DFB-Team Miroslav Klose: Nur noch eins!

Miroslav Klose fehlt nach seinen Treffern 66 und 67 nur noch ein Tor auf den großen Gerd Müller. Dabei geht der 34-Jährige doch eigentlich jedem Vergleich mit dem Bomber aus dem Weg.

 

Berlin - Armer Miro Klose. Er wird in den kommenden Wochen bis zum nächsten Länderspiel sehr stark sein müssen. Bis zum 14. November, wenn Deutschland in Amsterdam gegen die Elftal spielt, werden ihn die Vergleiche mit Gerd Müller begleiten.

Vergleiche, die ihn so schrecklich müde machen, weil er sie eigentlich gar nicht hören will, und doch heraufbeschworen hat, mit seiner unnachgiebigen Art und seiner strikten Weigerung, auf Tore im Nationaltrikot zu verzichten.

Machen wir es also kurz: Mit zwei Toren beim unfassbaren 4:4 im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden, seinen Länderspieltreffern 66 und 67, hat Klose nun also zum Bomber der Nation (68 Treffer) aufgeschlossen. Dass dessen Schallmauer brechen wird, ist nach dem Spiel in Berlin so gut wie sicher.

Und dennoch besteht Klose, ja beharrt er fast schon darauf, ihn bitte nicht in einem Atemzug mit dem großen Müller zu nennen: "Ich werde mich nie mit Gerd Müller vergleichen, niemand darf das“, hatte Klose schon vor dem Spiel gegen Schweden gemeint, das habe er Müller auch schon "mehrmals“ persönlich gesagt.

Und doch ist der 34-Jährige drauf und dran, Einzigartiges zu vollbringen. Turnerisch tut er das nicht mehr, der Salto, sein Markenzeichen nach Toren – längst eingemottet, der Gesundheit wegen. Schließlich will Klose bei der WM 2014 noch fit sein, es wäre seine vierte, seine letzte.

Doch vielleicht gelingt es ihm dort auch noch, den WM-Torrekord des Brasilianers Ronaldo zu brechen. 15 hat der auf dem Konto, Klose steht bei 14 (wie Müller) – auch wenn ihm Statistiken einerlei sind, dem gebürtigen Polen, der einst erst mit 20 Jahren über Blaubach-Dietelkopf und Homburg beim 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga landete.

Irgendwann mal, sagte er am Montag, werde er beim Studium der Statistiken vielleicht "Stolz empfinden“. Bis dahin geht er lieber Angeln, wenn es seine Freizeit zulässt, er, der die leisen Töne liebt und die Einsamkeit.

Mit seinem Wechsel vom FC Bayern zu Lazio Rom vor einem Jahr hat Klose einen Reifeprozess vollendet, der ihn jetzt bei den DFB-Pressekonferenzen als "Elder Statesman“ auftreten lässt, mit mehr Ruhe, mehr Routine, mehr Witz, als der gesamte Rest des Kaders gemeinsam hat. "Servus“, sagt Klose oft, wenn er das Podium betritt, ein Relikt aus Münchner Tagen – und schwer sympathisch.

"Mito Klose“ nennen sie ihn bei Lazio, Mythos Klose, unfassbarer Klose. Dabei ist sein Verein doch längst die Nationalmannschaft, hier fühlt er sich wohl, hier ist er ausgeglichen, trifft ausgeglichen. Seine Spiele in Rom dienen vielmehr der Formkonservierung, sorgen dafür, dass Kloses Motor am Laufen bleibt, für die Highlights mit der Nationalmannschaft.

"Die jungen Spieler schauen zu ihm auf, auf seine professionelle Lebensweise. Für mich ist er ein wichtiger Ansprechpartner“, adelte Bundestrainer Joachim Löw "Miro nationale“ am Montag. Er hätte auch sagen können: Ein geiler Typ, der Klose.

Und wo andere auf eine Frage nach Konkurrenz im Team zähneknirschend antworten, da macht Klose es selbst zum Thema, grüßte am Montag aus eigenem Antritt heraus den verletzten Mario Gomez und rühmte dessen Wichtigkeit fürs DFB-Team.

Am Dienstagnachmittag betonte Bayern-Präsident Uli Hoeneß derweil nochmal, dass Gerd Müller für ihn „der bessere Mittelstürmer“ sei, weil er ja nur 62 Spiele für seine Tore gebraucht habe, Klose aber nun schon bei 126 steht. Armer Klose. Es wird ihn wieder müde machen.

 

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