Direktmandat dank 78 Stimmen Vorsprung Benjamin Adjei: Der grüne Überraschungssieger von Moosach

Jubel am späten Abend: Grünen-Kandidat Benjamin Adjei (siehe auch kl.Foto) hat das Direktmandat in Stimmkreis München-Moosach geholt. Foto: Thomas v.Sarnowski

Er ist der grüne Überraschungssieger: Benjamin Adjei (28) holt das fünfte Direktmandat in München-Moosach. Die AZ stellt ihn vor.

 

München - Während am Sonntagabend die Party in der Muffathalle tobt, sich die Grünen immer wieder in den Armen liegen, jubeln und tanzen, steht Benjamin Adjei (ausgesprochen Adsche-i) eher am Rand. Bis ungefähr 1.30 Uhr, da ist dann endlich auch sein Stimmkreis Moosach ausgezählt. Wie er das Ergebnis aufgenommen hat, erzählt das Foto. Am Tag danach wirkt er erstaunlich gelassen, dafür, dass er gerade aus dem Stand in den Landtag eingezogen ist. Adjei lacht. "Vielleicht muss sich das noch ein bisschen setzen", sagt er. "Aber ich bin eher ein unaufgeregter, durchdachter Mensch."

"Bis 18 Uhr habe ich nicht wirklich an das Direktmandat geglaubt", sagt der IT-Spezialist im Gespräch mit der AZ. "Als die Auszählung dann bei 50 Prozent war, habe ich mir gedacht, okay – jetzt wird’s spannend." Und so war es dann auch: Die Auszählung seines Stimmkreises war vielleicht die knappeste an diesem Wahlabend. Erst mit dem allerletzten Stimmbezirk stand dann fest: Benjamin Adjei (28), Data Scientist mit Spezialisierung auf künstliche Intelligenz, gewinnt gegen Mechthilde Wittmann (50), Abgeordnete und seit März Markus Söders Integrationsbeauftragte.

Knapp 80 Stimmen machen den Unterschied

Der Ausgang ist sagenhaft knapp, nur 0,1 Prozentpunkte Vorsprung, 78 Erststimmen machten am Ende den Unterschied.

Als Benjamin Adjei gegen drei Uhr früh zu Hause ist, kann er endlich sein Handy aufladen, der Akku hatte schon früh am Abend aufgegegeben. "Da konnte ich dann den ganzen Abend nochmal nachlesen", sagt er. Freunde hatten mitgetickert. Und weil er – wegen des leeren Akkus – nicht reagiert hatte, gefragt: "Bist du in Ohnmacht gefallen?"

Adjei ist Teil der grünen Welle, die über München und Bayern schwappt. Und das passt. "Ich bin Bayer", sagt Adjei. "Ich habe überhaupt kein Problem mit Tradition. Ich trage auch gerne mal einen Janker, aber eine Lederhose, das wäre irgendwie unauthentisch, weil ich nicht in so einer traditionellen Familie aufgewachsen bin."

Adjeis Mutter kommt aus NRW, sein Vater stammt aus Ghana. Als Ministeriumsmitarbeiter kam er nach einem Putsch als politischer Flüchtling nach Deutschland. "Meine Eltern haben sich im Asylbewerberheim kennengelernt, meine Mutter war dort über die Kirche, glaube ich". Gemeinsam zogen sie nach Bayern. Benjamin, der zwei jüngere Schwestern hat, ist in Tegernsee geboren, Kindheit in Schliersee, Jugend in Holzkirchen, Schule in Bad Tölz.

Direktkandidat in Moosach? "Probieren wir's einfach"

Wie war das Aufwachsen auf dem Land? Im Fußballverein oder beim Johannifeuer sei man natürlich immer dabei gewesen, sagt Adjej, der noch heute nicht in der Stadt, sondern in Taufkirchen wohnt. "Auch wenn ich nicht Mitglied im Burschenverein war. Das war bei uns alles sehr offen." Zur Politik kam er über seinen Sozialkundelehrer, der der festen Überzeugung war, dass er schon längst Grünen-Mitglied sei. Das war er zu der Zeit noch nicht, wurde es aber bald. 2011, nach der Schule.

Zu ersten Ämtern war es dann nicht mehr weit: Ortsverband, Grüne Jugend, Landesausschuss. Als im Stimmkreis Moosach noch ein Direktkandidat gesucht wurde, dachte er: "Probieren wir’s einfach" – und wurde prompt aufgestellt. Beim ersten Versuch in den Landtag.

Und wie geht es nun weiter? Wirtschaftspolitik, Verkehr, Digitalisierung sind Adjeis Schwerpunkte. Für Letzteres "bringe ich berufsbedingt natürlich einiges mit". Apropos Beruf: Mit seinem Chef hat er schon telefoniert. "Der freut sich für mich, lässt mich aber auch mit einem weinenden Auge gehen. Fachkräfte sind in der Branche schwer zu finden."

 

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