Einen rausgehauen Wuchtiger TSV 1860: So ackern Köllners Chef-Löwen

"Zieht dem Dressel die roten Schuhe aus": Löwen-Youngster Dennis Dressel in weißen Stutzen auf dem Zaun vor der Westkurve. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Wuchtig, überzeugend, ein bisserl überraschend – die Löwen glänzen beim Auftakt gegen Braunschweig. Sinnbildlich dafür steht Dressel, der zur Party auf den Zaun darf: "Besser hätten wir nicht starten können."

 

München - Es ist ein Schmähgesang wie ihn die Löwen lieben. "Zieht den Bayern die Lederhosen aus!", sangen sie öfter in früheren Tagen, um den übermächtigen FC Bayern zu besiegen. Auf Giesings Höhen erklang am Sonntag in der Westkurve, in Anlehnung an den altbekannten Schlachtruf: "Zieht dem Dressel die roten Schuhe aus!"

Nach dem souveränen 4:1-Sieg des TSV 1860 am Sonntag gegen Aufstiegsaspirant Eintracht Braunschweig durfte Junglöwe Dennis Dressel, Torschütze zum 2:0, beim obligatorischen Siegestaumel auf den Zaun. "Diesmal war ich dran und durfte nach oben", sagte Dressel nach seiner Einlage und gestand seinen "Skandal" erst auf Nachfrage grinsend: "Die Fans haben darum gebeten, meine roten Schuhe auszuziehen. Die sind wohl nicht so gern gesehen."

Dressels Distanzschuss ein Sinnbild für den Löwen-Sieg

Also entledigte sich Youngster Dressel (21) seines Schuhwerks in der verbotenen Farbe und stimmte in weißen Stutzen der Unschuld am Megafon ein "Humba Täterä" an – inklusive Seitenhieb gegen die Bayern. Für Dressels Distanzschuss mit seinem schwächeren rechten Fuß zum 2:0 galt, was sinnbildlich für den gesamten Auftritt der Sechzger im ersten Spiel des Jahres steht: Die Löwen haben mal so richtig einen rausgehauen. Wuchtig, überzeugend – auch ein bisserl überraschend.

"Besser hätten wir nicht in die Rückrunde starten können", so Dressel nach dem Traum-Auftakt: "Wir haben auch nach dem 2:1 weiter nach vorne gespielt. Wir haben nicht aufgehört, Fußball zu spielen, sogar noch das vierte gemacht und absolut verdient gewonnen."

Giesinger Chef-Löwen lassen Braunschweig alt aussehen

Trainer Michael Köllner offenbarte, was von Beginn an seine Marschroute war: "Wir haben das Spiel gleich in die Hand genommen, hatten viel Ballbesitz. Das war unser Plan für dieses Spiel", sagte der 50-Jährige: "Wir waren immer Herr im Hause." Im Duell der beiden Teams mit demselben Wappentier hatten die ambitionierten Braunschweiger nicht viel zu melden – nicht gegen eine Elf aus Giesinger Chef-Löwen.

Zaunkönig Dressel, Doppelpacker Sascha Mölders, Spielmacher Efkan Bekiroglu, der das 1:0 erzielte – sie stachen aus Sechzigs löwenstarkem Kollektiv noch heraus. Und doch wirkte die ganze Mannschaft nach der Winterpause wie entfesselt: Jeder einzelne Löwen-Akteur agierte voller Überzeugung und forderte den Ball.

Steinhart und Lex starke 1860-Vorbereiter

Linksverteidiger Phillipp Steinhart war an sage und schreibe drei Treffern beteiligt, Comebacker Stefan Lex bereitete die beiden Mölders-Tore vor. Braunschweigs Angriff um die beiden Zweitliga-Neuzugänge Marvin Pourié und Merveille Biankadi war beim Innenverteidiger-Duo Aaron Berzel und Dennis Erdmann nahezu abgemeldet. Nicht einmal bei Sechzigs Küken Noel Niemann (22) war auch nur ein Hauch Nervosität erkennbar.

Damit zeigten die Spieler nach Köllners Forderung im Trainingslager ("Du brauchst viele Häuptlinge auf dem Platz"), dass sie verstanden hatten. Sie zeigten, dass in jedem Löwen ein Häuptling steckt. Woher diese Überzeugung?

Dressel: Mit roten Schuhen zur nächsten Zaunparty?

Für Verteidiger Berzel, einen der weiß-blauen Wortführer, ist das ganz einfach: "Ich denke, wir haben uns auf das konzentriert, was wir können. Wir haben einen Spielansatz gefunden, den Gegner laufen lassen." Selbst nachdem 1860 rund um den Anschlusstreffer etwas den Faden verloren habe, "haben wir uns nach der Pause zusammengerafft und wieder das auf den Platz gebracht, womit wir angefangen haben."

Weil an diesem Wochenende alles passte für den neuen Tabellen-Siebten, durfte Dressel seine erste Zaunparty feiern. Seine roten Schlappen müssen die Fans der Blauen noch länger ertragen – und vielleicht mal wieder besingen: "Die werde ich noch das eine oder andere Spiel dranlassen, sie haben Glück gebracht."

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