DFB-Team gewinnt 2:0 Nach dem Ungarn-Test: Die fünf Lehren für Löw

Reist mit einem Erfolg zur EM: Bundestrainer Joachim Löw Foto: GES/Augenklick

Im letzten Test vor dem EM-Start gewinnt die deutsche Elf 2:0 gegen Ungarn. Die AZ erklärt, welche Erkenntnisse die Partie bringt.

 

Gelsenkirchen - Nicht schon wieder ein verletzter Stammspieler, nicht schon wieder so kurz vor Beginn eines großen Turniers. Diesen bangen Moment erlebte Joachim Löw am Samstagabend beim 2:0-Sieg gegen Ungarn, dem letzten Testspiel vor der EM, gleich zweimal. Zunächst lag Abwehrchef Jérôme Boateng an der Seitenlinie, die Ärzte behandelten seinen Leistenbereich. „Bei Jérôme hat ein Nerv gedrückt. Er hatte anschließend aber keine Probleme mehr“, sagte Löw später erleichtert. Der Bayern-Star hielt 90 Minuten durch.

Und auch Sami Khedira, der nach einem Pressschlag zur Halbzeit in der Kabine geblieben war, trug keine schlimmere Verletzung davon: „Ihn auszuwechseln war eine reine Vorsichtsmaßnahme“, versicherte der Bundestrainer. Der große Schock, wie ihn das deutsche Team vor der 2014 beim Ausfall von Marco Reus erlebt hatte, blieb diesmal aus.

Doch auch ohne personellen Rückschlag kam Löw zu der Erkenntnis, „dass wir noch an der ein oder anderen Stellschraube drehen müssen“, wie er nach der Partie analysierte: „In einigen Situationen haben die Spritzigkeit und Dynamik gefehlt.“ Was noch hakte im deutschen Spiel, wer sich in die Nähe der Stammplätze gespielt hat – und wer nicht: Die AZ zeigt die fünf wichtigsten Erkenntnisse der Ungarn-Partie.

Die Außenverteidigung bleibt ein Problembereich: Wo war Joshua Kimmich? Diese Frage stellte man sich beim Blick auf den Aufstellungsbogen. Löw hatte den Bayern-Youngster im Training intensiv als Rechtsverteidiger getestet, und dann durfte Kimmich keine einzige Minute spielen. Stattdessen nominierte Löw den Schalker Routinier Benedikt Höwedes, der wie gewohnt defensiv überzeugte, im Spiel nach vorne aber keinerlei Akzente setzte. Ein Fingerzeig Richtung EM? Nur bedingt. „Jo Kimmich kann da spielen. Er ist der Spieler, der etwas nach vorne machen kann. Das hat er im Training gezeigt“, sagte Löw zu den Chancen des Bayern-Stars. Auf der linken Seite ist Jonas Hector für den Turnierstart gesetzt. Der Kölner bereitete das 1:0 (39., Eigentor von Adam Land) dynamisch vor, wirkte aber nicht immer souverän. Emre Can, den Löw in der zweiten Halbzeit dort einsetzte, ist die erste Alternative.

Rüdiger spielt neben Boateng: Als „kleiner Boateng“ wird Antonio Rüdiger ja gern bezeichnet. Nun füllt er tatsächlich genau diese Rolle aus. Der Innenverteidiger des AS Rom durfte auch gegen Ungarn 90 Minuten spielen, leistete sich dabei keine groben Patzer – und hat damit bis zur Genesung von Mats Hummels den Platz an der Seite Boatengs wohl sicher. Übrigens: Mit der neuen Stamminnenverteidigung blieb die DFB-Elf erstmals im EM-Jahr ohne Gegentor.

Draxler, der Reus-Ersatz: Der Wolfsburger war beim Heimspiel an alter Wirkungsstätte in Gelsenkirchen besonders motiviert. Draxler traf nach wenigen Sekunden zum 1:0, das Tor wurde wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung aber nicht anerkannt – eine Fehlentscheidung. Anschließend probierte er es sogar mit einem Fallrückzieher. Der Ersatz des verletzten Marco Reus ist nah dran an der Startelf fürs erste Spiel.

Kroos ist Löws Boss: Seit der WM und seinem Wechsel zu Real Madrid hat der frühere Bayern-Star an Souveränität und Reife gewonnen. Und an Einfluss im deutschen Team. Steht Mittelfeldlenker Kroos auf dem Platz, läuft jeder Angriff über ihn. Auch gegen Ungarn, als er das 1:0 intelligent einleitete. Kroos ist die Drehscheibe des deutschen Spiels, Löws neuer Boss.

Gomez muss zittern: Etwas überraschend kehrte Löw gegen Ungarn zum System mit der „falschen Neun“ zurück. Mario Götze agierte als Sturmspitze, Mario Gomez blieb zunächst auf der Bank. Und Götze spielte stark, erzwang das Eigentor vor dem 1:0. Für die EM hat Löw dank Götze und dem klassischen Angreifertyp Gomez zwei Varianten im Angriff. Die zweite Halbzeit zeigte allerdings, dass beide auch gut zusammenspielen können – ergänzt vom immer gefährlichen Thomas Müller, der mit dem Abstauber zum 2:0 (63.), seinem 32. Länderspieltor, mit Klaus Fischer gleichzog.

 

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