AZ-Meinung Philipp Guttenberg

Der Vizekanzler macht im Bundestag den Guttenberg, findet Angela Böhm. Die AZ-Korrespondentin im Landtag über Philipp Röslers neue Rolle. 

 

Manchmal können vier kleine Buchstaben Wunder bewirken: Das Wörtchen „nein“ hat schon mal einen Politiker über Nacht zum Superstar gemacht. Auch damals ging’s um eine Insolvenz: um die des Autobauers Opel. Karl-Theodor zu Guttenberg war damals ganz frisch Wirtschaftsminister und hat sich mutig gegen die Kanzlerin gestellt. Er favorisierte eine Opel-Pleite und bot seinen Rücktritt an. Durchgesetzt hat er sich im Bundeskabinett damit nicht, dafür bei den Stammtischen der ganzen Republik, deren Lufthoheit er mit seinem „nein“ eroberte.

Nun ist der Opel-Konzern, der sich wieder derappelt hat, nicht unbedingt mit der Akropolis und Griechenland zu vergleichen, das pleite ist. Bei dem Autobauer ging es um tausende von Arbeitsplätzen – nun aber geht es um ganz Europa, dessen Auseinanderfallen eine massive Finanzkrise auslösen kann. Trotzdem versucht FDP-Chef Philipp Rösler, seit kurzem Wirtschaftsminister, die Taktik des „schwarzen Barons“ nachzuahmen. Er macht den Guttenberg. Erst brachte er eine „geordnete Insolvenz“ ins Gespräch. Jetzt verteidigt er seine Meinung unbeeindruckt wie einst Gutti gegen die übermächtige Kanzlerin.

Nach der Pleite des FDP-Lieblingsthemas Steuersenkung geht es Rösler und seinen Liberalen in dieser Situation vor allem um eins: Griechenlands Untergang soll zum Rettungsschirm für die untergehende FDP werden. Damit wollen die Liberalen endlich wieder an den Stammtischen punkten.

 

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