Champions League Robben: Explosion zur rechten Zeit

Der Holländer, lange in der Kritik, ist wieder da, wenn’s drauf ankommt. Bayern-Präsident Uli Hoeneß, seinen lautstarken Fürsprecher, freut das besonders.

 

MÜNCHEN - Anpfiff zweite Halbzeit. Und der Niederländer Arjen Robben stand schon wieder in aussichtsreicher Position. Direkt an der Mittellinie, Rechtsaußen. Unruhig, erwartungsfroh. Wie ein Kind, das eben für eine Viertelstunde das Spielzeug weggenommen worden war. Nur die Halbzeitpause konnte Robben am Dienstagabend bremsen, die Gegenspieler nicht. Motto: Der nächste Sprint ist der schönste. Doch erst langsam kamen die Basler aus der Kabine wieder auf den Platz. Robben grinste. Na, wartet. Eure Achterbahnfahrt geht gleich weiter.

Noch ein kurzer Gruß zu den Lieben auf der Tribüne in der Arena. 45 Minuten waren erst gespielt - und Robben wusste längst: das ist mein Spiel. Das 1:0 hatte der Niederländer selbst erzielt, das 2:0 von Thomas Müller vorbereitet. Dazu Energie verströmt als hätte er nur dieses eine Match, um allen zu beweisen, was er kann. 23 lange Monate hatte Arjen Robben auf einen Treffer in der Champions League warten müssen. Gestern legte er den Grundstein für das doch noch souveräne Weiterkommen mit seinem Schuss aus Mittelstürmerposition (11.).

Der Laufweg war perfekt, er hatte den Ball, der von Toni Kroos' Fuß über Schweizer Umwege zu ihm gekommen war, an Keeper Yann Sommer vorbei versenkt. Oben auf der Tribüne erlebte Präsident Uli Hoeneß seinen x-ten Jubel-Frühling. Er wusste: Franck Ribéry ist sowieso in guter Form. Wenn Robben gut drauf ist, dürfte das der Schlüssel fürs Viertelfinale sein - Hoeneß sollte sein Gespür nicht täuschen. Robben holte sich nach 42 Minuten einen Ball und flankte raketenschnell und zentimetergenau auf den hereinstürmenden Thomas Müller - das 2:0. Der Basler Riegel war geknackt.

Alles andere war Zugabe. Mario Gomez profitierte von Ribéry, Robben von Robben. Er hat wieder die Fitness, das Vertrauen in seinen Körper und seine Tricks. Es war ein harter, zäher Winter für ihn - besonders der Januar. Trainer Jupp Heynckes setzte ihn auf die Bank. Nicht einmal zwischendurch, sondern zwei Mal hintereinander. Schmerzhaft für einen wie ihn, der das Selbstverständnis eines Vizeweltmeisters hat. Natürlich nagte das an ihm, es fiel ihm schwer, ruhig zu bleiben.

Als er Ende Februar beim 3:2 Länderspiel-Erfolg der Holländer in Wembley gegen London doppelt traf, brach es aus ihm heraus. Spaß habe er nur im Oranje-Dress, dort setze der Trainer auch auf ihn. "Ich hoffe, die Bayern haben dieses Spiel gesehen, sonst bringe ich ihnen eine DVD mit", lästerte Robben. Derweil baute Heynckes darauf, dass Robben "bald auch bei Bayern explodieren wird". Am Samstag gegen Hoffenheim (7:1) traf Robben doppelt, gestern ebenfalls. Das 7:0 per elegantem Slalomlauf (81.), direkt danach wurde er ausgewechselt, bekam seinen Sonderapplaus.

Er lachte und schüttelte den Kopf als wolle er nicht glauben, was an diesem Abend passiert ist. Bayern marschiert, Robben explodiert. Die Gespräche über eine Vertragsverlängerung über 2013 hinaus waren zuletzt vertagt worden. Nun hat Robben die besten Argumente geliefert: zur rechten Zeit in bester Form.

 

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