Bayerns Ex-Trainer trifft Ancelotti Trap hat noch nicht fertig - So war sein München-Besuch

Treffen der Trainer-Legenden: Giovanni Trapattoni (r., 77) und Carlo Ancelotti (57) plaudern bestens gelaunt an der Säbener Straße. Foto: FC Bayern

Giovanni Trapattoni stellt in München sein neues Buch vor – und besucht Bayern-Trainer Carlo Ancelotti an der Säbener Straße. "Er kann die Bundesliga und die Champions League gewinnen, wenn er Bayern versteht", sagt "Trap" über seinen italienischen Landsmann.

 

München - Was er Carlo Ancelotti raten könne? Giovanni Trapattoni zupft sich sein rot-weiß-gestreiftes Hemd zurecht und grinst. „Er sollte mal ein Weißbier trinken“, sagt der legendäre Trainer des FC Bayern. Und ja, eine Sache gebe es da noch: „Die Italiener hier in der Stadt sollte er lieber nicht treffen.“

Mamma mia, da hat einer seine Landsleute aber richtig gern! Bei Ancelotti, versichert „Trap“, sei die Sache allerdings anders. „Ich kenne ihn sehr gut“, sagt er. Wenn es die Zeit zulasse, wolle er später noch an die Säbener Straße fahren und Ancelotti treffen. Es gebe da nur ein kleines Problem, verrät er der AZ: „Seine Nummer, ich habe seine Nummer gar nicht.“

Sein Buch heißt: "Ich habe noch nicht fertig"

Giovanni Trapattoni ist zurück in München. Zumindest für einen Tag. Der 77-Jährige ist gekommen, um sein neues Buch vorzustellen. Titel: „Ich habe noch nicht fertig.“ Angelehnt – natürlich – an seinen berühmtesten Auftritt als Trainer, an die verrückteste Pressekonferenz, die es beim FC Bayern jemals gab. Der 10. März 1998, Trapattoni kann sich noch gut an diesen Tag erinnern – und an diesen einen Spieler, dessen Namen der Italiener auch 18 Jahre später noch genauso ausspricht. „Struuunz“, beginnt er seine Ausführungen in einem Konferenzraum im Bayerischen Hof, zuvor hatte Trapattoni ausschließlich auf Italienisch gesprochen, doch bei der Erinnerung an Thomas Strunz wechselt er plötzlich ins Deutsche. „Struuunz hatte bei dem Spiel gegen Schalke einen geschwollenen Knöchel, deshalb habe ich ihn nach 25 Minuten ausgewechselt.“

Und der Streit ging los. Die Bayern verloren 0:1, verspielten ihre letzte Titelchance. Was Trap aber viel wütender machte, war die Kritik einiger seiner Profis nach dem Spiel: „Thomas sagte öffentlich, dass er die Auswechslung nicht verstanden habe. Dabei war er schon vor dem Spiel verletzt. Auf der Pressekonferenz dachte ich nur: Was will Strunz?“ Im Original-Wortlaut hieß es damals: „Was erlaube Struuunz?“ Für Trapattoni bedeutete die Rede das Ende seiner Bayern-Zeit. „Danach habe ich dem Verein gesagt, dass ich zurück nach Italien gehe. Es war nicht mehr möglich, mit der Mannschaft und der Presse zusammenzuarbeiten. Bei jedem Problem hätte die Rede als Vorwand gedient. Ich wollte meine Spieler schützen.“ Am Ende der Saison wurde Traps Vertrag aufgelöst.

Mario Basler war "zu viel in Nachtklubs"

Strunz war übrigens nicht der einzige Spieler, der Trapattoni damals verärgerte – und „wie eine Flasche leer“ spielte. Mario Basler sei oft nur über den Platz geschlichen, „wegen zu vieler Besuche in Nachtklubs“, heißt es in Traps Buch. Und dann gab es ja auch noch Mehmet Scholl. Der Offensivstar sei ein „Angeber“ gewesen, habe arrogant gespielt. „Mehmet war ein goldener Junge, er war fantastisch“, erklärt Trapattoni: „Aber manchmal hat er den Ball zu lange gehalten. Dann habe ich gerufen: Spiel den Ball! Aber die Spieler hören nicht immer auf ihren Trainer.“

Trotz dieser Auseinandersetzungen bezeichnet Trap die Erfahrung bei den Bayern, die er zweimal trainierte (1994/95 und zwischen 1996 und 1998), als „großen Spaß. Das ist ein starker Klub mit starker Führung. Auch heute noch.“

"Carlo ist der richtige Nachfolger für Guardiola"

Apropos: Was traut er den Bayern unter Ancelotti eigentlich zu? „Carlo ist der richtige Nachfolger für Guardiola, er war überall erfolgreich, auch deshalb, weil er ein guter Psychologe ist. Wenn er die Spieler und den Verein versteht, kann er die Bundesliga und die Champions League gewinnen. Carlo, mach weiter so!“

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Ob er seine Trainerkarriere fortsetzen will, lässt Trap offen. „Alt ist, wer keine Ziele mehr hat. Aber ich habe noch Ziele.“ Zuletzt habe er Angebote aus Afrika gehabt, doch dort sei es ihm zu gefährlich. „Meine Frau Paola hat mir gesagt: ,Wenn du gehst, okay, aber dann gib mir die Schlüssel.’ Und so bin ich geblieben.“

Am Nachmittag fährt Trap dann tatsächlich zur Säbener Straße. Er unterhält sich mit Karl-Heinz Rummenigge, der aus seinem Büro gekommen ist, er umarmt Hermann Gerland und plaudert mit Ancelotti. Das Treffen der Italiener hat doch noch geklappt. Einer wie Trapattoni braucht eben keine Telefonnummern.

 

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