AZ-Serie: Ihr Viertel 2040 Schwabing ist jung, urban, akademisch und wird's auch bleiben

Schwabing-West aus dem Norden gesehen: Im Vordergrund das Neubauviertel am Ackermannbogen, der an den Olympiapark grenzt. Links im Bild die gelbe Josephskirche, sie liegt schon in der benachbarten Maxvorstadt. Ganz hinten zu sehen: die Türme der Frauenkirche. Foto: Sigi Müller

Urban und akademisch; Viel Platz ist nicht mehr im 4. Stadtbezirk, dem dichtesten Münchens. Bis 2040 kommen noch 2.500 Einwohner dazu, vor allem junge gut ausgebildete Erwachsene.

 

Schwabing - Wer sich hier mal niedergelassen, geht so gerne nicht wieder weg. Zurecht – denn Schwabing-West, dieses sehr hübsche und urbane Fleckerl München, das nördlich ans Univiertel Maxvorstadt angrenzt, gehört zu den privilegiertesten Vierteln der Stadt.

Zwar lebt man hier so dicht zusammen wie in keinem anderen Viertel (157 Einwohner pro Hektar; in Sendling sind es 104, in Pasing nur 45). Aber die meisten Straßen rund um den Elisabeth-, Kurfürsten- und Hohenzollernplatz sind von prächtigen Altbauten mit lichten, hohen Wohnungen gesäumt, es gibt coole Mode- und Schuhläden, viele Cafés, Ärzte, Psychologen, Apotheken, Kinos, Schulen und keinen allzugroßen Mangel an Kitaplätzen.

Schwabing ist jung, urban und akademisch

Und seit es das Anwohnerparken gibt, müssen die Bewohner auch kaum noch um die Häuser kurven auf der Suche nach einem Stellplatz. Obwohl jeder Dritte hier einen Pkw hat. Zusätzlich zum Radl.

Anders als nebenan im "Arbeiterviertel" Milbertshofen-Am Hart (wo 40 Prozent Ausländer leben), hat in Schwabing-West gerade mal jeder Fünfte ausländische Wurzeln (das ist der niedrigste Prozentsatz der ganzen Stadt). Und die größte Altersgruppe ist jung, nämlich 25 bis 40 Jahre alt. Warum das so ist, erklärt der örtliche Bezirksausschuss-Chef und ehemalige Deutsch-Geschichte-Lehrer Walter Klein (SPD), der seit 35 Jahren im Viertel wohnt, so: "Viele Leute, die als Studenten hier gewohnt haben, haben hier ihre Identität gefunden. Sie sind deshalb auch als Akademiker in ihren Wohnungen geblieben, haben hier Familien gegründet und sind noch immer da."

Kaum Konflikte in Schwabing

Das bringe mit sich, dass man sich kenne in der Nachbarschaft, und vor allem: dass für viele dieser Schwabinger wegen der alten Mietverträge die Mieten noch bezahlbar seien: "Den Leuten geht es überwiegend gut, und sie gehen überwiegend gut miteinander um. Wir haben kaum Konflikte."

Viel verändern an der Sozialstruktur wird sich nicht in den nächsten 20 Jahren, wenn man dem städtischen Demografiebericht glaubt. Der erwartet, dass bis 2040 zu den 70.500 Einwohnern nur 2.500 dazukommen (vor allem junge gut ausgebildete Erwachsene). Viel Platz für neue Wohnungen ist ja auch nicht mehr. Seit der Ackermannbogen mit Neubauten nahezu fertig ist, bleibt nur noch das "Kreativquartier", wo 200 Wohnungen hinkommen sollen (gebaggert wird schon). Am Elisabethmarkt, der umgebaut wird, entstehen noch 120 Wohnungen. "Eventuell kommen Flächen am Scheidplatz dazu", sagt Walter Klein, "ansonsten kann man nur noch ein bisschen aufstocken hier und da."

In Schwabing wird sich nicht viel ändern

Sowohl die Zahl der Hochbetagten als auch die der Kinder und Jugendlichen liegt in Schwabing-West unterm München-Schnitt. Für 2040 rechnen die Demografen damit, dass das so bleibt, die Zahl der Menschen über 85 soll sogar sinken.

Was also gilt es im Blick zu haben im Viertel für die nächsten fünf, zehn, 20 Jahre? Sicher, es gibt schöne grüne Fleckerl wie den Luitpoldpark und das Grün am Ackermannbogen. "Aber uns fehlen Bäume, etwa im Dreieck Georgen-/Loth-/Winzererstraße und an der Georgenstraße", sagt Klein. Keine einfache Planung, wenn nicht Parkplätze wegfallen sollen. Neuerdings seien ihm auch viele Mütter mit Kinderwagen aufgefallen, "ich denke, dass wir langfristig noch Kitas brauchen werden."

Langfristig wird Schwabing Kitas brauchen

Und dann ist da natürlich diese Radlwege-Frage. "Die Kurfürsten- und Nordendstraße ist für Radler zu eng, zwischen Tram und parkenden Autos herumzufahren, ist wirklich gefährlich", sagt Walter Klein.

Und dass sich im Viertel vielleicht bald die Frage auftun wird, ob man auf der Flaniermeile Hohenzollernstraße nicht – ähnlich wie jetzt an der Fraunhofer – breite rote Radstreifen statt Parkplätzen bauen soll. "Ich denke aber, dass da die Ladeninhaber revoltieren würden", sagt der BA-Chef. Denen gehe es wegen der Onlinebestellerei "auch gar nicht nicht mehr so gut". Es dürfte einige Debatten dazu geben.

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