Das politische Urgestein in 40 Zahlen Seit 40 Jahren im Stadtrat: Hans Podiuk, der Jubilar

Hans Podiuk vor dem Rathaus. Die Aktenstapel, die er in 40 Jahren gelesen hat, sind vier Mal so hoch wie der Rathaus-Turm. Foto: Bernd Wackerbauer

In vier Jahrzehnten war Hans Podiuk im Stadtrat schon fast alles. In der AZ zieht er eine Bilanz: Ein politisches Urgestein in 40 Zahlen.

 

München - Er ist ein Mahner und uneitler Moderierer – und unzählige Male hat er für die Rathaus-CSU Lösungen gefunden, hinter den Kulissen. Bürgermeister Josef Schmid nennt ihn "ein wandelndes Vermittlungsbüro". Heuer sind es 40 Jahre, die der
Diplomverwaltungwirt Hans Podiuk (71) für die CSU im Stadtrat sitzt.

Anfangs unter CSU-OB Erich Kiesl, dann während Rot-Grün im Rathaus – und seit 2014 unter SPD-OB Dieter Reiter in der schwarz-roten "Rathaus-Kooperation". 13 Jahre war er Fraktionschef (mit Unterbrechung 2006-14, weil er an Schmid abgab, damit der sich für seine OB-Kandidatur profilieren konnte). 2017 übergab er an Manuel Pretzl. Einmal, 2002, hat er sich sogar zur OB-Kandidatur gegen Amtsinhaber Christian Ude (SPD) drängen lassen, weil der eigentliche Kandidat Aribert Wolf wegen eines Plakat-Skandals hingeschmissen hatte – und sich sonst keiner traute. 2020 will Podiuk ganz aufhören. Schau mer mal.

Für die AZ hat er ausgerechnet, was er so getan hat, seit er als Stadtrat für die CSU ins Rathaus kam.

120 Milliarden Euro an Steuergeld hat die Stadt in den vergangenen 40 Jahren ausgegeben – mit Podiuks Segen. Die Ringtunnel aus seiner Amtszeit (Petuel-, Richard-Strauss- und Kiesselbachtunnel) nicht mitgerechnet.

61.600 Tassen Kaffee hat er während seiner Zeit im Rathaus getrunken. Nur, dass er nicht "Kaffee" sagt, sondern "Zwei plus vier" (heißt: einen doppelten Espresso mit vier Stückerl Süßstoff). Das sind sieben pro Arbeitstag.

32.000 Zentimeter Akten hat Hans Podiuk in den 40 Jahren durchgelesen. Würde man all diese Sitzungsvorlagen aufeinandertürmen, wäre der Stapel vier Mal so hoch wie der Turm des Neuen Rathauses.

8.800 Bürgerbriefe hat Podiuk selber beantwortet – per Diktat an die Mitarbeiter. In die CSU-Fraktion kommen an die 1000 im Jahr, mit Beschwerden über irgendeine Bebauung, Bitten um einen Kita-Platz oder um eine Wohnung.

6.000 Plakate klebte er in mindestens 40 Wahlkämpfen eigenhändig für sich und die CSU in München.

2.640 Stunden ist er allein in Ausschusssitzungen gesessen. Finanzen, Bau, Planung, Immobilien – Podiuk ist in vielen Themen Fachmann geworden.

1.920 Reden hat er gehalten und alle selbst geschrieben. Seine Schwerste? 1986 in Neuperlach: "Da hab ich vor 800 Leuten begründen müssen, warum die Stadt die Wohnungen von der Neuen Heimat, die Pleite war, nicht ankauft. Das war ein Buh-Konzert!"

Ein Antrag Podiuks ging über 30 Jahre durch die Verwaltung

1.000 Anfragen und Anträge stellte er an den OB. Der langwierigste dürfte der um den Bau des Truderinger Gymnasiums gewesen sein. "Den Antrag habe ich 1979 geschrieben. Fertig war die Schule 2013."

800 Mal ist er als Stadtrat in die Kirche gegangen. "Ohne Messe wird bei Vereinen ja fast nichts gefeiert: Fahnenweihen, Jubiläen, Fronleichnamsprozessionen. . ." Da kommt man halt nicht aus.

600 Weihnachtsfeiern hat er in den 40 Jahren besucht. Sehr besinnlich immer, der Advent.

500 Stadtrats-Vollversammlungen machte er während seiner Rathausjahre mit. Die kürzeste dauerte eine Dreiviertelstunde, die längste 13 Stunden, über zwei Tage. Da hatte um 23 Uhr nicht mal der Franziskaner mehr ein Feierabendbier.

400 Würschtl vertilgte er im Weißwurstzimmer neben dem Großen Sitzungssaal, wohin sich Stadträte flüchten, wenn’s ihnen im Plenum zu langatmig wird. Weil er Weißwürscht nicht so mag, aß er Pfälzer und Regensburger. Seit sieben Jahren gibt’s den Würschtlservice leider nicht mehr.

200 Wiesnmaßn hat er bei 40 Oktoberfesten (und 40 Anzapf-Ritualen) getrunken. Vier Mal pro Jahr geht er hin.

90 Minuten pro Tag liest er Zeitung. „Alle Münchner Zeitungen – und die Welt, für mein konservatives Gemüt.“ Dazu überfliegt er noch 40 Minuten Nachrichten online.

80 Anzüge hat er als Stadtrat aufgetragen. Jedes Jahr gönnt er sich zwei neue.

Das erste Handy gab's für Hans Podiuk mit 51

70 Partygäste passen in sein Haus, wenn er Geburtstag feiert. Einladungen schreibt er nie.

60 Flaschen Frankenwein lagert er im Keller. Kann ja immer mal Besuch kommen.

51 Jahre alt war er, als er sein erstes Handy gekauft hat, 1997.

35 Vereine haben ihn als Mitglied – vom TSV Waldtrudering bis zum Tierschutzverein. Das kostet ihn jährlich 3.500 Euro an Mitgliedsbeiträgen.

30 Mal marschierte er zu Defiliermärschen & Co in ein Bierzelt ein. Immer hinter Unions-Honoratioren her, wie FJS, Theo Waigel oder Helmut Kohl.

20 Streits hat er mit Oberbürgermeistern durchgefochten. So handfest, dass die Münchner Presse noch Wochen danach Geschichten daraus strickte. Meistens stritt er mit Christian Ude (SPD). Podiuk mal zum OB: "Sie verstehen von garnix was!" Ude später nicht minder bös: "Herr Podiuk, Ihr Maßstab ist der Kirchturm von Trudering!"

20 politische Probleme hat der Stippenzieher Podiuk still und unauffällig gelöst, über die nie etwas bekannt wurde. "Manche Dinge", sagt er, "lassen sich leichter durchsetzen, wenn sie nicht in der Zeitung stehen. Und wenn man sie klärt, bevor sie für jemanden eine Frage der Ehre werden."

20 Plenums-Sitzungen verpasste er in all der Zeit. Aber nur, "weil andere Sitzungen halt wichtiger gewesen sind".

20 Minuten pro Tag verbringt er am Hometrainer. Früh um 5.30 Uhr. Dabei schaut er das "ZDF-Morgenmagazin".

15 Leute erkennen ihn täglich auf der Straße. "Gut, dass ich Sie treffe...", sagt dann jemand. Sogar auf der griechischen Insel Rhodos hat ihn mal ein Münchner erkannt, und gefragt: "Mei, Herr Podiuk, sind Sie inkognito hier?"

12 Stunden verbringt Hans Podiuk pro Woche im Garten. Nicht, um zu jäten. "Zum Gießen. Und zum Sitzen."

Hans Podiuk war in 40 Jahren 5 mal Ersatz-OB

10 Mal am Tag schaut er auf sein Handy und checkt, ob jemand angerufen hat. Bei Facebook ist er nicht.

8 Mal hat Podiuk den Plenumssaal verlassen – und die Abstimmung geschwänzt. 1979 wollte die SPD den Riemer Flughafenanwohnern für 40 Millionen D-Mark Schallschutzfenster bezahlen. Die CSU war dagegen, weil eine interne Mehrheit das zu teuer fand. "Ich bin Truderinger. Was hätten mir die Riemer Nachbarn denn erzählt, wenn ich da mit der CSU gegen den Schallschutz gestimmt hätte?"

7 Ministerpräsidenten sind in den 40 Jahren am Ruder gewesen. Podiuk blieb – während Goppel, Strauß, Streibl, Stoiber, Beckstein, Seehofer abdankten. Jetzt ist Markus Söder MP.

6 Feinde hat Hans Podiuk. "Ich sag’ keine Namen, weil die sind alle in meiner Partei."

5 Tage ist Podiuk (Ersatz-)OB gewesen. 2016 war das. Als sowohl OB Dieter Reiter als auch seine beiden Stellvertreter Seppi Schmid und Christine Strobl verreist oder krank waren.

5 Sitzplätze hatte Podiuk im Plenum. Anfangs noch als Hinterbänkler hinten mittig. Am nächsten dran am Oberbürgermeister saß er als CSU-Fraktionschef: ganz vorne links.

4 Oberbürgermeister hat er als Stadtrat erlebt: Erich Kiesl, den einzigen CSUler (1978-84), danach die SPD-OBs Georg Kronawitter (bis 1993), Christian Ude (bis 2014) und Dieter Reiter. Welcher ihm der Liebste war? "Kein Kommentar."

3 CSU-Oberbürgermeisterkandidaten hat er in 40 Jahren vorgeschlagen: Hans-Peter Uhl (1999), Aribert Wolf (für 2002 – statt seiner musste Podiuk dann ran), und Josef Schmid. Den SPD-Gegner geschlagen hat noch keiner. Aber Podiuk bleibt hoffnungsfroh.

3 CSU-OBs (sic!) will er nämlich noch erleben. Über die Namen schweigt er sich bloß noch aus, bis nach der Landtagswahl.

Hans Podiuk war schon mal Maibaumdieb

3 Mal hat er politische Tiefpunkte erlebt. Vor allem 2003, als eine Gruppe um den jungen CSU-Stadtrat Christian Baretti Podiuk als CSU-Kreis-Chef im Münchner Osten stürzte (auch mit Hilfe gefälschter Mitgliederanträge). Nach 16 Jahren Amtszeit war das eine persönliche Katastrophe für Podiuk. Später kam heraus: Mitwisserin war die Strauß-Tochter und damalige CSU-Bezirkschefin Monika Hohlmeier gewesen.

2 Maibäume hat Hans Podiuk geklaut. Wie 1983, als er mit 18 Truderinger Burschen das Haidhauser Stangerl aus einer Halle gezerrt hat. Die Polizei kam mit sieben Blaulicht-Wagen, einer plärrte: "Kommen Sie mit erhobenen Händen raus!" Da hat Podiuk (der schon fünf Jahre Stadtrat war) freundlich Grüß Gott gesagt. "Die ha’m uns dann abgeschirmt und gesichert, bis wir mit dem Trumm ums Eck waren."

1 Hochzeitstag hat er in 48 Ehejahren vergessen. Weil seine Hannelore auch nicht dran gedacht hat.

1 Lederhose besitzt er – und hat diese 32 Jahre lang auf Maifesten getragen: "Ich bin da mal rausgewachsen, dann hat sie 15 Jahre nicht gepasst. Seit fünf Jahren passt sie wieder."

0 Mal hat er daran gedacht, die Politik zu verlassen. "Politik ist für mich wie Schachspielen", sagt Podiuk. "Mal hast du Siege, mal hast du Niederlagen." Das politische Geschäft bleibt für Hans Podiuk, was es immer war: "Wie eine Sucht".

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