Mindestens 265 Tote, 3.000 Festnahmen Newsblog zum Nachlesen: Der Putsch-Versuch in der Türkei

, aktualisiert am 16.07.2016 - 19:48 Uhr
In der Nacht gab es in der Türkei einen Militärputsch. Verfolgen Sie hier die aktuellen Entwicklungen. Foto: dpa

In der Nacht hat das türkische Militär versucht mit einem Putsch Staatspräsident Erdogan abzusetzen. Mindestens 265 Menschen sterben. Verfolgen Sie hier die weiteren Entwicklungen im AZ-Newsblog.

 

Ankara/Istanbul - Am Freitagabend versuchte das türkische Militär die Macht an sich zu reißen und Staatspräsident Recep Erdogan zu stürzen. Dabei starben mindestens 265 Menschen

Bei dem Putschversuch in der Türkei sind Medienberichten zufolge mindestens 265 Menschen ums Leben gekommen. Es gab zudem fast 3.000 Festnahmen. Die Regierung bezeichnete den Versuch von Teilen des Militärs, die Macht zu übernehmen, als gescheitert. In der Nähe des Präsidentenpalastes in Ankara gebe es aber noch Probleme, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstagmorgen am Atatürk-Flughafen in Istanbul. Inzwischen hat Ministerpräsident Yildirim bekanntgegeben, dass die Regierung die Lage wieder vollständig unter Kontrolle habe.

In der Nähe des Palastes sollen Kampfjets Bomben abgeworfen haben. Ministerpräsident Binali Yildirim rief das Parlament für Samstag zu einer Sondersitzung zusammen. "Die Situation ist weitgehend unter Kontrolle", sagte er. Über 2800 Militärangehörige wurden nach Angaben des Ministerpräsidenten festgenommen. Der Fernsehsender NTV berichtete über die Absetzung von fünf Generälen und 29 weiteren hohen Militärs.

Alle aktuellen Entwicklungen nach dem Putschversuch des türkischen Militärs lesen Sie hier im Newsblog:

+++ Lufthansa fliegt ab Sonntag wieder in die Türkei +++

Die Lufthansa hat für Sonntag die Wiederaufnahme des regulären Flugverkehrs in die Türkei angekündigt. Man werde weitgehend zum normalen Flugplan zurückkehren, teile die Fluggesellschaft am Samstagabend mit. Die Ziele Ankara, Izmir und Bodrum von München aus würden bedient. Gestrichen würden nur der erste Ankara-Flug aus München sowie der erste Flug von Istanbul nach Deutschland.

Damit bedanken wir uns für's Lesen und verabschieden uns aus dem News-Blog.

+++ Obama ruft zu "gesetzmäßigem Handeln" auf +++

US-Präsident Barack Obama hat alle Parteien in der Türkei zu "gesetzmäßigem Handeln" aufgerufen. Aktionen, die zu weiterer Gewalt oder Instabilität führen würden, müssten vermieden werden, betonte er nach Angaben des Weißen Hauses am Samstag in einer Telekonferenz mit seinem Sicherheitsteam und außenpolitischen Beratern. Der Präsident habe bei dieser Gelegenheit seine "unerschütterliche Unterstützung für die demokratisch gewählte zivile türkische Regierung" geäußert, berichtete das Weiße Haus.

+++ Verfassungsrichter in Istanbul festgenommen +++

Nach dem Putschversuch in der Türkei soll nach einem Medienbericht ein Richter des Verfassungsgerichts in Ankara festgenommen worden sein. Alparslan Altan befinde sich in Gewahrsam, meldete der Sender CNN Türk, ohne weitere Details zu nennen.

+++ US-Konsulat: Türkische Behörden riegeln Zugang nach Incirlik ab +++

Nach dem Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs haben die türkischen Behörden nach offiziellen US-Angaben den Zugang zur Luftwaffenbasis Incirlik abgeriegelt. Die lokalen Behörden erlaubten keinen Zugang zur Basis, teilte das US-Konsulat am Samstag in der südtürkischen Stadt Adana in einer Nachricht an amerikanische Staatsbürger mit. "Auch der Strom dort ist abgestellt worden. Bitte meiden Sie die Luftwaffenbasis, bis der normale Operationsbetrieb wiederhergestellt ist." Auf der Luftwaffenbasis Incirlik ist auch die Bundeswehr mit Aufklärungs-Tornadojets stationiert.

+++ Lufthansa streicht weitere Flüge +++

Nach dem Putschversuch in der Türkei hat die Lufthansa am Samstag aus Sicherheitsgründen alle Istanbul-Flüge von und nach Frankfurt gestrichen. Außerdem wurden alle Türkei-Flüge von und nach München abgesagt. An den für den Nachmittag geplanten Verbindungen zwischen Frankfurt und Antalya sowie Frankfurt und Bodrum hielt die Fluggesellschaft dagegen nach eigenen Angaben fest. Zu Türkei-Flügen am Sonntag war zunächst keine Auskunft zu erhalten.

+++ Merkel verurteilt Putschversuch "aus Schärfste" +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Putschversuch in der Türkei "aufs Schärfste" verurteilt. "Es ist tragisch, dass so viele Menschen diesen Putschversuch mit dem Leben bezahlt haben. Das Blutvergießen in der Türkei muss jetzt ein Ende haben", sagte Merkel am Samstag in Berlin. "Es ist und bleibt das Recht des Volkes, in freien Wahlen zu bestimmen, wer es regiert. (...) Panzer auf den Straßen und Luftangriffe gegen die eigene Bevölkerung sind Unrecht", erklärte sie weiter.

+++ Geflüchtete Putschisten stürzen Griechenland in diplomatisches Dilemma +++

Die acht türkischen Soldaten, die mit einem Militärhubschrauber nach Griechenland geflüchtet sind und dort politisches Asyl beantragt haben, stellen Athen vor ein diplomatisches Dilemma.

Ihre Anträge müssten nach den Regeln des internationalen Rechts bearbeitet werden, sagte die griechische Regierungssprecherin Olga Gerovasili am Samstag dem staatlichen Fernsehsender ERT. Andererseits hätten die Männer, die offenbar am Putschversuch beteiligt waren, gegen die türkische Verfassung verstoßen.

In einem ersten Schritt solle der Hubschrauber, mit dem die Soldaten Samstagmittag in der nordgriechischen Stadt Alexandroupolis notgelandet waren, in die Türkei zurücktransportiert werden, so Gerovasili weiter. Was die Insassen beträfe, würden alle diplomatischen Wege genutzt, um sich mit der Türkei auszutauschen.

+++ Zehn Mitglieder am Hohen Gericht festgenommen +++

Nach dem Putschversuch in der Türkei sind zehn Mitglieder des türkischen Staatsrats in der Hauptstadt Ankara festgenommen worden. Ihnen werde Unterstützung des Putsches vorgeworfen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Samstag. Ob es sich bei den Festgenommenen um Richter oder Staatsanwälte handelte, war zunächst unklar.

+++ Auswärtiges Amt mahnt weiter zur Vorsicht +++

Das Auswärtige Amt rät Deutschen in Ankara und Istanbul trotz Beruhigung der Lage weiter zu "äußerster Vorsicht". Dies gelte nach dem Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan "bis zur vollständigen Klärung der Lage", teilte das Amt am Samstag in Berlin mit. Vorsichtig sollten Reisende vor allem auf öffentlichen Plätzen und in Menschenansammlungen sein. Im Zweifelsfall werde geraten, in sichere Wohnungen und Hotels zurückzukehren. Aus anderen Teilen des Landes, insbesondere von der Mittelmeerküste, würden keine besonderen Ereignisse gemeldet.

+++ Grünen-Politiker Özdemir: Kein Platz für Erdogan in der EU +++

Der Parteichef der Grünen sieht aktuell wenig Chancen auf eine EU-Mitgliedschaft der Türkei. Eine demokratisch ausgerichtete Türkei habe einen sicheren Platz in der EU, aber unter diesem Erdogan werde es nichts mit der EU-Mitgliedschaft, so der Politiker.

+++ Über 2700 Richter werden suspendiert +++

Nach dem Putschversuch in der Türkei sind laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu 2745 Richter abgesetzt worden. Zudem seien fünf Mitglieder des Hohen Rats der Richter und Staatsanwälte in Ankara vom Dienst entbunden, meldete Anadolu am Samstag. Gegen sie liefen Ermittlungen, hieß es zur Begründung.

+++ Erdogan über Putsch: "Segen Gottes" +++

Auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen hat sich der Staatspräsident über den Putschversuch geäußert: "Im Sinne von "alles hat auch etwas Gutes" ist dieser Aufstand, diese Bewegung letztendlich ein Segen Gottes. Warum ein Segen Gottes? Diese Bewegung ist eine, die als Anlass dazu dienen wird, dass unsere Streitkräfte, die vollkommen rein sein müssen, gesäubert werden."

+++ Türkei fordert von Athen Auslieferung türkischer Soldaten +++

Türkische Soldaten haben sich mit einem Hubschrauber nach Griechenland abgesetzt und dort politisches Asyl beantragt. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu forderte umgehend die Auslieferung der Soldaten, die offenbar am Putschversuch beteiligt waren. "Wir haben die Auslieferung der acht verräterischen per Hubschrauber nach Griechenland geflüchteten Soldanten verlangt", schrieb er auf Twitter.

+++ Einsatz gegen Putschisten weitestgehend abgeschlossen +++

Der Einsatz gegen die Putschisten in der Türkei ist Regierungskreisen zufolge weitgehend abgeschlossen. Vereinzelte Operationen würden aber noch einige Stunden andauern, sagte der Chef des Geheimdienstes MIT, Hakan Fidan, nach Angaben aus den Regierungskreisen.

+++ Condor fliegt planmäßig in Urlaubsregionen +++

Die Ferienairline Condor fliegt nach dem Putschversuch in der Türkei planmäßig Ziele in Urlaubsregionen des Landes wie Antalya, Izmir oder Dalaman an. Die ersten Flüge der zum Reisekonzern Thomas Cook gehörenden Airline seien am Samstagmorgen gestartet, sagte ein Thomas-Cook-Sprecher. 

Etwa drei Viertel der gebuchten Passagiere hätten die Reise angetreten. Alle für Samstag geplanten 14 Condor-Flüge sollten stattfinden. "In Antalya ist die Lage völlig ruhig." Bisher hätte es kaum Anfrage von Kunden gegeben, die früher abreisen wollten.

Urlauber, die am Samstag oder Sonntag mit Thomas Cook in das Land am Bosporus reisen wollten, können kostenlos umbuchen oder stornieren. Für Reisen nach Istanbul gilt dies bis Ende des Monats.

+++ Air Berlin fliegt nach Antalya +++

Nach dem Putschversuch in der Türkei hat Air Berlin die Flüge in die Urlaubsregion Antalya wieder aufgenommen. "Wir haben uns dazu entschieden, die Flüge in die Türkei bis auf Weiteres durchzuführen", sagte ein Sprecher am Samstag. Die Airline beobachte die politische Lage und stehe in Kontakt mit den Behörden. Antalya ist das einzige Ziel, das die Air Berlin Group in der Türkei anfliegt.

Flüge dorthin gibt es zum Beispiel von Düsseldorf und Wien aus. Am Freitagabend hatte die Fluggesellschaft einen Flug von Wien nach Antalya gestrichen. Kunden, die derzeit nicht in die Türkei reisen wollten, könnte ihre Flüge bis 20. Juli kostenfrei umbuchen, sagte der Sprecher.

+++ Lage unter Kontrolle +++

Die türkische Regierung habe die Lage wieder vollständig unter Kontrolle, sagte Ministerpräsident Yildirim am Samstagmittag in Ankara.

+++ Zahl der Opfer steigt auf 265 +++

Die Zahl der Toten bei dem Putschversuch in der Türkei ist nach Regierungsangaben auf insgesamt 265 gestiegen. Bei 161 der Toten handelt es sich laut Ministerpräsident Binali Yildirim um regierungstreue Sicherheitskräfte oder Zivilisten. Hinzu kommen 104 getötete Putschisten, wie es am Samstag aus Regierungskreisen in Ankara hieß.

+++ Lage zu 90 Prozent unter Kontrolle +++

Laut dem türkischen EU-Minister Omer Celik ist nach dem Putschversuch die Lage "zu 90 Prozent unter Kontrolle". Dennoch befinden sich weiterhin einige Armeekommandeure als Geiseln bei den Putschisten.

+++ Krisenstab der Bundesregierung tritt zusammen +++

Nach dem Putschversuch in der Türkei hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) für Samstagmorgen den Krisenstab der Bundesregierung in Berlin zusammengerufen. Das verlautete aus dem Auswärtigen Amt. Steinmeier erklärte sich "zutiefst beunruhigt über die jüngsten Entwicklungen in der Türkei" und fügte hinzu: "Alle Versuche, die demokratische Grundordnung der Türkei mit Gewalt zu verändern, verurteile ich auf das Schärfste."

+++ Lufthansa streicht alle Flüge +++

Die deutsche Airline gab bekannt, dass heute alle Flüge von Deutschland in die Türkei gestrichen werden. Auch Rückflüge aus der Türkei nach Deutschland sind gestrichen. Betroffen sind ein Dutzend Verbindungen zu den Zielen Istanbul, Ankara, Bodrum, Izmir und Antalya. Auch die Konzerntochter Eurowings streicht die Verbindungen in die Türkei.

+++ 194 Tote bei Putschversuch +++

Nach Angaben des kommissarischen Militärchefs Ümit Dündar sind bei dem Militärputsch mindestens 194 Menschen ums Leben gekommen. Darunter 47 Zivilisten und 104 Putschisten.

+++ Lage in den Touristenzentren ruhig +++

In den türkischen Ferienzentren war die Lage nach Angaben der Tui ruhig. Der Reiseveranstalter Thomas Cook fordert die Urlauber auf, „vorsichtshalber bis auf weiteres in ihren Hotels zu bleiben“.

+++ Flüge nach Istanbul und Ankara annulliert +++

Am Münchner Flughafen gibt es heute keine Flüge nach Istanbul oder Ankara. Flugreisende mit diesen Zielen werden gebeten sich mit ihrer Airline in Verbindung zu setzen.

+++ 200 Soldaten ergeben sich +++

Im Armeehauptquartier in Ankara sollen sich 200 Soldaten den Sicherheitskräften ergeben haben. Das berichten türkische Medien. Nachdem sie ihre Waffen niedergelegt hatten, ergaben sie sich.

+++ Zahl der Toten erhöht sich auf 90 +++

Medienberichten zufolge sollen bei dem gescheiterten Militärputsch 90 Menschen ums Leben gekommen sein. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet zudem von 1154 Verletzten.

+++ 16 Putschisten getötet +++

Bei einer Operation gegen Umstürzler am Hauptquartier der Gendarmerie in Ankara sind nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen 16 Putschisten getötet worden. Das Hauptquartier der Gendarmerie sei "von Putschisten befreit" worden.

+++ Über 1500 Putschisten festgenommen +++

Nach dem niedergeschlagenen Putschversuch in der Türkei sind Regierungskreisen zufolge inzwischen mehr als 1500 mutmaßliche Umstürzler aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen worden. Die Zahl liege mittlerweile bei 1563, verlautete am Samstagmorgen. Fünf Generäle und 29 Oberste seien ihrer Posten enthoben worden.

+++ Erdogan schickt SMS an türkisches Volk +++

In einer Nachricht hat sich der Staatspräsident an das türkische Volk gewendet und es aufgefordert, auf die Straße zu gehen und auf das Land "aufzupassen".

+++ Auswärtiges Amt rät zur Vorsicht in Istanbul und Ankara +++

Deutsche Staatsbürger, die sich in Istanbul oder Ankara aufhalten, sollen in ihren Häusern oder Hotels bleiben. Öffentliche Plätze sollten so gut es geht gemieden werden. Reisende sollten Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter aufnehmen.

+++ Putschisten geben nicht auf +++

In einer E-Mail erklären die Putschisten, dass sie nicht aufgeben werden und fordern die Bevölkerung auf in ihren Häusern zu bleiben. Die Gruppe nennt sich Bewegung für Frieden in der Heimat. Die Mail hat den Absender des Pressebüros des Generalstabs des Militärs.

+++ Erdogan in Sicherheit +++

Staatspräsident Erdogan befindet sich in Sicherheit. Er kündigte nach dem Putschversuch drastische Säuberungsmaßnahmen im türkischen Militär an. Gleichzeitig gab sich Erdogan siegessicher. "Die Türkei wird nicht vom Militär regiert", sagte er und befahl, von Putschisten gekaperte Kampfjets abzuschießen.

+++ Die Entwicklungen in der Nacht +++

Sowohl in Ankara als auch in Istanbul kreisten Kampfhubschrauber tief über der Stadt. Die berühmte Bosporus-Brücke wurde abgesperrt vom Militär. Viele Soldaten patroullierten durch die Straßen von Ankara und Istanbul. Die Geschehnisse der Nacht zum Nachlesen gibt es hier.

 

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