Drei Zonen für Häuser über 80 Meter Neue Studie: Hier könnten Hochhäuser in München gebaut werden

Viel Platz für Hochhäuser gibt es in München nicht mehr. Foto: dpa

Eine neue Hochhausstudie schlägt vor: Die hohen Bauten dürfen in drei Korridoren in München gebaut werden. Eine Höhe über 100 Meter soll die Ausnahme bleiben.

 

München - An diesen Ecken könnte es ziemlich modern werden: Für Hochhäuser über 80 Meter, also "stadtbildprägend", werden drei Zonen in München reserviert: zwischen Hauptbahnhof und Pasing entlang der Bahngleise, im Gewerbe-Band entlang des Nordrings der Deutschen Bahn und in den Gewerbegebieten am östlichen Eingang zur Stadt.

Neue Studie: Hochhäuser nach "Münchner Linie"

Das sieht die Fortschreibung der Münchner Hochhaustudie vor, die am Dienstag in der Kommission für Stadtgestaltung im Rathaus vorgestellt wurde. Der Stadtrat soll 2020 darüber entscheiden, ob das die neue Grundlage für den Hochhausbau in München wird – nach einem breit angelegten Diskussionsprozess: mit der Bürgerschaft und Fachleuten.

Der Vorschlag stehe für die Kontinuität der "Münchner Linie", konkret für "einen "Ausgleich zwischen dem Bewahren des traditionellen Stadtbildes und der Förderung von zeitgemäßem Bauen an geeigneten Standorten", informiert das Planungsreferat.

Klar ist: München ist keine Hochhausstadt wie New York. Noch gibt es keine Hochhaussilhouette, wie zum Beispiel in Frankfurt. Trotzdem hat München aktuell mehr als 200 Häuser mit einer Höhe über 40 Metern.

Hochhaus über 100 Meter? Nur mit guter Begründung

Nur wenige Bereiche im Stadtgebiet sind laut Studie für Häuser mit über 80 Metern überhaupt geeignet. Die bis jetzt gültige grundsätzliche Höhenbegrenzung für Hochhäuser auf 100 Meter – wie im Bürgerentscheid 2004 entschieden, der aber rechtlich nicht mehr bindend ist – entfällt in Zukunft, so der Vorschlag der Experten. Um die Denkspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten für die Gebäude nicht im Vorhinein einzuschränken, begründen sie ihre Empfehlung.

"Hochhäuser gerne, aber nicht um jedem Preis", kommentierte Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) das Ergebnis. Wenn in München über 100 Meter gebaut werde, dann müsse das auch gut begründet sein, findet Merk. Kriterien dafür könnten etwa eine ganz besondere Architektur sein – oder der Spezialfall, dass eine Münchner Traditionsfirma ein Wahrzeichen in der Stadt bauen wolle.

Keine Lösung für den Münchner Wohnungsmangel

Nächstes Jahr wird der Stadtrat darüber entscheiden, ob auch diese fortschrittliche Idee der Experten umgesetzt wird: Um die Akzeptanz von Hochhäusern in der Nachbarschaft zu erhöhen, wäre diese mögliche Vorgabe für die Bauherren jedenfalls sinnvoll: Im Erdgeschoss neuer Hochpunkte könnte bewusst ein öffentlicher Raum geschaffen werden. Dazu wäre es wünschenswert, wenn die Dächer jedes neuen Hochpunkts öffentliche Dachterrassen bieten – für den schönen Panorama-Blick.

Um den Münchner Wohnungsmangel zu beheben, seien die hohen Bauten jedoch nicht geeignet. Da ein Hochhaus in der Regel mit "höheren technischen Baukosten" verbunden ist. So argumentierte am Dienstag auch OB Dieter Reiter (SPD). Er müsse die Hochhausstudie erst auswerten, sagte er: "Hochhäuser sollten schön sein, architektonisch ansprechend und dahin kommen, wo sie hinpassen." Eines sei für ihn aber sicher: Bezahlbarer Wohnraum werde dort nicht entstehen. Eher noch mehr Büros für München, soll das wohl heißen.

Am Dienstag hat Andreas Garkisch vom Büro "03 Architekten" die Studie der Kommission für Stadtgestaltung präsentiert. Die hat sie positiv aufgenommen. Mitglied und SPD-Stadträtin Bettina Messinger sagt: "Ich bin keine Architektin, ich sehe das als normaler Mensch. Mir gefällt, dass die Qualität der Hochhäuser ein wichtiges Kriterium ist." Und weiter: "Wenn ein Gebäude von 90 Metern nicht gefällt, ist das eine größere Katastrophe als ein Haus von 150 Metern am richtigen Ort, das zugänglich wirkt und vielleicht noch ein Restaurant hat."


Hochhäuser in München: Die wichtigsten aktuellen Projekte

- Der Hauptbahnhof wird in Zukunft sichtbarer: Ein moderner Turm von 69 Metern wird am Starnberger Flügelbahnhof gebaut.

- Zwei 155 Meter hohe Türme sollen an der alten Paketposthalle entstehen. Planer ist Herzog & de Meuron.

- 26 Stockwerke hoch wird das neue Hochhaus auf dem Gelände der Firma Knorr-Bremse, Höhe: exakt 99 Meter.

- Im neuen Wohnquartier an der Bayernkaserne entstehen sechs Hochhäuser: Vier mit zwölf Geschossen im Zentrum und zwei im Norden und Süden der Siedlung. Fertigstellung: 2028.

- In Bau in Bogenhausen sind die "Bavaria Towers": drei gläserne Bürotürme für 3.000 Arbeitsplätze. Der "White Tower" wird eine weiß schimmernde Fassade bekommen – und 15 Geschosse hoch sein.

- Die neue Attraktion in Berg am Laim: das "Neo" Baumkirchen, ein 60 Meter hohes Haus mit einem Mix aus Büro, Wohnen und Läden. Auch ein Hotel kommt unter.

- Das neue Wohnquartier Perlach (1.300 Wohnungen) bekommt zwei futuristische Hochhäuser – und viele Wohnungen in niedrigen Bauten. Die Idee hinter der Hoch-Tief-Kombination: Die neuen Gebäude sollen zu den Nachbarvierteln passen, die kleine Siedlungshäuser prägen und massive 18-Stock-Hochhauszeilen.

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