AZ-Redakteur erinnert sich Bastian Schweinsteiger: Wie aus dem Lausbua ein Herr wurde

2013 Champions-League-Sieger, acht Mal Deutscher Meister und 2014 Weltmeister: Bastian Schweinsteiger. Foto: dpa

Der AZ-Reporter Patrick Strasser begleitete Schweinsteiger die gesamte Bayern-Karriere und in der Nationalelf. Hier erinnert er sich an Späße und Frotzeleien, wie aus dem Lausbua ein Herr wurde.

Die Geschichte des Bastian Schweinsteiger ist eine vom Hinfallen und Aufstehen, von Tränen und Triumphen, von Pfostenschüssen und Siegerschrammen. Vom jungen Schweini, aus dem Herr Schweinsteiger wurde. Von einem Lausbuben, der vom Chefchen zum Chef aufstieg.

Entwicklung der Karriere von Bastian Schweinsteiger

Am Dienstag verabschiedet sich der Fußballer Schweinsteiger von seinen Fans in der Allianz Arena. Er hört noch nicht ganz auf, spielt mit seinem aktuellen Klub Chicago Fire in der US-Liga MLS, mit Vertrag bis Saisonende und mit mäßigem Erfolg. Nach acht (!) Niederlagen in Folge holte Chicago zuletzt gegen Columbus Crew ein 1:1. Doch was ist das schon? Bei dieser Karriere!

Wie sehr der Mensch Basti in München geliebt wird, erfährt er dieser Tage. Ovationen am Sonntag beim öffentlichen Training an "seiner" Säbener Straße, am Montag die Aufnahme in die "Hall of Fame" des Rekordmeisters in "seiner" Allianz Arena – neben Klublegenden wie Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Den Bayerischen Verdienstorden gab’s in der Staatskanzlei obendrauf. Ein ausgezeichneter Kicker, der "Fußballgott", wie ihn die Bayern-Fans rufen.

Kindheit: Skifahren mit Felix Neureuther

Schweinsteiger, geboren im oberbayerischen Kolbermoor, stammt aus einer Fußballer- und Skifahrerfamilie. Mit 14 Jahren rast er mit Jugendspezi Felix Neureuther die Pisten herunter, erst dann geht die Tendenz zum Fußball. 1998 holt ihn der FC Bayern vom TSV 1860 Rosenheim nach München, Bastian zieht ins Jugendinternat. Ungeschliffen, furchtlos, ein schlampiges Talent mit "Flausen im Kopf", so der damalige Amateure-Coach Hermann Gerland, der ihn mit Süßigkeiten motivierte. "Also bin ich gerannt und gerannt."

"Schweini": Disconächte, Raserei, Whirlpool mit Cousine

Als es Schweinsteiger dank Trainer Ottmar Hitzfeld 2002 in den Profi-Kader schafft, ist es vor allem der damalige Manager Uli Hoeneß, der ihm "den Puder aus dem Hintern blasen" muss. "Der Schweini" ist mal zu lange in der Disko, fährt auch mal zu schnell, zeigt seiner Cousine nächtens den Whirlpool des Kabinentrakts.

Stähnchen im Haar und gefärbte Fingernägel

In dieser Zeit lernte ich Bastian als Bayern-Reporter der Abendzeitung kennen. Ein aufgeschlossener, offener, witziger Typ. Er suchte Rat, auch mal in einem persönlichen Telefonat, frotzelte einen in SMS, verstand auch einen Konter – gerade, wenn es um Strähnchen in den Haaren (er), zu lange Koteletten (ich), gefärbte Fingernägel (er) und schlechtes Einparken (ich) ging. Gemeinsame Spätjugendsünden verbinden.

Schweinsteiger: Idol seit WM 2006

Die Sommermärchen-WM 2006 macht ihn zum Idol, die ihm zu Unrecht zugeschriebene Verwicklung in eine Wettaffäre wenige Monate zuvor lässt ihn gegenüber den Medien skeptischer und dünnhäutiger werden. Seine Trainer prägen ihn. Felix Magath stählt ab 2004 seine Oberaudorfer Waden. Louis van Gaal erfindet ihn 2010 neu, zieht ihn von der Außenbahn ab, befördert ihn zum Spielmacher. Auch in der Nationalelf wird er neben Kapitän Philipp Lahm zum Mittelfeld-Motor und "Emotional Leader" (Bundestrainer Löw).

Schweinsteiger will nicht "Schweini" genannt werden

"Schweini" war einmal, er mag den Kosenamen nicht mehr, besteht in Interviews auf "Schweinsteiger". Unter Jupp Heynckes gewinnt er 2013 die Champions League, als Reaktion auf das "Finale dahoam", für Schweinsteiger ein "Drama dahoam", weil er im Elfmeterschießen einen Ball an den Pfosten setzt. 2014 die Krönung in Rio. Weltmeister. Mit Blut, Schweiß und Freudentränen. Der Höhepunkt seiner Karriere, aber auch seines Raubbau-Fußballs am eigenen Kapital, seinem Körper.

2015 verlässt Schweinsteiger den FC Bayern

Im Juli 2015 der Abschied von Bayern, Förderer van Gaal lockt ihn zu Manchester United. Ein Jahr später sortiert ihn José Mourinho aus: Einzeltraining abseits der ersten Mannschaft, die Spiele verfolgt er auf Bank oder Tribüne. "Einfach nutzlos zuzuschauen, das tat weh." Mit seiner Frau, Ana Ivanovic, der ehemaligen Weltklasse-Tennisspielerin, zieht er im März 2017 nach Chicago, das letzte Karrierekapitel. "Ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden."

Mittlerweile vor allem als Papa für Sohn Luka, der im März geboren wurde. Für Schweini junior. Der Senior sagt heute den Bayern-Fans "Servus!" Er will "ein Beispiel sein für kleine Kinder und Jugendliche, die Fußball spielen", das ist für ihn "das Allerwichtigste".

Im Video: Bastian Schweinsteiger erhält den Bayerischen Verdienstorden

 

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