AZ-Serie: Turbo-Meister FC Bayern: Erster Titel ohne Hoeneß - Für Uli!

Pep Guardiola (kl. Foto, l.) widmet seinen ersten Titel Ex-Präsident Uli Hoeneß. Foto: dpa/firo

Zum ersten Mal seit über 40 Jahren feiert Bayern einen Titel ohne Hoeneß. Trainer Guardiola denkt an den Ex-Präsidenten: „Die Meisterschaft ist für Uli, die wichtigste Person im Verein“.

München - Apollo 11 war damals in aller Munde. Am 21. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Ein weltweites Fernsehereignis. US-Präsident Richard Nixon gratulierte. Im Oktober jenes Jahres wurde Willy Brandt Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Das waren noch Zeiten. Und 1969 genau das Jahr, als Uli Hoeneß, der Mr. FC Bayern, das letzte Mal bei einer Titelfeier der Seinen fehlte. Bis Dienstagabend in Berlin.

 

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1970 war der junge Blonde aus Ulm zum FC Bayern gekommen. 44 Jahre Säbener: Spieler, Manager, Präsident, Ex-Präsident. Mittlerweile zur Haftstrafe verurteilt. Diesmal fehlte er. Die 24. Meisterschaft des FC Bayern, für Hoeneß Meisterschale Nummer 22 (!), wurde für den 62-Jährigen erstmals zum Fernsehereignis. Daheim am Tegernsee.

Und so grüßten ihn Trainer, Sportdirektor und Spieler via TV. Immer wieder fiel der Name Hoeneß – oder nur kurz: Uli, wie Pep Guardiola ihn nennt. „Die Meisterschaft ist für Uli, die wichtigste Person im Verein“, sagte der Bayern-Trainer. Sportvorstand Matthias Sammer stellte klar: „Er ist auch deutscher Meister, keine Frage.“ Hoeneß ante portas – nicht anwesend, aber irgendwie ständig präsent. Dennoch: Ein Meister a. D.

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„Selbstverständlich denken wir an ihn. Er war lange Zeit fester Bestandteil“, sagte Sammer und antwortete auf die Frage, ob die Feier ohne Uli getrübt sei: „Ich glaube nicht. Es war am Anfang bedrückend, aber nun arbeitet man an der Zukunft. Er für sich, wir für uns, und die Zeit wird zeigen, wie es weiter geht.“

Guardiola fehlt seit zwei Wochen die wichtigste Bezugsperson im Verein. Mit Hoeneß hatte er sich vor oder nach den Spielen gerne zusammengesetzt. Auf Englisch, manchmal auf Deutsch, diskutierte man intensiv – nicht nur über Fußball. Nach Champions-League-Spielen und bei besonderen Gelegenheiten gab’s ein gutes Glas Rotwein dazu. Berlin wäre so eine gewesen. Uli Hoeneß gratulierte nur per Telefon.

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Rückblick: Es war Hoeneß, der den Vertrag für Pep Guardiola im Dezember 2012 mit nach New York genommen hatte und in einer wahren Geheimdienst-Operation den Spanier traf. „Guardiola schickte mir ins Hotel Four Seasons an der 5th Avenue eine schwarze Limousine mit Vorhängen. Durch die Tiefgarage sind sein Bruder und ich dann hoch zu ihm.“ In dessen Jahres-Apartment, 320 Central Park West. Guardiolas Frau Cristina kochte, Pep zeigte auf seinem Laptop (Hoeneß: „Das ist ja etwas, was ich sonst nicht so mag“), wie er sich den FC Bayern der Zukunft vorstellte. „Er wusste alles, einfach alles“, sagte Hoeneß später, „ich hatte nach einer Minute das Gefühl, dass er der Richtige für uns ist.“

Die Verbindung Hoeneß-Guardiola ist eine herzliche, die Vertrauensbasis war schnell hergestellt. „Ich habe gelernt, dass Uli Hoeneß die wichtigste Person beim FC Bayern ist“, sagte Pep nach seiner Ankunft im Juni 2013. Für den Spanier verkörpert der Ex-Präsident die emotionale Seite des Vereins, als Ansprechpartner in allen Lebenslagen. Wenn auch die kulinarischen Vorlieben um Welten auseinander liegen und Guardiola eher höflichkeitshalber sagte: „Ich mag besonders die Würstl von Uli Hoeneß, die sind sensationell.“

Guardiola versprach: „When we have ein Titel, I will smoke a cigar.“ Ob Hoeneß im Mai noch mitpaffen darf? Unwahrscheinlich. Die Haftstrafe muss er kurz nach Ostern antreten.

 

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