Coffee-to-go soll teurer werden OB Dieter Reiter will Pappbecher in München verbieten

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Ein überfüllter Mülleimer mit Verpackungsmüll aus Pappe und Kunststoff: OB Dieter Reiter (r.) möchte durch einen Pappbecher-Aufschlag die Müllmengen reduzieren. Foto: imago/Ralph Peter, Sven Hoppe/dpa, AZ-Montage

Ketten sollen nur noch in wiederverwertbare Behälter ausschenken – oder Getränke aus der Einweg-Variante viel teurer machen, fordert Dieter Reiter.

 

München - Die Zahl ist eklatant: Rund 190.000 Pappbecher landen in München derzeit täglich im Müll – oder daneben auf den Straßen oder in der Natur. Wenn der Nutzer einmal aus den Bechern sein Heißgetränk getrunken hat, haben die in der Regel nicht-recyclebaren Behälter ihren Nutzen erfüllt – und werden weggeschmissen.

OB Dieter Reiter (SPD) hat sich im Rahmen des "Münchner Zukunftsdialogs" mit dem Experten Hennig Wilts vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie getroffen, um mit ihm eine Strategie für Münchens Müllproblem zu diskutieren.

OB Reiter fordert: Pappbecher verbannen

Reiter fordert jetzt: Wer sich mit Mehrwegbecher einen Kaffee kauft, soll den künftig deutlich günstiger bekommen als mit dem Pappbecher. Oder anders herum: Das Getränk im Pappbecher soll viel teurer werden. Die großen Franchise-Ketten will Dieter Reiter freiwillig dafür gewinnen, Coffee-to-Go nur noch in Mehrwegbechern auszuschenken, sprich: Pappbecher aus dem Sortiment zu verbannen.

Bei der Hofpfisterei ist das schon der Fall – ohne Reiters Einwirken. "Wenn uns der Verzicht auf Pappbecher bei allen großen Franchise-Ketten in München gelingen würde, wäre das ein großer Wurf", sagt Reiter der AZ.

Grüne wollen Umsetzung vehement einfordern

"Hierzu werde ich auch in Kürze selbst Gespräche mit Vertretern von großen Supermarktketten, des Einzelhandels und von Franchise-Ketten über konkrete Schritte zur Plastikvermeidung führen", sagt Reiter weiter. Ein Gesprächstermin werde derzeit abgestimmt, teilt eine Sprecherin der AZ mit.

Die grüne OB-Kandidatin Katrin Habenschaden sagt zur Ankündigung des OB: "Nur durch die Forderung vermeidet man noch keinen einzigen Einwegbecher." Die Umsetzung seiner Forderungen werde man bei den Grünen "vehement einfordern", so Habenschaden.

"München hat's satt"-Kampagne ist Reiter voraus

"Ich begrüße es, dass der OB die Wichtigkeit dieses Themas erkannt hat", sagt OB-Kandidatin Kristina Frank (CSU), die als Kommunalreferentin auch für den Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) zuständig ist.

Gleichzeitig macht sie darauf aufmerksam, dass der AWM dem OB in vielen Punkten bereits vorausgeeilt ist. Bereits im Oktober 2017 habe ihr AWM die stadtweite Kampagne "München hat’s satt" gestartet, um die Münchner Bevölkerung für die Abfallproblematik zu sensibilisieren. Durch die Kooperation mit dem Label "Einmal ohne, bitte" etwa unterstütze der AWM zudem das müllfreie Einkaufen. Sticker in Schaufenstern oder an Markt-Standl signalisieren hier dem Käufer, wo er verpackungsfrei einkaufen kann.

Die Münchner Suppenküche ist mit der Einführung eines Pfandsystems für To-Go-Gerichte Vorreiter bei der Vermeidung von To-Go-Verpackungen.

Wie umgehen mit dem Thema "Take Away"?

Und auch Frank führe längst Gespräche mit den Innenstadtwirten und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, wie man nachhaltiger mit dem Thema "Take Away" umgehen kann. Auch die FDP-Fraktion hatte vergangene Woche das Müllproblem der Stadt angesprochen.

Es ging um überfüllte Müllcontainer in der Pötschnerstraße und der Südlichen Auffahrtsallee Ecke Renatastraße in Neuhausen-Nymphenburg, die Anwohner dazu gezwungen hatten, den Müll neben, statt in die Container zu werfen.

Deshalb will die FDP jetzt, dass Neuhausen-Nymphenburg, Moosach, Feldmoching-Hasenbergl und Milbertshofen-Am Hart Testgebiete für die Einführung der Gelben Tonne werden. Stadträtin Gabriele Neff (FDP) kritisiert: "München bildet das blamable Schlusslicht beim Recycling von Hausabfällen."


Müll in München: ein Turm voller Plastik

Die Münchner entsorgen pro Jahr zirka 42.000 Tonnen sogenannte Leichtverpackungen (Plastikverpackungen und Verbundstoffe wie Getränkekartons). Diese Zahl ergibt sich aus der Sammelmenge der Dualen Systeme in München ("Grüner Punkt") und dem noch in den grauen Restmülltonnen enthaltenen Verpackungsmüll.

Mit der Menge könnte man stündlich die Bavaria befüllen oder täglich das Siegestor vollstopfen. Am Ende jeder Woche könnte man einen der Türme der Frauenkirche auffüllen.

In der Stadt gibt es 1.000 Wertstoffinseln, an denen man Verpackungen aus Glas, Kunststoff oder Metall entsorgen kann. In Bayern sammelt man im Schnitt in einem Jahr mehr als 20 Kilo Plastik pro Kopf. In München sind es nur fünf Kilogramm.


Lohnt sich Mehrweg?

Um einen Mehrwegbecher herzustellen, benötigt man erst einmal mehr Rohstoffe und Energie als für einen Pappbecher. Voraussetzung dafür, dass sich ein Mehrwegbecher lohnt, ist nach Angaben der Verbraucherzentrale: Man muss ihn etwa 60 Mal benutzt haben.

Zudem muss - damit sich der Becher lohnt - darauf geachtet werden, dass er umweltschonend abgewaschen wird – etwa in einer Geschirrspülmaschine, die eh schon voll ist.

Die Verbraucherzentrale warnt zudem: Einige To-Go-Becher sind schädlich. Vor allem Bambusbecher bestehen oft nicht nur aus Bambus, sondern aus Kunststoffen wie Melaminharz, das gesundheitsschädigend sein kann. Empfehlenswerte Materialien für den Kontakt mit Heißgetränken seien Edelstahl, Glas, Porzellan und Polypropylen.

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema: Besser Kompost-Becher

Lesen Sie auch: Münchens vergeblicher Kampf gegen laute Laubbläser

 

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