Bayerische Gymnasien G8 oder G9? Ab heute sollen alle mitreden dürfen

Hartes Pflaster: Immer mehr Lehrer leiden an der Schule. Foto: dpa

Im Kultusministerium startet ein Dialogforum, um das leidige Thema endgültig zu bändigen. Dafür holt die CSU sogar die SPD mit ins Boot

 

Bei der Einführung des G8 durfte keiner mitreden. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber den Bayern das um ein Jahr verkürzte Gymnasium aufgestülpt und vor zehn Jahren eingeführt. Seitdem ist keine Ruhe mehr. Lehrer, Schüler, Eltern und Verbände laufen Sturm.

Jetzt, bei der Lösung des Problems, ob ein acht- oder ein neunjähriges Gymnasium künftig im Freistaat die Regel sein soll, lässt Stoibers Nachnachfolger Horst Seehofer alle mitreden, um das leidige Thema endlich vom Tisch zu bekommen: Heute startet das große Dialogforum.

Im Saal 1120 des Kultusministeriums treffen sich am Abend rund 100 Experten zur ersten Gesprächsrunde. Der Titel, den sich Bildungsminister Ludwig Spaenle ausgedacht hat: „Auf dem Weg“. Doch welchen Bayern nun gehen soll, ist keine leichte Entscheidung.

Auch ein SPD-Mann sitzt auf dem Podium neben Vertretern der Eltern- und Lehrerverbände, der Wirtschaft, den Hochschulen und der Kirche: CSU-Minister Spaenle hat Bayerns Vorzeige-Genossen Julian Nida-Rümelin dazugebeten. Der SPD-Mann lehrt nicht nur an der LMU Philosophie, er war Kulturstaatsminister bei Kanzler Gerhard Schröder und Münchens Kulturreferent unter Christian Ude.

Viele Gespräche hat Horst Seehofer inzwischen geführt und auch die SPD ins Boot geholt, um dem Volksbegehren der Freien Wähler den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Abstimmung fällt auch noch in die heiße Phase der Fußballweltmeisterschaft.

Zeit lassen aber will sich Seehofer mit einer endgültigen Entscheidung. Für 21. Juli ist ein noch größeres Treffen in München geplant. Das soll den Charakter eines Kongresses haben, mit mehreren hundert Teilnehmern, heißt es in Spaenles Ministerium. Das dritte Dialogforum sei für den „Frühherbst“ geplant. Da wird es wohl nichts mit dem Zeitplan, den Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer kürzlich verkündet hat: Frühestens Ende Juli, Anfang August solle die Entscheidung fallen.

Das wäre gleich nach dem Ergebnis des Volksentscheids gewesen.

8 Kommentare