AZ-Meinung Taumeln, nicht fallen

Frank Müller, AZ-Politikchef, über die entscheidende deutsche Wahlwoche.

 

Es ist die Woche der Wahrheit, und an deren Ende wird Deutschland womöglich anders aussehen: weniger schwarz, weniger gelb, dafür etwas errötet, vor allem aber ergrünt. Zwar taugt Sachsen-Anhalt nicht zur nahtlosen Hochrechnung seiner Wahlergebnisse auf andere Länder oder gar den Bund. Aber trotzdem ist die Botschaft klar: Die Union hat Probleme in der Kernwählergruppe, die FDP ist sogar nur noch durch Mitleid zu retten. Die Grünen boomen. Hätte die SPD mehr Kraft, wären neue rot-grüne Bündnisse im Land reine Formsache.


Doch soweit ist es noch nicht. Das japanische Atomdrama und die libysche Herausforderung haben die Union zwar zum Taumeln gebracht. Aber noch fällt sie nicht – und vor allem: Noch ist nicht erkennbar, dass die SPD der CDU/CSU bei der wichtigen Frage, wer die stabilste Kraft im Lande ist, den Rang abläuft. Beim Thema Atom hat die Gabriel-SPD bislang nur die Antwort, dass sie zurück will zum alten Beschluss von Rot-Grün. Und in der Libyen-Frage agiert sie kaum weniger hilflos als Schwarz-Gelb und das ganze Land.

In dieser Schwäche besteht jetzt Angela Merkels Chance, vielleicht ihre letzte. Werden sich die Menschen in Krisenzeiten um die Kanzlerin scharen, weil sie im Zweifelsfall zur Union immer noch das meiste Vertrauen haben? Wenn dies das Ergebnis der Wahl von Baden-Württemberg wird, hat Angela Merkel es noch einmal geschafft. Wenn nicht, dann wird es richtig eng für sie.

 

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