Bayern-Gegner Wolfsburg Jonker über Gomez: "Einer der besten Stürmer der Welt"

Andries Jonker war unter Louis van Gaal von 2009 bis 2011 Co-Trainer des FC Bayern. Foto: firo/Augenklick

Wolfsburg-Coach Andries Jonker spricht über seinen Star Mario Gomez, über die emotional aufgeladene Partie gegen seinen Ex-Klub FC Bayern und über Thomas Müller.

 

Wolfsburg - Der 54-jährige Niederländer war unter Louis van Gaal von 2009 bis 2011 Co-Trainer des FC Bayern. Seit Februar coacht Andries Jonker den VfL Wolfsburg. Am Samstag (18:30 Uhr Sky und im AZ-Liveticker) erwarten die abstiegsbedrohten Wolfsburger den Branchenführer aus München.

AZ: Herr Jonker, Sie waren bei der Pokalpleite des FC Bayern gegen Dortmund im Stadion. Haben Sie ein bisschen gelitten mit Ihrem Ex-Klub?
ANDRIES JONKER: Ich hätte den Bayern den Sieg auf jeden Fall gegönnt. Sie haben viele Möglichkeiten verpasst, das Spiel zu entscheiden.

Sind die Bayern nach dem Aus in der Champions League und der Niederlage gegen Dortmund mental angeschlagen? Sie sind jetzt zweimal in kurzer Zeit gescheitert, das führt natürlich zu Ärger und Enttäuschung. Aber es gibt noch einen Titel für die Bayern zu gewinnen. Und wie ich sie kenne, werden sie versuchen, die Meisterschaft so früh wie möglich perfekt zu machen. Was ihnen jetzt hilft, ist ein Sieg in Wolfsburg. Das wollen wir verhindern.

Der VfL Wolfsburg liegt aktuell nur einen Punkt vor dem Relegationsplatz. Wie groß ist Ihr Glaube, dass es mit dem Klassenerhalt klappt?
Der Glaube ist ganz groß. Wir haben ordentliche Spiele abgeliefert, seit ich das Team übernommen habe. Nur in der Chancenverwertung gibt es noch ab und zu Probleme.

Mario Gomez trifft, wie er will, seit Sie in Wolfsburg sind. Er hat schon 15 Saisontore auf dem Konto. Ist er Ihr wichtigster Trumpf im Abstiegskampf?
Von mir aus hätte Mario gern schon vorher treffen können (lacht). Ich kenne ihn aus meiner Zeit bei Bayern, er ist für mich einer der besten Mittelstürmer der Welt. Er kann mit rechts und links schießen, gut köpfen. Aber man muss ihn in den Strafraum bekommen, da ist er gefährlich.

Zuletzt gab es Gerüchte, der FC Bayern könnte Gomez zurück nach München holen.
Jeder Verein braucht Spieler, die konstant Tore schießen. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass Mario für jeden Verein der Welt interessant ist – auch für die Bayern.

Sind Sie überzeugt, dass Sie Gomez im Sommer halten können?
Das müssen Sie Olaf Rebbe fragen (VfL-Sportdirektor, Anm. d.Red.). Ich würde ihn natürlich gern behalten.

Von 2009 bis 2011 waren Sie Co-Trainer beim FC Bayern, zum Ende der Saison 2010/2011 sogar für einige Partien Chefcoach nach der Entlassung Louis van Gaals. Was bedeutet Ihnen die Münchner Zeit im Rückblick?
Es war eine sehr gute Zeit für mich bei Bayern. Gemeinsam mit van Gaal, der sich übrigens auch sehr wohlgefühlt hat im Verein und in der Stadt, sind wir damals Meister geworden, Pokalsieger, haben auch den Supercup gewonnen. Leider haben wir das Champions-League-Finale 2010 verloren. Aber es hat mir immer viel Spaß gemacht, ich habe noch heute einen guten Draht zum Vorstand, zu einigen Mitarbeitern und Spielern.

Eine Ihrer großen Entdeckungen damals war Thomas Müller.
Hermann Gerland hatte ihn für den Profibereich vorgeschlagen, Sie und van Gaal waren schnell überzeugt. Innerhalb von wenigen Wochen war uns klar, dass Thomas ein sehr intelligenter Spieler ist. Er hatte ein überdurchschnittlich schnelles Auge für das Spiel. Das war seine große Qualität. Und dann hat er diese Karriere gestartet. Überrascht es Sie, dass er bei den Bayern aktuell kein Stammspieler ist? Von mir aus darf er sofort in Wolfsburg unterschreiben, wenn er will (lacht). Ich habe immer ganz großes Vertrauen in Thomas Müller gehabt. Ich würde mich freuen, wenn er ab nächster Woche wieder ganz viele Tore schießt. Aber nicht am Samstag.

Mehr zum Thema: Hoeneß - "Ein Titel ist auf Dauer ein bisschen wenig"

 

2 Kommentare