Coronavirus und die Folgen Köllners 1860-Zwischenbilanz: Einzigartig und getrübt

Fünf Siege und sieben Remis gelangen den Löwen unter Trainer Michael Köllner. Foto: sampics/Stefan Matzke

In der Tabelle unter dem neuen Trainer ist der TSV 1860 München Erster. "Eine Bestätigung", sagt Michael Köllner. Aber: "Am Wichtigsten ist die Gesundheit."

 

München - Herzlichen Glückwunsch zur "Zwischen-Meisterschaft", Michael Köllner! Der Trainer des TSV 1860 wäre, würde nur die Köllner-Tabelle von Anbeginn seiner Amtszeit bis zum 3:0-Auswärtssieg am 27. Spieltag beim FC Carl Zeiss Jena zählen, mit seinen Löwen Spitzenreiter.

"Das freut mich natürlich", sagte Köllner am Donnerstag: "Klar suchst du als Trainer nach einer Bestätigung für deine Arbeit. Deshalb ist es schön, wenn du das auch tabellarisch ablesen kannst." Zwölf Spiele, 22 Punkte, 24:15 Tore – gleichbedeutend durch die fünf Siege und sieben Remis mit dem Platz an der Sonne, vor den punktgleichen Sportvereinen Waldhof Mannheim und Meppen.

"Wir konnten auch die Remis-Serie mit Siegen durchbrechen. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind", erklärte der 50-Jährige über den Jena-Dreier und das 4:3-Drama aus der Vorwoche gegen den Chemnitzer FC. Die Freude ist freilich getrübt. "Dafür können wir uns nichts kaufen", sagte der Löwen-Coach zur Köllnerschen Momentaufnahme.

Michael Köllner: "Fußball ist nicht das Wichtigste auf der Welt"

Im Gegenteil, für Sechzig und die restlichen Drittliga-Vereine könnte unter Umständen sogar das Saisonende drohen. Die Krise um das neuartige Coronavirus ist längst im Profifußball angekommen. Verschiebung der Spieltage 28 und 29, das angedachte Geister-Testspiel hat 1860 nun doch wieder abgesagt.

Ob der Plan der (finanziell wacklig aufgestellten) Drittligisten mit Spielverlegungen – eventuell über das Saisonende hinaus – überhaupt aufgehen kann, wird mit der zunehmenden Anzahl an infizierten Personen im Umfeld des Profisports immer unwahrscheinlicher. Wohlergehen vor Sport und Wirtschaft, heißt das nachvollziehbare Motto. Köllner zeigt sich reflektiert, was die Prioritäten anbelangt.

"Am Wichtigsten ist die Gesundheit der Spieler und Fans, aber auch aller Menschen", stellte er klar. Und mehr noch, wie der Cheftrainer über die Risikogruppen älterer und immungeschwächter Personen erklärt: "Der Fußball ist nicht das Wichtigste auf der Welt, für den ein oder anderen geht es jetzt um sein Leben."

Köllner über Coronavirus: "Welt hat schon schlimmere Dinge gesehen"

Dennoch: Bei 1860 und vielen anderen Klubs hoffen sie darauf, dass sich die Ausbreitung des Virus eindämmen lässt, um den Wettbewerb fortsetzen zu können. Köllner dazu: "Die Welt hat schon schlimmere Dinge gesehen als das Coronavirus, das werden wir auch bewältigen. Mein Wunsch wäre, dass wir das Thema in einigen Wochen zu den Akten legen könnten."

Klingt aktuell nach einem frommen Wunsch. Sechzigs Serie von 14 ungeschlagenen Partien in Folge, davon zwölf unter Köllner, ist nun eingefroren: Einen Spieltag, bevor 1860 gegen Spitzenreiter MSV Duisburg erstmals hätte auf einen Aufstiegsrang springen können. Weitergehen könne es laut Köllner nur mit "Chancengleichheit, Wettbewerbsgleichheit und Ehrlichkeit".

Das Problem, falls nicht mehr regulär zu Ende gespielt werden kann: Von einem Saisonabbruch ohne Wertung, dem aktuellen Tabellenbild als Abschluss-Ranking oder von etwaigen Aufstiegs-Playoffs der vorderen Teams könnte sich 1860 wohl ähnlich wenig kaufen wie von der Köllner-Tabelle – wobei sich die Löwen, die Liga und das ganze Land weiter mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie sich das am besten schützen lässt, was über Aufstiegsträumen und Finanzen steht: Menschenleben.

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