AZ zieht Bilanz und wagt Ausblick Ismaik, Aigner, Eichin: Das war die 1860-Hinrunde

Trainer, Sportchefs, Geschäftsführer - in dieser Hinrunde sah man wieder viele kommen und gehen beim TSV 1860. Foto: Sampics/Rauchensteiner/Augenklick

Promi-Transfers, Runjaic-Aus, Ismaik-Knall - die Hinserie hatte beim Löwen mal wieder einiges zu bieten. Die AZ zieht eine Bilanz - und wagt einen Ausblick.

 

München - Die letzten Löwen dürften noch auf der Weihnachtsfeier angestoßen haben, da postete Hasan Ismaik erstmals seit dem 4. Dezember einen eigenen Beitrag auf seiner Facebook-Seite zum TSV 1860. So manchem Profi dürfte bei einem Schluck Hellen oder Nicht-Alkoholischen die Luft weggeblieben sein. Denn Ismaik kündigte an, durchgreifen zu wollen - mal wieder.

Ismaik kündigt Veränderungen an

Nach Ex-Cheftrainer Kosta Runjaic und Ex-Sportchef Thomas Eichin soll diesmal die Mannschaft die Unzufriedenheit des jordanischen Geldgebers zu spüren bekommen. „Die Vorrunde war für mich sehr enttäuschend“, schrieb Ismaik nach dem 1:1 gegen den 1. FC Heidenheim am Freitagabend. Er werde „die Minderleistung in allen Ebenen nicht mehr länger akzeptieren. Unser Verein darf nicht zu einer gut bezahlten Wohlfühloase verkommen“.

Der 39-Jährige kündigte pathetisch Transfers für die Winterpause an, unverhohlene Kritik am aktuellen Personal inklusive. Ismaik: „Wir werden die Mannschaft verändern und optimieren, um ein konkurrenzfähiges Team in die Rückrunde schicken zu können.“ Laut "dieblaue24" erklärte er dann bei einem Fanclub-Besuch in Rudelzhausen:" Es wird im Jahr 2017 viele Änderungen geben." Zuvor zieht die AZ eine Bilanz zur turbulenten Hinserie:

Die Ausgangslage war prächtig. Vermeintlich. Erstmals investierte der Investor richtig in die Mannschaft, holte die gestandenen Bundesliga-Profis Ivica Olic und Karim Matmour, dazu die mit viel Vorschuss-Lob bedachten Brasilianer Victor Andrade und Ribamar sowie Identifikationsfigur Stefan Aigner zurück nach Giesing. Die Sechzger gaben mit Ismaiks Segen kolportiert mehr als sechs Millionen Euro allein an Ablösen aus. Mancher Experte sah den TSV 1860 auf dem Weg in die Bundesliga. Es kam anders.

Der frühe Höhepunkt eines guten Starts war das 2:1 im fränkisch-bayerischen Derby beim 1. FC Nürnberg. Sechzig hatte vor dem fünften Spieltag gegen Union Berlin plötzlich die Chance, auf Relegationsrang drei vorzurücken. Doch es folgten nur fünf Punkte aus neun Spielen, der wiederholte Absturz in den Tabellenkeller – und die Beurlaubung Runjaics.

Die Gründe für die sportliche Krise waren reichlich. Neben einer Verletzungsmisere war wohl maßgeblich, dass in der Euphorie über die Neuverpflichtungen vergessen wurde, dass reihenweise Spieler spät (Matmour, Andrade) oder erst ganz spät (Aigner, Olic) verpflichtet oder ausgeliehen wurden. Der geschasste Sportchef sprach von einer nicht idealen Kaderplanung, dass er mit seiner Arbeit erst in der Winterpause richtig loslegen könne. Doch Eichin ist bei Sechzig längst Geschichte. Auch Runjaic musste sich Vorwürfe gefallen lassen. Etwa, dass er zu lange an schwächelnden Spielern festhielt (Matmour, Daniel Adlung, Milos Degenek) und dafür andere nicht brachte, die Leistungsträger wurden (Andrade, Levent Aycicek.

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Der zwischenzeitliche Tiefpunkt war das unrühmliche Verhalten von Investor und Verein in der Krise, was deutschlandweit für Irritationen sorgte. Ismaik ging auf einer legendären Pressekonferenz und auf Facebook auf Eichin, nicht näher benannte Personen aus dem Vereinsumfeld und die Medien los, die der Klub schließlich zuerst boykottierte und dann per Hausverbot ausschloss.

Bleibt der Ausblick auf hoffentlich bessere Zeiten. Das 1:1 gegen Heidenheim war ein Anfang, am Montag wird ein neuer Cheftrainer folgen. Er wird aller Voraussicht nach Vitor Pereira heißen, „man muss nur schauen, wer die letzten zwei Wochen auf der Tribüne saß“, erklärte Löwen-Boss Peter Cassalette auf Nachfrage der AZ. Ismaik schrieb, dass der neue Trainer genau die Persönlichkeit sei, „die ein lebendiger und großer Verein benötigt“. Damit wäre eine Personalie geklärt. Weitere folgen. Nach der Eichin-Demission ist der Posten des Sportchefs vakant, das Gerücht um Ian Ayre vom FC Liverpool hält sich. Wie groß der personelle Umbruch in der Mannschaft im Winter aussieht, wird vom Gusto des Investors abhängen. Eins dürfte sicher sein: Es bleibt turbulent beim Löwen.

 

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