Debatte in München Bürgerprotest gegen schlechte Architektur

Sie wollen die Verschandelung Ramersdorfs nicht hinnehmen: Bürger beim Alten Wirt. Foto: Petra Schramek

Bei einer Diskussionsrunde im Alten Wirt geht es hoch her: Bürger und Politiker setzen sich für eine bessere Bebauung der Haldenseesiedlung ein. Und die GWG, die für das Projekt verantwortlich ist, kneift.

 

Ramersdorf - Der Leidensdruck ist hoch - sonst wären nicht mehr als 100 Ramersdorfer zur Podiumsdiskussion im Alten Wirt über Münchner Architektur im Allgemeinen und die geplante Siedlung an der Haldenseestraße im Besonderen gekommen.

Warum? Weil die Ramersdorfer Bürger fürchten, dass der geplante Um- und Neubau dieser Siedlung mit schönem alten Baumbestand genauso missraten wird wie die gleich benachbarte Maikäfersiedlung. Dort „passt nichts zusammen“, ein „greisliges Durcheinander“ sei entstanden, so beschweren sich die Anwohner. Auf keinen Fall könne man hinnehmen, dass an der Haldenseestraße der gleiche architektonische Einheitsbrei entstehe. Was also tun?

Zu dem Diskussions-Abend eingeladen hatte die „Schutzgemeinschaft Ramersdorf“, ein Zusammenschluss engagierter Bürger, die sich zum Ziel gesetzt haben, ihr Stadtviertel vor den schlimmsten Auswüchsen der Münchner Bauwut zu bewahren.

Inspirieren ließen sich die Veranstalter – die Ramersdorferinnen Bettina Rubow und Anja Limburg, die auch fachkundig moderierten – von einem Artikel in der Abendzeitung. Im Rahmen der AZ-Architekturdebatte hatte Chefredakteur Arno Makowsky über die Gesichtslosigkeit und Langeweile der Münchner Neubauten polemisiert. Ein Vorwurf, den er nun auf dem Podium beim Alten Wirt konkretisierte: „Überall begegnet man den gleichen faden Schuhschachteln, die von der Mutlosigkeit der Bauherren und Architekten zeugen.“ Und an die Adresse der Ramersdorfer: „Ich finde es gut, dass Sie sich dagegen wehren!“

Gegen diesen Vorwurf wollte der Architekturprofessor Peter Ebner seine Kollegen nicht rundwegs in Schutz nehmen. Das Problem liege aber weniger an den Architekten selbst, sondern am zweifelhaften Auswahlverfahren der Entwürfe. Jurys mit der immer gleichen Besetzung und Bürgerbeteiligung, die in Wahrheit nicht ernst genommen werde – das vor allem seien die Probleme. Und weiter: „Gerade die städtischen Baugesellschaften sollten eine Vorbildfunktion haben. Aber der werden sie überhaupt nicht gerecht!“

Was er damit meinte, illustrierte Maikäfersiedlungs-Bewohner Roland Pauli: Wie die GWG sich gegenüber den Anwohnern verhalten habe – kaum zu glauben. Immer neue Pläne, immer neue Vorhaben, die keiner durchblicke und bei denen keiner mitreden könne. Die versprochene Transparenz – ein Witz. Pauli erzählt von geradezu kafkaesken Briefwechseln mit der Behörde: Konkrete Fragen werden nicht beantwortet, wiederholte Schreiben bestenfalls mit Floskeln. Und das Ergebnis? „Das ist menschenverachtend“, empört sich eine ältere Dame. Was sie meint: Früher habe es vier Meter Abstand zwischen Straße und Häuserblock gegeben. Und jetzt, nach der Verdichtung: „Die Wände wurden nach vorne verlegt. Unser Schlafzimmer ist praktisch mitten auf der Straße!“

Gerne hätten die Gäste an dieser Stelle einen Vertreter der GWG gehört. Aber: Es war keiner da, trotz Einladung. Offenbar hatte man bei der städtischen Wohnungsgesellschaft Angst vor den aufgebrachten Bürgern.

Und das offenbar aus gutem Grund. Wie Mitglieder des Ramersdorfer Bezirksausschusses berichteten, stehen die Pläne für die Haldenseesiedlung offenbar schon fest: „Das schaut genauso aus wie in der Maikäfersiedlung. Damit es dazu passt.“ Buhs im Saal. Also nochmal: Was kann man dagegen tun?

Wenig. Zwar laufen die Bezirksausschüsse regelmäßig Sturm gegen solche Wettbewerbe – aber sie haben nichts zu sagen. Und die Stadträte? Kaum etwas. Christian Amlong (SPD und Herbert Danner (Grüne) erklären wortreich, warum ästhetische Kriterien in diesen Diskussionen kaum eine Rolle spielen: „Die Stadt wird immer voller, es muss immer mehr gebaut werden.“ Nur, wie gebaut wird – das geht leider unter. Georg Kronawitter von der CSU sagt: „Auch wir kommen kaum ran. In der Lokalbaukommission herrscht eine Selbstherrlichkeit wie vor 200 Jahren.“

Nun wollen die Ramersdorfer aber das das Unmögliche trotzdem versuchen. „Die Pläne müssen nochmal auf den Prüfstand“, sagt ein BA-Aktivist. Die Stadträte versprechen hoch und heilig, sich einzusetzen. Und Veranstalterin Bettina Rubow ballt entschlossen die Faust: „Es muss einfach klappen!“

 

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