"Da flogen schon mal die Fetzen" Dieter Hoeneß erinnert sich an die gemeinsame Jugend mit Uli

Familienbild mit DFB-Pokal: Dieter Hoeneß mit Sohn Benjamin (l.) und Uli Hoeneß mit Sohn Florian und Tochter Sabine. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Anlässlich des Abschieds von Uli Hoeneß als Präsident des FC Bayern erinnert sich Bruder Dieter in der AZ an die gemeinsame Jugend und blickt auch in die Zukunft. 

 

AZ-Interview mit Dieter Hoeneß: Der 66-Jährige (r.) ist der jüngere Bruder des scheidenden Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Von 1979 bis 1987 spielte er bei Bayern, der Manager damals: Uli.

AZ: Herr Hoeneß, Sie sind wie Ihr Bruder Uli in Ulm geboren. Zwei Schwaben, die in die Welt hinausgingen. Wer ist der Sparsamere?
DIETER HOENESS: Beide gleich, würde ich sagen. Wir sind zur Sparsamkeit erzogen worden, in einem Elternhaus, in dem nie mehr Geld ausgegeben wurde, als man eingenommen hatte, beziehungsweise da war.

Ihre Eltern betrieben am Eselsberg in Ulm eine Metzgerei. Ihr Bruder sagt rückblickend: "Wenn die Kasse nicht stimmte, hing der Haussegen schief."
Natürlich, das war so. Unsere Eltern waren Kaufleute, die einfach wirtschaften – und damit die Familie ernähren mussten. Wir sprechen von den 50er Jahren, der Nachkriegszeit, das hat uns geprägt. Da war allgemein nicht viel Geld vorhanden, die Wirtschaft kam erst langsam wieder in Schwung. Auf der anderen Seite hat uns unsere Mutter (Paula, d. Red.) bei wichtigen Dingen eine gewisse Großzügigkeit eingeimpft. Für Qualität, etwa einen guten Pullover, muss man mehr Geld ausgeben, sagte sie. Dafür hält der auch länger. Uns hat es trotzdem an nichts gefehlt. Wenn ich so zurückschaue, muss ich sagen: Uli und ich hatten eine wunderschöne Jugend.

Trotz der harten Zeiten? Uli stand samstags, wenn keine Schule war, immer im Laden hinter der Kasse und hat mitgeholfen.
Da unsere Mutter auch in der Metzgerei gearbeitet hat, kümmerte sich ein "Dienstmädchen" um uns. Wir wurden an der langen Leine gelassen, unsere Mutter hat immer überprüft, dass wir die Hausaufgaben machen. Danach durften wir raus zum Kicken. Wir haben in einer Siedlung am Waldrand gewohnt, da konnten wir schnell ins Gelände oder haben auf der Straße gekickt – es gab ja auch noch nicht so viele Autos. Das war traumhaft schön.

Uli oder Dieter Hoeneß - wer war besser in der Schule?

Wer war der bessere Schüler?
Uli war fleißiger, gewissenhafter und daher etwas besser. Ich hatte nie die Absicht, der Klassenbeste zu sein, ich wollte das Abitur machen – ist mir gut gelungen.

Haben Sie sich gegenseitig geholfen? Abgeschrieben?
Wir waren ja nicht in derselben Klasse, haben uns zu Hause höchstens mal gegenseitig Vokabeln abgefragt. Wenn es galt, in Erdkunde oder Biologie etwas zu zeichnen, habe ich das für Uli gemacht.

"Dieter war eher unbekümmert, ein Träumer", sagt Ihr Bruder, "dafür künstlerisch veranlagt". Sie haben gemalt. Öl auf Leinwand.
Na ja, ein Träumer war ich nicht, ich hatte eben mehrere Interessen. Dass ich etwas malen kann, macht sich heute bezahlt, wenn ich mit meinen Enkeln zusammen bin.

Wer war musisch veranlagter?
Wir bereuen heute beide, dass wir kein Instrument spielen können. Als wir ganz jung waren, haben wir Blockflöte gelernt. Da war die Begeisterung und damit die "Karriere" schnell vorbei. Später haben wir Gitarre und Akkordeon begonnen, aber wir wollten lieber auf die Wiese, wollten kicken. Schon mit vier, fünf Jahren. Wenig später haben wir für unsere Freunde "Olympische Spiele" organisiert. Mit Laufen, Werfen und ab in den Weitsprungkasten. Wir kamen schon sehr früh in die Jugendabteilung des VfB Ulm – ich mit fünf, er mit sechs Jahren.

Und wer spielte besser Fußball?

War er der bessere Fußballer? Zur Entlastung: Sie waren – fast auf den Tag genau – ein Jahr jünger.
Uli wusste mit 13, 14 Jahren, dass er Fußballprofi werden möchte. Das war bei mir etwas anders. Obwohl sich auch bei mir eine Karriere abgezeichnet hat, nämlich als Torhüter. Gleichzeitig habe ich ganz ordentlich Basketball gespielt, bin Ski gefahren, war später einer der ersten Windsurfer in der Gegend. Mein Sportlehrer im Gymnasium sah in mir ein großes Talent als Zehnkämpfer. Mit 16 habe ich mich entschieden, mich wieder mehr auf Fußball zu konzentrieren, diesmal als Stürmer. Das Ergebnis ist bekannt.

Heute ist Ihr Bruder der größte Basketball-Fan und hat den FC Bayern Basketball aus der Zweiten Liga bis in den höchsten Europapokal-Wettbewerb geführt.
Uli hat auch in der Basketball-Schulmannschaft gespielt, sich dann aber auf Fußball konzentriert. Ski fahren war ihm zu riskant wegen der Fußball-Karriere.

Wann kamen die ersten Mädels ins Spiel? Jetzt können Sie es ja verraten: Sind Sie sich mal in die Quere gekommen, waren ins selbe Mädel verliebt?
Nein, da gab es keine Überschneidungen (lacht), jeder ging seinen eigenen Weg. Bis wir elf, zwölf waren, haben wir alles gemeinsam gemacht, danach hatten wir andere Freundeskreise, andere Interessen.

Streit bei Hoeneß': "Hat sich meist schnell erledigt"

Wer war beim Tipp-Kick-Spielen jähzorniger?
Wir konnten beide nicht verlieren, da sind schon mal die Fetzen geflogen. Wir hätten die heutigen Torkameras gebraucht. (lacht)

Videobeweis im Hause Hoeneß. Wenn es mal wirklich Zoff gab, wie sah das bei Ihnen aus?
Vielleicht ein kleiner Ringkampf, mehr nicht. Gab’s ein Problem, hatte sich das meist schnell erledigt.

Kannten Sie als der Jüngere eigentlich Neid?
Überhaupt nicht, das war uns beiden fremd. Natürlich war Uli immer früher dran als Älterer, aber ich habe mich für ihn gefreut. Als er mit der Schüler-Nationalelf vor 90 000 Zuschauern im Wembley-Stadion gespielt hat, wurde das im Fernsehen übertragen, wir durften es in der Schule im Klassenzimmer verfolgen. Ich war mächtig stolz auf ihn.

Ihre Abitur-Noten, bitte.
Uli schaffte 2,4 und ich 2,9.

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