“, sagte Löw und stellte fest: „Er hat wieder das Näschen für Tore.“ Und Löw das Näschen fürs Näschen, für Mario, das Oster-Näschen. Der Bundestrainer hielt an ihm fest und hat für die EM eine echte Alternative zu seinem bevorzugten System mit einer falschen Neun wie Mario Götze oder Thomas Müller.

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Er wusste ja auch, dass ihm nach dem Rücktritt von Miroslav Klose solch ein Stürmertyp fehlt. Gegen Italien darf Götze ran, Gomez wird eingewechselt. „Es wäre auch mal nicht schlecht, den Mario zu sehen, wenn er von der Bank reinkommt“, sagte Löws Assistent Thomas Schneider. Joker könne Gomez nicht, hieß es früher. Vielleicht widerlegt er auch das am Dienstag. In München. „Diesmal möchte ich dabei sein und nicht wie bei der WM nur zuschauen“, sagte er. Das EM-Ticket scheint ihm sicher.

 

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