Der Kaiser wird 70 Beckenbauer: Sein traurigster Geburtstag

Sein 70. Geburtstag steht im Zeichen der Trauer um seinen Sohn Stephan: Franz Beckenbauer. Foto: imago

Nach dem Tod seines Sohnes Stephan hat sich der Kaiser aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, alle Feierlichkeiten zu seinem 70. wurden abgesagt. Er will endlich mehr Zeit für seine Familie haben.

 

München - Rund 100 Gäste sind geladen. Ein runder Geburtstag, gefeiert wird im großen, im bayerischen Stil. Um Mitternacht werden im Luxushotel „La Mamounia“ in Marrakesch Weißbier und Weißwürste gereicht. „Wir haben eine Gästeliste aufgestellt, da kamen 2000 Leute zusammen“, sagt der Jubilar Franz Beckenbauer und fügt erleichtert hinzu: „Der Kongress kommt mir wirklich gelegen. Ich entfliehe so einer Flut von Einladungen.“

Das war am 11. September 2005, als der gebürtige Münchner 60 Jahre alt wurde. Das Reinfeiern in Marokko im relativ kleinen Rahmen fand am Rande eines Fifa-Kongresses statt. Es war nur der Anfang zu einem Party-Marathon. In München nahmen die Ehrungen kein Ende: eine TV-Gala im ZDF, moderiert von Thomas Gottschalk und Günther Jauch, ein Festakt bei Bayerns Ministerpräsidentem Edmund Stoiber in der Residenz, ein Empfang bei Münchens Ex-Oberbürgermeister Christian Ude und schließlich eine Feier mit dem FC Bayern. Hoch lebe der Kaiser!

Zehn Jahre später zu seinem 70. Geburtstag wünscht sich Beckenbauer nichts weiter als: Ruhe. Und Respekt für die Zeit der Trauer. Es ist ein trauriger Ehrentag. Denn einem Vater kann nichts Schlimmeres passieren, als den Tod eines eigenen Kindes miterleben zu müssen. Anfang August war Stephan Beckenbauer mit erst 46 Jahren an den Folgen mehrerer Gehirntumore gestorben. Die Beisetzung im engsten Familienkreis auf dem Friedhof am Perlacher Forst und die Trauerfeier in der Kirche „Heilige Familie“ war der letzte öffentliche Auftritt Beckenbauers – an der Seite seiner ersten Frau Brigitte und seiner jetzigen Frau Heidi.

Sämtliche Feierlichkeiten und Ehrungen sind nun für den 70. Ehrentag rund um den kommenden Freitag abgesagt worden, ebenso wie zahlreiche Interviewanfragen. Auch die Premierenfeier zur TV-Dokumentation, die vergangenen Sonntag in der ARD lief. Beckenbauer hat sich bis auf Weiteres aus der Öffentlichkeit zurückgezogen – verständlich.

„Ich war ein schlechter Vater, weil ich nie da war“, sagte er einmal in der Rückschau auf sein Leben. Um mehr Zeit für seine Familie und seine Kinder Joel (15) und Francesca (11) aus der Ehe mit seiner Frau Heidi zu haben, legte er seit seinem 65. Geburtstag zahlreiche Ämter nieder, beim FC Bayern repräsentiert er noch als Ehrenpräsident. Er habe keine Ziele mehr, verriet Beckenbauer „Bild“ vor einigen Wochen, er habe alles erlebt, mehr ginge nicht. Der Kaiser ganz ehrlich: „Früher war mein Leben vielleicht aufregender, aber heute ist es intensiver. Das habe ich meinen beiden kleinen Kindern zu verdanken. Mit Kindern bist du reich beschenkt.“

Vor zehn Jahren, als sein 60. Geburtstag ziemlich pompös gefeiert wurde, war ihm das nicht besonders recht. Beckenbauers damalige Aussagen dokumentieren seine Bescheidenheit: „Ein bisschen weniger Trara wäre mir schon recht. Es gibt keinen Unterschied. Wir Menschen sind alle aus dem selben göttlichen Staub.“

Ob Beckenbauer zum Heimspiel seiner Bayern gegen den FC Augsburg am Samstag (15.30 Uhr), am Tag nach seinem 70. Jubiläum, kommt? Eher unwahrscheinlich.

 

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