CSU-Spitze Holt Seehofer noch einen Rebellen an seine Seite?

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer mit Generalsekretär Alexander Dobrindt. Rechts: Der CSU-Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn Foto: dpa

Erst holte er Peter Gauweiler als seinen Vize. Nun könnte der Europa-KritikerThomas Silberhorn sein nächster CSU-General werden, wenn Alexander Dobrindt als Minister ins Kabinett aufrückt.

 

MÜNCHEN- Horst Seehofer plant einen harten Kurs gegen Brüssel zur Europawahl im Mai. Nach Ober-Skeptiker Peter Gauweiler (64) überlegt der CSU-Chef nun, sich einen weiter Rebellen an seine Seite zu holen: Als Top-Favorit für die Nachfolge von Generalsekretär Alexander Dobrindt, der in die Ministerriege aufsteigen soll, wird der oberfränkische Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn gehandelt. Er gehörte bei der Abstimmung über das Rettungspaket für Griechenland mit Gauweiler zu den fünf CSU-Abweichlern, die Angela Merkel die Kanzlermehrheit verweigert haben.

Gauweiler, den Seehofer auf dem Parteitag zu seinem Stellvertreter wählen ließ, soll im Europa-Wahlkampf gemeinsam mit dem Generalsekretär eine zentrale Rolle spielen. Gauweiler „könne die Klinge führen, und das wird er auch tun“, sagte Seehofer nach Parteitagsende.

Silberhorn wäre da als General der ideale Partner für den Münchner Quertreiber. „Er ist sehr europakritisch“, heißt es in der CSU. Das Nein des 45-jährigen Rechtsanwalts habe die Kanzlerin damals sehr irritiert. Seehofer möge ihn sehr gerne. „Silberhorn argumentiert sehr fundiert und durchdacht“, sagt ein Parteifreund zur AZ. Das hört sich dann so an: „Kabinette dieser Größenordnung gibt es sonst nur in Afrika, wo man alle Stämme bei der Regierungsbildung berücksichtigen muss“, giftete Silberhorn kürzlich gleich seinem Chef hinterher, als der eine Verkleinerung der EU-Kommission forderte.

In der Bundestags-CSU ist Silberhorn der Europa-Sprecher. Im September 2012 hatte er gemeinsam mit Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt das Grundlagenpapier zur Europa-Politik geschrieben. Auf seiner Homepage fordert er an erster Stelle „Regeln zur Staateninsolvenz und über das Ausscheiden aus der Eurozone, wenn ein überschuldeter Staat auf absehbare Zeit seine Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Eurozone nicht wiedergewinnen kann“. Alles ganz nach dem Geschmack von Horst Seehofer, der bei der Europawahl im Mai keine Stimme an die AfD abgeben, sondern für die CSU auch die fundamentalen Euro-Kritiker dazugewinnen will.

Für die Freunde Europas bleibt den Christsozialen noch Markus Ferber. Seit 14 Jahren ist der Diplom-Ingenieur Chef der achtköpfigen CSU-Europa-Gruppe in Brüssel, zu der auch Strauß-Tochter Monika Hohlmeier gehört. Natürlich ist Ferbers-Truppe pro Europa eingestellt.

Auf dem Parteitag hat Seehofer den CSU-Chef von Schwaben so ganz nebenbei zum Spitzenkandidaten für die Europa-Wahl ausgerufen. Nun kann die CSU ihren Wählern für jeden Geschmack etwas servieren.

 

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