Debatte um öffentliche Toiletten in München Mehr Klo-Häusl? Eine Offensive zum Runterspülen

Biesln am Gärtnerplatz: Die SPD setzt sich dafür ein, dass die WC-Anlage im Gärtnerplatztheater oder in der Grundschule in der Klenzestraße zugänglich gemacht wird. Foto: Daniel von Loeper

Eigentlich wollte sich die schwarz-rote Stadtregierung für mehr öffentliche Toiletten einsetzen. Doch die Initiative verpufft.

 

Es hätte den Münchnern im wahrsten Sinn des Wortes eine Erleichterung bringen sollen. Niemand sollte zum Bieseln mehr hinter die Büsche gehen oder sich in seiner Not unterwürfig einer Gaststätte andienen müssen. Aber aus der von CSU und SPD geplanten Toiletten-Offensive wird vorläufig nichts.

Gerade einmal zwei neue WC-Anlagen hat die Stadtregierung am Dienstag beschlossen, eine im Weißenseepark in Giesing und eine im Maßmannpark in der Maxvorstadt. „Schon ein bisschen wenig“, findet nicht nur der Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. „Eine richtige Offensive“, sagt er, „die schaut natürlich anders aus.“

Beim Maßmannpark musste angeschoben werden

Dabei hatte die Große Koalition vor geraumer Zeit noch so hochtrabende Pläne. Weil es einen jeden immer mal wieder unverhofft auf der Straße pressieren kann, so wirkte es, pressierte es auch CSU und SPD. Bestehende Klohäusl sollten so schnell wie möglich saniert, hie und da sogar neue gebaut werden. Aber nach einer kritischen Bestandsaufnahme der städtischen WC-Kontingente ist die Offensive nun erst einmal richtig versandet.

Für die Beschlussvorlage hatte die Stadtverwaltung 380 kleinere Parks und Grünanlagen daraufhin untersucht, ob dort eine Toilettenanlage nötig ist. Für die Bewertung wurden dabei im Wesentlichen drei Kriterien herangezogen: Die Parks sollten so intensiv genutzt werden, dass die Stadt dort mindestens drei Mal die Woche mit einem Reinigungstrupp anrückt. Im Umkreis von 500 Metern sollten mindestens 20 000 Anwohner leben. Und die in den Parks vorhandenen Spielflächen sollten mindestens 10 000 Quadratmeter groß sein.

Nur der Weißenseepark und der Maßmannpark haben diese Anforderung erfüllt. „Wobei wir beim Maßmannpark noch ein bisschen anschieben mussten“, sagt Grünen-Stadtrat Bickelbacher. Sonst wäre auch der durchs Raster gefallen. Immerhin: Für den Gärtnerplatz soll es eine Sonderlösung geben. Das zuständige Baureferat sieht dort eigentlich keinen Bedarf für eine öffentliche Toilette. Schließlich wohnten die Nutzer größtenteils in nicht mehr als 250 Metern Entfernung. Denen sei es also zuzumuten, dass sie kurz nach Hause gehen, wenn sie müssen. Die SPD setzt sich allerdings dafür ein, dass die WC-Anlage im Gärtnerplatztheater oder in der Grundschule in der Klenzestraße zugänglich gemacht wird.

Doch auch wenn das gelingen sollte: Wirklich mehr Häusl gibt es dadurch in der Stadt nicht. Nächste Woche beschäftigt sich der Stadtrat nämlich mit der Bilanz der Münchner Toilettengesellschaft. Dieses Tochterunternehmen der Stadt verwaltet seit etwa drei Jahren die Toiletten in den U-Bahnuntergeschossen. Zwei bis drei davon seien nicht mehr zu retten, heißt es im Stadtrat. Am Ende der großen Toiletten-Offensive wird die Stadt also ungefähr genauso viele WCs haben wir am Anfang.

 

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