EM 2016 Mal Hund, mal Baum: Götze und Müller in der Krise

, aktualisiert am 19.06.2016 - 17:49 Uhr
Schwache Leistungen bei der EM: Mario Götze Foto: dpa

Die beiden deutschen Offensivstars Thomas Müller und Mario Götze stehen bei dieser EM nach eher durchwachsenen Leistungen in der Kritik. „Ich glaube an die Fähigkeiten meiner Spieler“, sagt Löw.

 

Évian - Die Sache mit den fehlenden Zentimetern musste ja kommen. Ob seine nur 1,76 Meter Körpergröße als Angreifer an vorderster Front ein Nachteil seien, wurde Mario Götze am Sonntagmittag in Évian gefragt. „Dass ich nicht der größte Spieler bin, das weiß ich“, antwortete Götze. Da beugte sich Thomas Müller, rechts von ihm auf dem Podium, und sprach ins Mikrofon: „Nicht der längste!“ Götze lächelte und nickte.

Ansonsten sind die Witzchen und Späße aus dem Munde Müllers einer neuen Ernsthaftigkeit gewichen. Seine Blödeleien haben keine so hohe Taktung mehr während dieser EM. Auf seinem Twitter-Kanal regiert der blanke Ernst: „Hard match against Poland – 0:0“, hieß es da am Freitag. Ohne Smiley. Ohne Optimismus. Am Sonntag sagte er zumindest: „Wir sind nicht beunruhigt. Es ist keine Frage, dass wir Favorit sind.“ Wenn es am Dienstag gegen Nordirland und um den Sieg in Gruppe C geht. Mit Müller, das ist wohl klar. Aber auch mit Götze – oder doch mit Mario Gomez?

Müller und Götze haben nach zwei Spielen gegen die Ukraine (2:0) und gegen Polen als traurige Bilanz stehen: kein Tor, keine Vorlage, keine wirklich torgefährliche Szene. Die Kritik der letzten Tage ist angekommen bei beiden. Aber nicht gut. „Man wünscht sich manchmal mehr Objektivität“, sagte der eine Bayern-Profi Müller und fügte etwas genervt hinzu: „Derjenige, der ein Tor schießt, ist der Gute. Wenn nicht, dann eben nicht.“ Die „gesamtheitliche Leistung für die Mannschaft“ werde bei einzelnen Spielern nicht berücksichtigt. Und Götze meinte: „So ist das auch im Fußball. Mal ist man der Hund, mal ist man der Baum. Wir können damit leben, das gehört dazu.“

Was ist los mit diesen zwei Hoffnungsträgern der Nationalmannschaft auf den EM-Triumph?

Müller, bester deutscher Torschütze der vergangenen Saison (hinter Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang), müllert nicht mehr. Seit sieben EM-Spielen (inklusive des Turniers 2012 in Polen/Ukraine) hat der 26-Jährige im DFB-Trikot nicht einen Treffer oder eine Torvorbereitung beisteuern können. Bei Weltmeisterschaften läuft und trifft scheinbar ein anderer Müller. 13 Spiele, zehn Tore, sechs Vorlagen. Das unorthodoxe Spiel und die Unberechenbarkeit sind seine Markenzeichen. Läuft es nicht wie aktuell als Rechtsaußen, wirkt Müller seltsam verloren, ohne Bindung zum Spiel. „Müller ist ein Spieler, der es auch wegsteckt, wenn er nicht trifft“, verteidigte Löw: „Ich glaube an die Fähigkeiten meiner Spieler.“

Das zweite Gesicht der deutschen Offensiv-Krise ist Mario Götze, vor zwei Jahren noch Held des WM-Finales gegen Argentinien. Nach Ende einer – für ihn persönlich – schlimmen Saison beim FC Bayern hoffte er, im Nationalteam dank des Vertrauens von Bundestrainer Joachim Löw zu alter Freude und Form zu finden, er entwickelt jedoch als hängende Spitze bisher keinerlei Torgefahr. Hat ihn all das Theater um seine Person in den vergangenen Monaten doch zu sehr mitgenommen? Schleppt er diese Sorgen aktuell mit durch Frankreich? Die Bayern wollen ihn nach drei mauen Spielzeiten loswerden und ein Jahr vor dem Vertragsende noch eine hübsche Ablösesumme kassieren. Der künftige Trainer Carlo Ancelotti wie auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge haben ihm direkt und durch die Blume zu verstehen gegeben, dass seine Zeit in München vorbei ist. Trotzig erklärte das einstmals größte Talent Deutschlands, er wolle sich bei Bayern durchsetzen.

„Wir sind positiv, haben eine sehr gute Ausgangsposition, unsere Gruppe zu gewinnen“, meinte Götze. Und Müller sagte: „Ich würde auch einen zähen Sieg wieder nehmen und das Geschriebene dann einfach ertragen und mit ins Achtelfinale nehmen.“

 

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