DFB-Team Nationalelf: Jogi in der Bayern-Falle

Joachim Löw ist vor allem von der Leistung der Bayern-Spieler abhängig bei der WM. Foto: dpa

Das 1:0 gegen Chile war für Bundestrainer Löw der 70. Länderspielsieg. Probleme gibt es dennoch viele knapp 100 Tage vor der Weltmeisterschaft. Es geht um Abhängigkeiten, Fitness, Stürmer – und Özil.

 

Stuttgart - Das Ergebnis stimmte. Die Effizienz? Ja, größtenteils auch. Die Statistik spricht, ganz nüchtern betrachtet, ebenfalls eine DFB-freundliche Sprache: Bundestrainer Joachim Löw gelang mit dem 1:0 von Stuttgart gegen Chile in seinem 102. Länderspiel (ebenso viele nun wie Berti Vogts) der 70. Sieg. Und: Endlich mal ein Sieg zum Auftakt in ein WM-Jahr. Zur Erinnerung: 2006 gab es ein schockierendes 1:4 in Italien, 2010 ein 0:1 gegen Argentinien.

Und diesmal? Gellende Pfiffe für die Sieger. „Ich habe die Pfiffe nicht verstanden“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff, „wir haben das Spiel schließlich gewonnen, die Zuschauer haben ein gutes Spiel gesehen.“ Ja, von Chile. Hätten die taktisch und physisch überlegenen Südamerikaner einen Knipser gehabt, wäre die Partie wohl 1:4 ausgegangen. Bei der Abreise der Spieler zu ihren Vereinen verblieb bei allen ein flaues Gefühl:

Das Urvertrauen in die DFB-übliche „Turniermannschaft“-Stärke scheint dieses Jahr nicht sehr ausgeprägt sein. Zu viele Probleme und Sorgen beschäftigen Löw und sein Team knapp 100 Tage vor dem ersten Gruppenspiel der WM am 16. Juni in Salvador gegen Portugal. Die AZ zeigt sie:

Die Bayern-Falle: Löw ist total abhängig von Fitness, Form und Laune seiner sieben Bayern-Stars, von denen sechs in der Startelf gegen Chile standen und Thomas Müller verletzt fehlte. Fahren sie als Triplesieger-Verteidiger zur WM? Oder als Champions-League-Finalverlierer? Kann sich Bastian Schweinsteiger à point WM-fit machen? „Ihn wird es sehr gut tun, wenn er in den nächsten zwei, drei Monaten noch mehr Spiele macht, das wird ihm helfen“, sagte Löw in Stuttgart, „und dann bin ich sicher, dass wir einen sehr guten Bastian Schweinsteiger sehen.“ Es ist eine Hoffnung. Immerhin: Das Chile-Spiel war für ihn ein Anfang.

Das Özil-Problem: Der teuerste DFB-Kicker aller Zeiten – Arsenal überwies rund 50 Millionen Euro Ablöse an Real Madrid – hängt durch. Vor der Partie wurde er als „Nationalspieler 2013“ ausgezeichnet und hob so schüchtern und verlegen ein Händchen zum Gruß, als sei ihm das peinlich. Bis auf die Szene vor dem 1:0, als er sein Repertoire mit dem Pass auf Götze bewies, agierte Özil ähnlich melancholisch-apathisch wie zuletzt im Arsenal-Trikot. Bei seiner Auswechslung wurde er böse ausgepfiffen. Löw mit Durchhalteparole: „Ich weiß, was er kann. Ich habe hundertprozentiges Vertrauen, dass er bis zur WM zu seiner Form findet.“

Die Knipser-Suche: Mario Gomez tastet sich nach fünf Monaten Verletzungspause in Florenz langsam wieder ran, Löw verzichtete auf ihn. Miroslav Klose steckt körperlich und spielerisch im Tief, wie dessen desolate erste Halbzeit gegen Chile bewies. Löws Problem: Bayerns Torjäger Mandzukic spielt für Kroatien – also ab nach vorne mit Müller?

Die Vorbereitung: Das Champions-League-Finale am 24. Mai in Lissabon fiele mitten in das DFB-Trainingslager in Südtirol (ab 21.5.). Sind die Bayern dabei (und/oder gar der BVB?) hat Löw das nächste Problem. Wieder wäre seine Vorbereitung zerrissen und auf ein Minimum bis zum WM-Auftakt am 16. Juni gegen Portugakl reduziert. Wirklich nicht zu beneiden, der Mann.

 

0 Kommentare