Der Streit ums G8 Halbe Rolle rückwärts

Seit Jahren sorgt das achtjährige Gymnasium für Ärger bei Eltern und Schülern. Foto: dpa

MÜNCHEN - Dass Horst Seehofer nicht flexibel wäre, kann ihm keiner nachsagen. Selbst beim erbitterten Streit um das verhasste G8 zeigt er sich am Ende wendig. Auch acht Jahre nach seiner Einführung treibt das Turbo-Abi Schüler, Eltern und Lehrer auf die Barrikaden. In Umfragen spricht sich die Mehrheit für die Rückkehr zum G9 aus. Ein Brandherd, der der CSU bei der Landtagswahl 2013 gefährlich werden kann. Deshalb versucht ihn der CSU-Chef nun auszutreten. Mit einem so genannten „Flexibilisierungsjahr“.

In der Mittelstufe sollen Schüler ab dem Schuljahr 2013/14 wählen können, ob sie in der achten oder neunten Klasse ein Wiederholungsjahr einlegen wollen (nähere Infos siehe Kasten).
Seehofer-Herausforderer Christian Ude hatte den Ministerpräsidenten unter Zugzwang gesetzt. Der SPD-Spitzenkandidat erklärte das G8 schon zum Wahlkampfthema und versprach an Bayerns Gymnasien eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 einzuführen. Ganz so wie in Baden-Württemberg, das die Uhr schon zurückgedreht hat.

Eingebrockt hat den Bayern das Turbo-Abi mit überquellenden Lehrplänen und Unterricht bis zur Dämmerung Edmund Stoiber. Vor der Landtagswahl 2003 erklärte er noch, am neunjährigen Gymnasium sei nicht zu rütteln. Dann ordnete er mit seiner Zwei-Drittel-Mehrheit das G8 an. Überfordert mit dem Hopplahopp war die damalige Kultusministerin Monika Hohlmeier. Ihr Nachfolger Siegfried Schneider bekam das G8 auch nicht in den Griff. Richten sollte es jetzt Ludwig Spaenle. Der aktuelle Kultusminister polterte über Udes Vorschlag: „Dilettantismus“. Kurz darauf schlug er ein „Intensivierungsjahr“ vor. Das freiwillige Wiederholen einer Klasse.

In seiner Regierungserklärung durfte Spaenle es nicht mehr erwähnen. Seehofer erkor das G8 zur Chefsache. Nun muss das Turbo-Abi selbst nachsitzen. Auch das „Flexibilisierungsjahr“ ist ein freiwilliges Wiederholungsjahr, allerdings mit dem Unterschied, dass Schüler Fächer, in denen sie gut sind, ablegen dürfen, um sich mehr um ihre Schwachpunkte kümmern zu können. Die gewonnene Zeit sollen sie nutzen für ihre Begabungen wie Sport, Musik oder einen Auslandsaufenthalt.

„Murks“, kritisiert die SPD. Der Bayerische Lehrerverband (BLLV) beklagt einen „unkontrollierter Aktionismus“ mit dem der verzweifelte Versuch unternommen werde, Lösungen zu finden, ohne etwas verändern.

 

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