Die Katze von Anzing wird 75 Sepp Maier: Endlich weg vom Schnupftabak!

Am Donnerstag feiert Sepp Maier seinen 75. Geburtstag. Foto: dpa

Er ist Deutschlands Torwart des Jarhunderts, wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und trägt die Titel Weltmeister, Europameister, Vizeeuropameister. Am Donnerstag wird Sepp Maier 75.

 

Knielange Hosen waren sein Markenzeichen als Spieler, eine sehr lange Zeit war es der Schnupftabak, den er stets bei sich trug. Seit dem 22. April 2018 nicht mehr. "Ich habs endlich geschafft aufzuhören", sagt Sepp Maier. Selbst bei Markus Lanz in der Sendung hatte er 2016 seinen Tabak ausgepackt und ihn sich in die Nase gezogen. Dass da Kameras auf ihn gerichtet waren und Millionen Mensch zusahen, störte ihn nicht.

"Sepp Maier hat auch seine Hobbies. Andere Leute trinken, andere Leute rauchen und Sepp Maier schnupft", erklärt Sepp Maier in einer Sequenz aus der Dokumentation "Vor 30 Jahren - Die Spieler".

Da stellt er kreative Arten vor, wie man den Tabak aufnehmen kann: Zum einen wäre da der Schnupfhammer oder die Schnupflatsche oder aber einfach von der Hand. Was danebengeht, wird mit einer Feder weggemacht. "Wischiwaschi", kommentiert er. Sogar den Japanern hat er schon das Schnupfen beigebracht. 

Der Karl Valentin vom FC Bayern

Sepp Maier ist nämlich einer mit Humor. "Ich bin kein Clown, sondern ein ernsthafter Mensch. Nur wenn ich will, kann ich auch lustig sein", sagte er. Das ist er allerdings recht häufig, etwa als er im Mai 1976 im Spiel gegen Bochum zum Hechtsprung nach einer verirrten Ente im Münchner Olympiastadion ansetzte oder sich als Karl Valentin verkleiden ließ.

Hoeneß erinnert sich "an viele schöne Geschichten mit dem Sepp, aber die können wir nur unter vier Augen besprechen". Besonders in den Trainingslagern sei es mit Maier "noch viel lustiger als heute" zugegangen.

Als Reporter in Trainingscamps des FC Bayern noch beim Abschlussabend mit Mannschaft und Betreuerstab dabei sein durften, führte Maier gerne spätabends seine Späße oder auch Sketche auf, in denen auch mal der Trainer mitspielen musste.

Auch mit 74: Er hat den Schalk im Nacken

Und auch heute ist der 74-Jährige noch zu Späßen offen. So sieht man ihn beim "Lebenslinien"-Portrait des BR gemeinsam mit seinem ehemaligen Schützling Oliver Kahn gegen die Torwand schießen - Um Kahn nach erfolglosem Versuch aufzumuntern, steckt er seinen Kopf durchs Loch. "Vielleicht trifftst so besser!" Und er trifft. 

Noch immer blitzen die blauen Augen wenn Maier von sich behauptet, ein "Bua" geblieben zu sein, der den Schalk im Nacken hat und für den das "Rumblödeln das Höchste" ist. Mittlerweile lebt er mit seiner zweiten Ehefrau Monika Roth in Südtirol. "Ich bin gesund, mir gehts gut", erklärt Josef Dieter Maier, wie er bürgerlich heißt. 

Uli Hoeneß hat ihm das Leben gerettet

Das war auch mal anders. 1979 beendete ein Autounfall seine Fußballerkarriere.  Da war er gerade 35 Jahre alt. "Es war innen drin bei mir so ziemlich alles kaputt", sagt der Niederbayer. Rippenbrüche, Zwerchfellriss, Armbruch und Gehirnerschütterung.

Uli Hoeneß war für ihn da: "Er hat mir das Leben gerettet, was ich ihm nie vergessen werde. Uli hat mich damals aus dem Krankenhaus geholt und zu einem Spezialisten gebracht", erzählte Maier vor vielen Jahren in einem dpa-Interview.

Der erste Torwart-Trainer in der Bundesliga

Bis dahin konnte Maier nichts aufhalten: 95 Mal spielte er für die Nationalmannschaft, 473 Mal für den FC Bayern in der Bundesliga - davon 442 Spiele in Folge. Bis heute ist das Bundesliga-Rekord. Da nannte man ihn die Katze von Anzing. Den Spitznamen verdankt er nicht seinem Humor, sondern seiner  katzenhaften Geschmeidigkeit und den schnellen Reflexe als Torwart. Vom Turnen käme das, meint Sepp Maier. Zweimal sei er sogar Kreismeister gewesen: Im Boden- und Barrenturnen sowie am Reck.

Mit 36 war es dann vorbei. Der damalige Trainer Pal Csernai berücksichtigte ihn nicht mehr. Doch die unglaubliche Fußball-Geschichte dieses Mannes sollte noch nicht vorüber sein: 1988 berief Teamchef Franz Beckenbauer ihn zum Torwarttrainer der Nationalmannschaft, 1990 wurden sie gemeinsam Weltmeister, 1994 wurde er auch der Torwarttrainer des FC-Bayern. Der erste überhaupt in der Bundesliga.

Denn er sollte Oliver Kahn zu einem Diamanten schleifen. "Wenn es um das Torwarttraining ging, war er absolut konzentriert und unglaublich verlässlich. Er war immer verfügbar, und er war sehr, sehr kreativ", meint Kahn. Maier habe das Torwarttraining fast erfunden. 

Golf und Wandern statt Fußball

2004 musste Maier dann vom DFB auf Drängen von Jürgen Klinsmann gehen. Maier hatte sich zuvor für seinen Schützling Kahn und gegen Jens Lehmann eingesetzt. Dem damaligen Bundestrainer nahm er "die linke Tour" übel.

Mittlerweile scheint der 74-Jährige zufrieden. Fußball bestimmt nicht mehr sein Leben. Stattdessen spielt er jetzt Golf und geht gerne wandern. 

 

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