DFB-Elf vor dem EM-Halbfinale Neuer, Müller, Boateng, Kroos: Die deutschen Musketiere

„Un pour tous, tous pour un“: Einer für alle, alle für einen, das Motto der Musketiere gilt auch für die deutsche Nationalelf um Neuer, Müller, Boateng und Toni Kroos (v.l.) im EM-Halbfinale gegen Frankreich. Foto: Fotomontage AZ

Angesichts der Personalsorgen der DFB-Elf kommt es im Halbfinale dieser EM gegen Gastgeber Frankreich besonders auf vier Protagonisten an: Manuel Neuer, Thomas Müller, Jérôme Boateng und Toni Kroos.

 

Évian - Soif de Revanche, also „Durst auf Revanche“ titelte die französische Sporttageszeitung „L’Équipe“ und zeigte einen jubelnden Antoine Griezmann aus dem 5:2 gegen Island im Vordergrund.

Sehr viel kleiner im Hintergrund: ein tief enttäuschter Griezmann nach dem 0:1 im WM-Viertelfinale 2014 gegen die Deutschen. Tränen flossen damals beim Stürmer der „Équipe Tricolore“, nun ist der Führende der EM-Torschützenliste das Symbol der neuen Mannschaft anno 2016 und zugleich der Hoffnungsträger aller Franzosen.

Frankreich mit Respekt

Revanchegelüste – oui. Aber auch ganz viel Respekt vor „Les Allemands“ vor dem Halbfinale am Donnerstag (21 Uhr, ZDF überträgt live) in Marseille. „Deutschland ist nun mal Deutschland. Die beste Mannschaft in Europa – und der Welt“, sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps voller Inbrunst, „sie haben so viel technische Qualität, schon beim Torhüter angefangen. Je mehr wir sie zum Verteidigen zwingen, umso besser.“

Damit sie nicht angreifen, die deutschen Musketiere. In den Eins-zu-Eins-Duellen wissen sie sich bestens zu verteidigen (erst ein Gegentreffer bei der EM im Gegensatz zu den vier der Franzosen), in der Offensive fehlt noch etwas die Durchschlagskraft (sieben EM-Tore, Frankreich hat schon elf – Bestwert!).

Da die Mitstreiter Mats Hummels, da gelbgesperrt, sowie die in der vorherigen Schlacht gegen die Italiener verwundeten Mario Gomez, Sami Khedira und wohl auch Bastian Schweinsteiger nicht antreten können, liegt die Hauptverantwortung vor allem auf vier Spielern von Monsieur Joachim Löw, dem Hauptmann der Musketiere (im Roman von Alexandre Dumas und Auguste Maquet ist dies Monsieur de Tréville).

Die vier DFB-Musketiere:

„D’Artagnan Neuer“: Gascogner d’Artagnan wollte einst als Soldat unbedingt von der Garde der Musketiere aufgenommen werden und eintreten. Torhüter Manuel Neuer spielt auch am liebsten im Feld mit und sorgt mit seinen spektakulären, teils halsbrecherischen Ausflügen Richtung Mittellinie für Aufsehen.

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Er verteidigt sein Tor mit Wagemut, die Italiener stoppte er im Duell vom Punkt. Im Viertelfinale gab er seine Kapitänsbinde gerne dem alten Recken Schweinsteiger zurück. „Das gehörte sich einfach“, sagte Neuer (30) am Dienstag, „ich wollte dokumentieren, dass nun der Kapitän auf dem Platz ist.“

„Athos Kroos“: Im Roman von Dumas ist Athos der elegante Aristokrat, dem das Adelige im Blut liegt. Was hervorragend auf das herrschaftlich anmutende Spiel des 26-jährigen Kroos zutrifft, der ja auch noch bei den Königlichen von Real Madrid angestellt ist. Als Fixpunkt im defensiven Mittelfeld zeichnet er sich für alle Standards, Freistöße und Eckbälle, verantwortlich, die er dem Gegner stets mit feiner Klinge serviert. Keiner Spieler dieser EM hat mehr Pässe gespielt als Kroos.

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„Porthos Boateng“: Dieser Musketier wird als etwas bulliger beschrieben und wäre gerne wie Athos. Seine Mängel an aristokratischer Eleganz kompensiert er dabei durch pompöse Kostüme und Auftritte – wie passend. Klamotten und Brillendesign sind das Hobby des Bayern-Verteidigers Jérôme Boateng (27). Und große Auftritte, vor allem die spektakuläre Rettungstat auf der Torlinie beim 2:0 gegen die Ukraine, sowie sein Volleyschuss-Treffer zum 1:0 gegen die Slowakei (3:0), hatte er bei diesem Turnier auf französischem Boden genügend.

"Tore sind nicht mein Benzin"

„Aramis Müller“: Er ist die eine Figur unter den Musketieren, die stets mit sich und seiner Welt hadert. Was nur zum Teil auf den bisher tor- und glücklosen Thomas Müller (26) bei dieser EM zutrifft. 1000 Mal probiert... . „Dass ich noch keinen Treffer erzielt habe, bringt mich nicht um, aber ein Tor würde mir Ruhe geben“, meinte der Bayern-Angreifer jetzt.

„Tore sind nicht mein Benzin, der Erfolg mit der Mannschaft ist mein Antrieb.“ Müller lächelt einfach die Sorgen weg: „Ich habe bisher nicht viel falsch gemacht.“ Aramis zweifelte, ob er nicht doch lieber Kirchenmann hätte werden sollen. Er will lieber Europameister werden.

 

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