Deutsche Bahn äußert sich S-Bahn München: Verstärkerzüge werden wieder aufgestockt

, aktualisiert am 24.09.2019 - 19:22 Uhr
Rund 840.000 Menschen nutzen werktags die S-Bahn. Die Ausfälle sind weiter in der Diskussion. Foto: Matthias Balk/dpa

Die Ausfälle bei der Münchner S-Bahn sorgen weiter für Diskussionen. Jetzt reagiert die Politik: Vom 21. Oktober an soll das ausgedünnte Angebot an Taktverstärkerzügen verbessert werden. Nach und nach.

 

München - Morgens am Bahnsteig hocken und warten. Das hätte für Pendler am äußersten Ende des S-Bahn-Netzes bald Geschichte sein sollen. Über die angekündigte und dann wieder zurückgenommene Verdichtung des Zugbetriebs im Münchner Verkehrsverbund (MVV) ist in den letzten Tagen viel gestritten worden.

Nun haben das Bayerische Verkehrsministerium und die Deutsche Bahn klar gestellt: Die Taktverstärker, die in der Hauptverkehrszeit den Fahrplan auf einen Zehn-Minuten-Takt verdichten statt der üblichen 20 Minuten oder mehr, kommen – teilweise.

Söder forderte "rasch ein Ersatzkonzept" von der Bahn

840.000 Fahrgäste nutzen die S-Bahn an Werktagen. Die müssen vermehrt Zugausfälle oder Verspätungen hinnehmen. Unter anderem wegen fehlender Fahrzeuge hatte die Bahn kürzlich angekündigt, die Taktverstärker auf den Linien S3 und S8 streichen zu wollen. Auch bei der S2 und der S20 entfallen einzelne Züge.

Ein Umstand, der auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zornig macht. Er drohte bereits mit Vertragsstrafen und forderte "rasch ein Ersatzkonzept" von der Bahn. Die Pläne haben DB und Verkehrsministerium am Dienstag vorgelegt.

Mit einem Sonderfonds in Höhe von einer Million Euro, neuen Fachkräften und ausgeliehenen Zügen will die Bahn wieder für einen regelmäßigeren Zugbetrieb sorgen. Vom 21. Oktober an sollen die Taktverstärkerzüge um 20 Prozent aufgestockt werden. Mitte November soll die Hälfte der Verstärker wieder im Einsatz sein.

Josel: "Stabilisierung der Fahrzeugsituation hat oberste Priorität"

"Spätestens zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember soll wieder der reguläre Fahrplan gelten", sagt Berthold Huber vom DB-Vorstand. Auf welchen Linien die Bahnen zuerst wieder fahren, sei nicht abschließend geklärt, ebenso wenig, wie die Mittel aus dem Fonds künftig konkret eingesetzt werden.

Dem Verkehrsministerium zufolge sind sie für "Maßnahmen zur Steigerung der Pünktlichkeit und eine bessere Fahrgastinformation" vorgesehen. Fest steht, dass die Bahn mehr Mitarbeiter und Züge braucht, um die Modernisierung der Triebwagen der Baureihe 423 zu bewerkstelligen.

Deshalb prüft sie, vorerst weniger der Züge in die Werkstatt zu schicken. "Die Stabilisierung der Fahrzeugsituation hat oberste Priorität", sagt Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel. "Für uns ist das Wichtigste, dass die Züge fahren und wir ein zuverlässiges Netz haben", sagt Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU).

Barth: "Taktverstärker sind nur die Spitze des Eisbergs"

SPD und FDP im Landtag kritisieren die Maßnahmen prompt. "Unzuverlässige öffentliche Verkehrsanbindungen sind ökologischer Irrsinn", sagt der FDP-Landesvorsitzende Daniel Föst.

Der Fahrgastverband Pro Bahn findet es zwar erfreulich, dass sich die Bahn zu ihren Problemen bekennt, sieht allerdings auch an anderen Stellen Handlungsbedarf: "Die Verspätungen und Ausfälle auf der S1 und S4 sind damit nicht gelöst. Die Taktverstärker sind nur die Spitze des Eisbergs", sagt Andreas Barth.

Auch im Rathaus sorgt die S-Bahn für Ärger, es geht um den Bau der Zweiten Stammstrecke. Im Rahmen der Arbeiten soll der Aufzug am Bahnhof Laim abgerissen werden, erst drei Jahre später soll ein neuer kommen.

Die Linken fordern eine Lösung für Mobilitätseingeschränkte. Die SPD ärgert es derweil, dass die Bahn keinen Info-Point am Ostbahnhof errichten will – trotz Forderung des Stadtrates. Jens Röver (SPD): "Die Bahn knausert beim Milliardenprojekt am falschen Ende."

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema: Keine Vision

 

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