Laut, geruchsintensiv und nie langweilig: Die Gleichmannstraße in Pasing ist kurz – aber dort ist immer was los.

München - Vor allem Jugendliche laufen durch das Zentrum von Pasing, denn dort und beim nahen Pasinger Bahnhof gibt es die meisten Läden. Laut ist es da, Busse und Trams rumpeln durch die enge Gleichmannstraße, durch die offenen Türen der Läden und Cafés rauschen geschäftige Geräusche nach draußen.

Es riecht nach Essen, nach Kaffee und nach feuchter Pflanzenerde – wie ein Stadtzentrum eben so riecht, und der nahe Pasinger Marienplatz ist ja im Grunde eines: Bis zur Eingemeindung im Jahr 1938 war Pasing eine eigene Stadt – die fünftgrößte Oberbayerns.

Vom Marienplatz ist man in drei Minuten am Bahnhof – und geht dabei meistens durch die Gleichmannstraße. Der Weg wird nie langweilig: Es gibt genug zu sehen – von Ärzten über Friseure zu einem Reformhaus und Lebensmittelgeschäften.

Was die Leute eint: Die meisten ärgern sich über die fehlenden Parkplätze, seit in der Straße Halteverbot gilt. Sie hoffen auf das Hotel, das am Marienplatz gebaut wird: Es soll eine Tiefgarage haben.


Marienplatz: Endlich mal sitzen

Es ist nicht leicht, im Zentrum von Pasing zur Ruhe zu kommen: Es gibt es wenige Möglichkeiten, sich einfach mal hinzusetzen. Eine davon ist jedoch der Marienplatz am nördlichen Ende der Gleichmannstraße: Dort gibt es Bänke – mit Blick auf die Mariensäule.

Am 31. Oktober 1880 wurde die erste Pasinger Mariensäule eingeweiht, bestehend aus einer schlanken, gusseisernen Säule und der noch heute verwendeten Madonnenstatue. Sie wurde 1908 wieder abgebaut, da die neue Trambahnlinie 19 (zeitweise auch 29) hier ihren Endpunkt hatte und der Platz für Rangiergleise und eine Wendeschleife benötigt wurde. 1980 wurde der Platz erneut umgestaltet und eine Verkehrsinsel angelegt, in deren Mitte die heutige Mariensäule steht.

Gleichmannstraße 12: Verlagerung zum Bahnhof

Früher gab es vor dem Elektrogeschäft Meilhaus eine Bushaltestelle. "Das war gut für die Kunden, weil sie direkt hier aussteigen konnten, aber auch für ältere Menschen, die zum Arzt mussten", sagt der Angestellte Herr Schroedder.

Seit dem Umbau 2014 ist die Gleichmannstraße sehr ruhig geworden, erzählt er, weil die Menschen keine Parkmöglichkeiten mehr haben. "Im Endeffekt ist alles zum Bahnhof hin gelagert worden", sagt Schroedder, der in dem Geschäft Unterhaltungselektronik, Telefontechnik, Videoüberwachung und Messtechnik verkauft.

Gleichmannstraße 5a: "Die Straße bleibt das Zentrum von Pasing"

Ferdinand Dashi arbeitet seit drei Jahren beim Pfister in der Gleichmannstraße, seit sechs Jahren wohnt er im Viertel. "Früher war die Straße voller Parkplätze und es fuhren keine Busse oder Trams", sagt Dashi. "Jetzt haben die Kunden ein großes Problem, weil sie hier nicht mehr parken können. Wenn man hier einkaufen will, muss man weit entfernt parken und dann zu Fuß herkommen. Bis die Leute einen Parkplatz gefunden haben, haben die meisten keine Lust mehr."

Trotzdem sei die Gleichmannstraße eine schöne Straße, sagt er. "Hier findet man fast alles, was man braucht – und sehr viele Friseure. Die Gleichmannstraße war schon immer und ist auch noch das Zentrum von Pasing."

Gleichmannstraße 9: Briefmarken zwischen zwei Internet-Shops

Sehr klein ist der Laden von Rosa Gschnell von außen betrachtet: Der Sammlerservice für Münzen und Briefmarken, Gold und Telefonkarten steckt zwischen zwei Shops für Internet und Telefonie. Im Inneren wirkt er viel größer. Die stillen, warmen Räumlichkeiten gehen in die Tiefe, überall stehen volle Regale.

Auch Gschnell erzählt von den Problemen durch fehlende Parkplätze: "Die Kunden werden weniger, weil sie wegen des Halteverbots nicht mehr hier parken können." Dass in der Straße viel geklaut wird, wie der Mitarbeiter des Fotostudios sagt, ist ihr aber nicht aufgefallen. "Unser kleiner Laden lässt sich gut überwachen", sagt sie.

Pasinger Bahnhofsplatz 2: Der intensive Duft der Gleichmannstraße

Wer den Delice Feinkostladen betritt riecht intensive Gewürze, die sich mit dem Duft von Kaffee mischen. Doch Verkäuferin Logerer stört, dass viele Menschen nur an dem Geschäft vorbeihasten. "Die Gleichmannstraße ist eine Durchgangsstraße. Es gibt zwar ein paar Bänke, doch die sind nicht attraktiv, weil Grün fehlt, wo sich die Menschen gerne aufhalten. Außerdem ist alles zugeparkt mit Fahrrädern."

Die Verkäuferin würde sich wünschen, dass die Stadt die Gleichmannstraße attraktiver gestaltet, damit die Menschen sich gerne die Zeit nehmen, in die Schaufenster zu schauen, um dann in Geschäfte zu gehen. Und dann riechen sie die Gewürze.


AZ-Serie "Von der Straße"

Die Humboldtstraße: Der erste Teil der Serie

Die Schützenstraße: Der zweite Teil der Serie

Die Dachauer Straße: Der dritte Teil der Serie

Die Ubostraße: Der vierte Teil der Serie

Die Georgenstraße: Der fünfte Teil der Serie

Die Wendel-Dietrich-Straße: Der sechste Teil der Serie

Die Balanstraße: Der siebte Teil der Serie

Der Pfanzelt-Platz: Der achte Teil der Serie

Die Plinganserstraße: Der neunte Teil der Serie

Die Landwehrstraße: Der zehnte Teil der Serie

Die Fürstenrieder Straße: Der elfte Teil der Serie

Die Feldmochinger Straße: Der zwölfte Teil der Serie

Die Preysingstraße: Der dreizehnte Teil der Serie

Die Guardinistraße: Der vierzehnte Teil der Serie

Die Feilitzschstraße: Der fünfzehnte Teil der Serie