EHC-Star hört auf Jason Jaffray im AZ-Interview: "Erst den Titel, dann die Rente"

Die letzten fünf seiner 18 Profijahre verbrachte Jason Jaffray beim EHC München und wurde dreimal deutscher Meister. Er verbuchte 70 Tore und 84 Assists in 234 DEL-Spielen. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der 38-jährige Star des EHC Red Bull München beendet nach der Saison seine Karriere. In der AZ spricht er über die Entscheidung, wer ihn darin bestärkt hat – und seine Zukunftspläne.

 

Ex-NHL-Star Jason Jaffray wechselte 2015 zum EHC Red Bull München, holte drei Mal die Meisterschaft. Zum Ende dieser Saison beendet er mit 38 Jahren seine Laufbahn.

AZ: Herr Jaffray, Sie, der älteste Spieler in der DEL, werden nach dieser Saison Ihre illustre Karriere beim EHC Red Bull München beenden. Wann ist diese Entscheidung für Sie ganz persönlich gefallen?
JASON JAFFRAY: Vor etwa sechs Wochen. Und ich kann Ihnen versichern, es war keine leichte Entscheidung. Mein Kopf sagt mir, dass ich noch ein, vielleicht zwei Jahre auf hohem Niveau spielen kann. Aber mein Körper erzählt mir langsam etwas anderes. Es gibt Tage, an denen ich mich fühle, als könnte ich Bäume ausreißen – und dann gibt es Tage, da rollt man sich fast aus dem Bett. Alles ist steif, tut ein bisschen weh. Ich glaube, dass es jetzt Zeit ist, auf meinen Körper zu hören. Und zum Glück sagt auch mein Herz, dass auf mich jetzt etwas anderes wartet.

Die Familie!
Genau. Ich hatte ja zwei Jahre große Probleme mit meiner Hüfte, musste operiert werden. Eine gesamte Saison waren meine Kinder – meine Tochter ist 13, mein Sohn zehn – in Kanada, während ich hier am Comeback gearbeitet habe. Ich freue mich darauf, noch viel mehr ein Vollzeit-Vater sein zu können, meine Tochter auf ihre Kunstturn-Wettkämpfe zu begleiten, meinen Sohn auf seine Eishockeyspiele zu fahren. All das ist schwierig, wenn man ein professioneller Eishockeyspieler ist. Wie gesagt, meine Tochter ist 13, es kann sein, dass sie in fünf Jahren auf dem College ist. Die Zeit, die man nicht miteinander verbracht hat, die gibt einem keiner zurück. Mein Sohn hätte es zwar am liebsten, wenn ich noch zehn Jahre spielen würde, damit er immer mit in die Umkleide kann, dass er die Spieler kennenlernen kann, aber es ist Zeit für mich, in Eishockey-Rente zu gehen. Ich will den Sport, den ich so liebe, dem ich so viel verdanke, zu meinen Bedingungen verlassen. Und deswegen werde ich auch mit einem Lächeln gehen.

Jason Jaffray: So sieht sein Traum zum Ende der Karriere aus

Wie Ihr Freund und Ex-Teamkollege Michael Wolf, der 2019 die Karriere beendet hat, sagte: "Ich will gehen, bevor die Leute sagen, wäre er bloß früher gegangen."
So ist es! Ich will der Herr über diese Entscheidung sein und nicht, dass die Zuschauer mitleidig schauen, wenn ich in einer Saison nur zwei Tore schieße. Und am Ende der Manager kommt und sagt: "Jason, für dich ist hier leider kein Platz mehr." Ich habe mich mit Wolf in den letzten Wochen öfters zum Mittagessen getroffen, ich wollte seine Meinung hören, wollte wissen, wie das Leben nach der Karriere für ihn ist. Denn ich war hin- und hergerissen. Wir haben viel darüber gesprochen und seine Worte, dass es für ihn so wichtig war, das letzte Wort über sein Karriereende zu haben, hat mich innerlich sicher bestärkt, diesen Schritt jetzt zu gehen. Aber noch ist es ja nicht vorbei.

Sie stehen mit dem EHC erneut in den Playoffs.
Und ich will München und das Eis am liebsten mit einem weiteren Meistertitel verlassen! Erst den Titel, dann die Rente, so wäre mein Traum.

Jason Jaffray und seine Zukunft: Vielleicht Scout, vielleicht Trainer

Was sind denn die Momente, die Sie besonders im Herzen tragen werden?
An erster Stelle die erste Meisterschaft. Ich hatte noch nie einen großen Titel gewonnen, andere tolle Spieler in diesem Verein auch nicht.

Etwa Wolf, etwa Yannic Seidenberg.
Genau. Dass wir das zusammen geschafft haben, war ein unglaubliches Erlebnis. Die anderen Titel waren auch grandios. Ich werde sicher auch nie vergessen, wie mein Sohn in der vergangenen Saison zur Finalserie den dritten Meister-Pokal aufs Eis brachte. Das ist ein Moment, der einem Vater ins Herz gebrannt ist – ich hoffe, er wird es ebenso wenig jemals vergessen wie ich. Ich kann nur sagen, es war eine meiner besten Entscheidungen in meinem Berufsleben, zu den Red Bulls zu wechseln.

Und wie sieht das Leben danach aus? Kann Jason Jaffray ganz ohne Eishockey?
(lacht) Wohl nicht. Ich habe mich immer sehr für die Trainertätigkeit interessiert, seit mehreren Monaten beschäftige ich mich mit den Aufgaben, die etwa ein Scout übernimmt.

Das wäre doch etwas: Jason Jaffray als Scout für die Red Bulls in Nordamerika...
Mir ist klar, dass es diese Stelle im Moment nicht gibt. Aber wer weiß, wenn ich die Scouttätigkeit mal drei, vier Jahre gemacht habe, vielleicht werde ich ja Trainer, vielleicht komme ich mal zurück. Wir werden sehen. Aber jetzt will ich erst die Saison zum tollen Abschluss für uns alle bringen und dann mein neues Leben leben. Als Vollzeitvater. Genau das.

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