Dusel der Bayern Nockherberg 2019: Zu brav und fad - die Kritik zum Singspiel

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Bitte lächeln, Selfie-Time! Katharina Schulze (Sina Reiss) und Andreas Scheuer (Stefan Murr). Foto: Sampics/Augenklick

Beim Singspiel am Nockherberg 2019 brillieren der sanfte Söder, Autoschmuser-Andi und Aggro-Angie. Andere Figuren sind sehr fad. Die AZ-Kritik.

 

München - In einem Wellnesskeller unter der Staatskanzlei treffen Politiker aufeinander, wollen alle den bayerischen Dusel fangen, um selbst Dusel zu haben – und eine Heizung reparieren, die droht, jederzeit zu explodieren. Klingt komisch? Ist aber so – und bei Weitem nicht so komisch, wie man das von einem Singspiel auf dem Nockherberg erwartet (AZ berichtete im Newsblog).

Der Mittelpunkt dieses Singspiels ist unangefochten Markus Söder (Stefan Zinner) im lila Trainingsanzug, der sich im Spind an einer Kette den bayerischen Dusel (gefangen) hält: Dieser Bayern-Dusel (Gerd Lohmeyer) ist haarig und quengelig. Söder ist bestens drauf und laut eigenem Bekunden "viel offener geworden. Und lässiger. Und jünger. Und weiblicher. Und Bienenfreund."

Dieser Söder versucht sich als Teamplayer, denn er hat sich sein Ego verkleinern lassen und weist Vorwürfe, er habe sich nur mithilfe von Dusel oben halten können, weit von sich: "Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung. Wir haben ja mit Kreuzer, Blume und Herrmann einige charismatische Kampfschweine. Und irgendwelche Frauen haben wir auch – für die Fotos."

Nockherberg-Singspiel: Gegen Söder hat Aiwanger es schwer

Neben Söder kann Hubert Aiwanger (Florian Fischer) nur schwer glänzen – zumal sich Söder nicht mal dessen Namen merken kann: Herbert, Robert, Norbert, Alibert Aiwanger? Beim Song mit Söder "Vorne bist du ganz allein" versucht er, dem Markus die Zeilen wegzunehmen, sich vorzudrängen. Klappt freilich nicht. Schade: Der Singspiel-Aiwanger bleibt in Sachen Lustigkeit selbst neben dem realen Aiwanger blass. Ein bisserl dorfdeppert ist er halt, der Singspiel-Hubert, der die Sprichworte verdreht. Und ansonsten nur: fad.

Ganz anders der "Bundesminister für Party und Verkehr", Andreas Scheuer (Stefan Murr), mit seinem Superhit "Autoschmuser-Andi", in dem es heißt: "Wer hat Porsche angetanzt? Autoschmuser-Andi! Sich an Porsche rangewanzt? Autoschmuser-Andi!"

Immer nach vorne, immer von sich überzeugt. Als Katharina Schulze ihn fragt, wie’s im Bund mit Grün-Schwarz ausschaue, meint Scheuer selbstbewusst: "Brauch ma nimmer! Schwarz ist das neue Grün."

Katharina Schulzes Nockherberg-Debüt: Manchmal gut, oft schwach

Ihr Debüt gibt Katharina Schulze (Sina Reiss) als Nervensäge, die oft "Oida" und "nice" sagt und grinsend Handy-Videos aufnimmt. In einem starken Moment interagiert sie sogar mit der echten Katharina Schulze im Publikum und macht ein Selfie von sich mit der Politikerin im Hintergrund. "Grad jetzt bin ich wieder im Bild. Und lache sehr laut", sagt sie in die Kamera. In vielen schwachen Momenten ist sie eine austauschbare grüne Göre.

Dieter Reiter (Gerhard Wittmann) wirkt neben der kracherten Andrea Nahles (Nikola Norgauer) noch langweiliger als sonst. Dafür lässt’s die Nahles krachen und hat einen wunderschönen Song über die rote Quietsche-Ente SPD, die nicht mehr quietscht.

Aggro-Angie: Spektakulär komisch!

Und dann ist da noch Aggro-Angie (Antonia von Romatowski als Merkel), frisch wie nie und munter reimend zur Melodie der Münchener Freiheit: "Ohne dich, du Ingolstädter Wurst, ohne dich wär alles superurst. Ohne dich hätt ich mal meine Ruh. Das was mich nervt, bist du!"

Spektakulär komisch, wie Merkel im Aggro-Berlin-Shirt rappt: "Wer ist der Mann, der nie geht, obwohl nach ihm kein Hahn mehr kräht?" Die Antwort liegt nahe, auch wenn jener Mann derartig nicht präsent ist auf der Bühne, dass es bedauerlich ist. Die Singspiel-Macher Stefan Betz und Richard Oehmann inszenieren ihn als "Invisible Horst" (Christoph Zrenner), der von niemandem beachtet wird.

Weit mehr Beachtung findet der Überraschungsauftritt des Volksmusik-Duos Marianne und Michael. Die beiden spielen sich selbst und singen "Es muss ein Sonntag gewesen sein" in schönster, glückseliger Volksmusikmanier: "Es war ein Glückstag ganz gewiss, wia’s Dusel bayerisch gworden is." Dusel mag halt jeder haben. Aber als wäre das nicht genug Handlung, steht im Keller noch die marode Heizung, die in die Luft zu gehen droht.

Nimmt diese zerfaserte Geschichte ein glückliches Ende? Was aus Dusel und Heizung wird, ist am Ende egal. Da singen alle Politiker-Schauspieler selig zusammen vom Sonntag, der es gewesen sein muss. Immerhin ein schöner Ohrwurm.

 

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