Ein bisserl Widerstand Grünwalder Stadion aufstocken? So sieht man das im Viertel

Weiß und blau und laut – was ohne Dach durchs ganze Viertel schallt: Löwen-Fans in der Westkurve des Grünwalder Stadions. Foto: dpa

Fanbusse am Tierpark, weniger Stau in Giesing: Was CSU, SPD und Grüne im Viertel für den vom TSV 1860 heiß ersehnten Ausbau des Grünwalder Stadions fordern.

 

Giesing - Wird das Sechzgerstadion auf 30.000 Zuschauer erweitert? Es wäre eine Verdopplung der heutigen Kapazität – die OB Dieter Reiter (SPD) prüfen lässt. Das ist die Maximal-Variante. Auch eine Erweiterung auf 25.000 und auf 18.600 wird untersucht. Reiter lässt eine Machbarkeitsstudie zu diesen drei Szenarien vergeben – und hat damit im Rathaus viele überrascht. Im Stadtviertel auch. Die AZ hat sich im Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching umgehört, wie die Parteien die Situation bewerten.

BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) kann sich die Maximal-Variante schwer vorstellen. "Wenn ein Gutachter feststellt, dass man den Lärmschutz trotzdem verbessert kriegt und wir die An- und Abfahrt verbessern, bin ich auch bei 30.000 dabei", sagte er am Dienstag der AZ. "Im Moment scheint mir das utopisch." Christina Kern, SPD-Sprecherin, Anwohnerin, Polizistin und Löwen-Fan, sagt: "Wenn man die Lautstärke in den Griff kriegt und die Verkehrssituation geklärt ist, kann ich mir die Erweiterung vorstellen."

Das größte Problem: Fußball-Fans machen Lärm

Probleme sehen die Lokalpolitiker auf drei Feldern: beim Lärmschutz, der Verkehrssituation, etwa durch parkende Löwen hinterm Wettersteinplatz – und bei den Gästefans. "Wir kriegen dazu viele Briefe von Anwohnern", sagt Christina Kern von der SPD. "Die Gästefans bieseln, sobald sie aus ihren Bussen sind, an jede Ecke."

Auch Baumgärtner kennt solche Klagen. Er würde die Gästebusparkplätze gerne mittelfristig zumindest bei Abendspielen an den Tierpark verlegen. Dort könnte er sich auch viele Parkplätze für andere Stadionbesucher vorstellen – im angedachten Tierpark-Parkhaus. Dann müsste wohl ein Shuttle-Verkehr zum Stadion eingerichtet werden.

Was die Verwaltung von der Überlegung hält? Weiß Baumgärtner nicht. "Wir hören überhaupt nichts", klagt er. Und von der Großen Koalition auch nicht, sagt Sebastian Weisenburger von den Grünen. "Niemand übernimmt die politische Verantwortung und setzt sich dem Zorn der Anwohner aus", klagt er. "Es wäre schon nett, mal zu wissen, was SPD und CSU überhaupt wollen."

Keine Fraktion stellt sich grundsätzlich gegen den TSV 1860

Genau da muss die Koalition wohl bald Farbe bekennen. Reiter hat die Machbarkeitsstudie mit diesem Ziel in Auftrag geben lassen: zu sehen, was möglich ist – und dann zu entscheiden, was man will. Nicht nur Weisenburger hatte beklagt, dass "man scheibchenweise und ohne Diskussion immer weiter ausbaut".

Grundsätzlich gegen die Löwen stellt sich keine der Fraktionen. Baumgärtner betont, selbst die direkten Anwohner seien "nicht gegen Sechzig, sie wollen nur ihre Belastung reduzieren". SPD-Frau Ker schwärmt, wie viel neues Leben mit den Löwen ins Viertel eingekehrt sei, wie sehr die Gastronomen profitieren.

Der genervte Teil der Anwohner sieht's weniger positiv. Auf den Rathaus-Fluren raunt es schon, Giesinger würden mit ihren Anwälten eine Klage gegen eine Erweiterung vorbereiten.

Baumgärtner hat nun einen Runden Tisch initiiert, hofft, dass Anwohner, Sechzig und Stadt aufeinander zugehen. "Niemand wird sein Interesse zu 100 Prozent durchsetzen können", sagt er. Er hofft, dass die Machbarkeitsstudie mit einer aktuellen Studie zum Candidplatz verbunden wird, wo etwa auch Tiefgaragenstellplätze entstehen könnten.

Lesen Sie hier auch den AZ-Kommentar von AZ-Lokalchef Felix Müller zum Thema

 

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