Ein Streithansl feiert Geburtstag SPD-Stadtrat Alexander Reissl wird 60

Alexander Reissl feiert am Donnerstag seinen 60. Geburtstag. Foto: imago

Alexander Reissl ist einer der wenigen Charakterköpfe im Rathaus. Heute wird der langjährige SPD-Chef 60 Jahre alt. Die Opposition hat für den Sozi-Streithansl manch deftigen Begriff.

 

München - Die vergangenen Tage hat Alexander Reissl in Köln verbracht. Wer den Fraktionschef der Rathaus-SPD nur von seinen Auftritten im Stadtrat her kennt, würde das vielleicht gar nicht denken, aber Rosenmontag, Karnevalsumzug, Kamelle-Werfen - das ist schon sein Ding.

Vielleicht hat's was mit dem Geburtstag zu tun: 15. Februar. Nur in Jahren mit kurzem Fasching liegt dieses Datum nicht mitten in der narrischen Zeit - in Jahren wie diesem eben. Zu seinem Sechzigsten hat sich Reissl deshalb heuer vorab einen Ausflug in die Karnevalshochburg nach Köln gegönnt.

Reissl hat sich als Wilderer unter die anderem Kostümierten gemischt. "Vollkommen unabsichtlich", sagt er. In Köln kennt ihn ja ohnehin niemand. In München allerdings hätte der ein oder andere die Verkleidung sicher als symptomatisch empfunden. Der rustikale Reissl als Wilderer - das passt irgendwie.

Von "Haudegen" bis "Zuchtmeister"

Unterhält man sich mit seinen Kollegen aus dem Stadtrat über ihn, fallen Begriffe wie Streithansl, Haudegen, harter Hund, Zuchtmeister. In der Opposition wird man sogar noch etwas deftiger. Oft schwingt in der scharfen Charakterisierung aber auch ein bisschen Bewunderung mit.

Reissl kennt natürlich all diese Zuschreibungen. "Und es ist ja auch nicht alles vollkommen verkehrt", gesteht er. Den Zuchtmeister würde er zwar nicht unterschreiben. "Aber man kann das ja auch mal als Anerkennung einer Haltung verstehen", sagt er.

Reissl würde 1958 in München geboren. Der Vater stammte aus Wien und betrieb eine Künstleragentur - keine ganz klassische. Im Portfolio hatte er vor allem Musiker und Tänzerinnen für Nachtlokale. Die Mutter arbeitete im Presseamt der Stadt. Und da die Eltern getrennt lebten, wuchs Reissl im Wesentlichen bei seinen geliebten Großeltern in Moosach auf - dem Viertel, dem er auch heute noch zu tiefst verbunden ist.

Sein Abitur machte Reissl am Wittelsbacher Gymnasium. Danach folgte eine Findungsphase. Das Jurastudium schmiss er nach zwei Semestern und machte stattdessen eine Ausbildung zum Druckformhersteller. Aber auch das machte ihn nicht auf ewig glücklich. Heute arbeitet er bei der Stadtsparkasse.

In der Politik dagegen verlief Reissls Laufbahn so schnurgerade, wie sie nicht gerader hätte laufen können. Sein Großvater, als Spenglermeister der deutschen Arbeiterbewegung sehr verbunden, hatte ihn früh für linke Ideen begeistert. Schon mit 16 trat Reissl deshalb in die SPD ein. Mit 20 wurde er in den Bezirksausschuss Moosach gewählt, mit 26 übernahm er dort den Vorsitz. Mit 38 kam er dann auch in den Stadtrat.

Seit zehn Jahren führt er dort mittlerweile die SPD-Fraktion an. Er sei ein harter Arbeiter, ein unermüdlicher Aktenstudierer, kenne sich in jedem Thema unfassbar gut aus, heißt es aus der Fraktion. Trotz seiner mitunter harschen Art hat ihm deshalb bislang auch niemand den Vorsitz streitig machen können.

Die Rathaus-SPD hätte ihn fast abgesägt

Vor knapp zwei Jahren hat es zwar mal einen kleinen Putschversuch gegeben. Da schickte sich der damalige Vize Hans Dieter Kaplan an, Reissl bei Vorstandswahlen vom Thron zu stoßen. Das knappe Ergebnis war für den Amtsinhaber ein ordentlicher Warnschuss. Eigentlich könne man auf Reissl aber nicht verzichten, heißt es bei den Genossen. Zumindest noch nicht.

Reissl ist immer noch das absolute Zugpferd der Sozen im Rathaus. Bei den anderen Fraktionen glaubt man deshalb auch nicht, dass sich an der SPD-Spitze so schnell etwas ändern wird. Auf die Referentenbank könne Reissl nicht wechseln, heißt es, da stehe ihm schlicht das abgebrochene Studium im Weg. In der Bürgermeister-Riege sei für ihn auch kein Platz - da bleibe ihm also auch über die Kommunalwahl 2020 hinaus nichts anderes übrig, als Fraktionschef zu bleiben.

Reissl wird das nicht weiter grämen. Sein Job verschafft ihm in der Großen Koalition eine Schlüsselposition im Rathaus. Und wenn er bei Stadtratsdebatten mit verschmitzter Miene ans Rednerpult tritt, um vorzugsweise die Grünen zu piesacken, den früheren Koalitionspartner der SPD, dann merkt man: Der Mann hat noch richtig Spaß an seiner Aufgabe. Der oft etwas mürrische Reissl blüht dann regelrecht auf.

Dass Reissl in den nächsten Jahren eine gewisse Altersmilde entwickelt? Darauf dürfen weder die Grünen noch die eigenen Leute hoffen. 60 Jahre, das sei zwar "nicht so wirklich prickelnd", sagt er. Man bekomme langsam ein bisschen zu spüren, dass die Jahre kürzer werden, so Reissl nachdenklich. Er schickt aber auch gleich hinterher: Angst, dass er deswegen bald in Depressionen verfalle, müsse man nicht haben.

Rechtzeitig zu seinem Geburtstag ist Reissl übrigens wieder aus dem Kölner Karneval zurückgekehrt. So ein runder Geburtstag, da muss man schließlich auch mal einen ausgeben. Er hat zum Feiern deshalb in den Augustinerkeller eingeladen - Freunde, Familie, Kollegen.

Auf der Playlist wird dort sicher auch ein Lied stehen: "Smoke on the water" von Deep Purple - sein Lieblingstitel. Trotz der 60 Jahre: Schmusemusik ist für den ewigen Steithansl nichts. Reissl steht auf Rock.

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