AZ-Kommentar Schreckschusspistolen in Bayern: Kein Spielzeug

Immer mehr Menschen legen sich eine Schreckschusspistole zu. Das könnte zu Zuständen wie in den USA führen, meint AZ-Redakteur Tobias Wolf. Foto: dpa/AZ

Die Bayern rüsten auf, immer mehr Menschen im Freistaat legen sich eine Schreckschusswaffe zu. AZ-Redakteur Tobias Wolf über den Anstieg und die Folgen.

 

Eines vorweg: Jeder Mensch hat in einer Notsituation das Recht auf Selbstverteidigung, wie CSU-Innenminister Joachim Herrmann richtigerweise betont. Genauso ist es verständlich und nachvollziehbar, dass besonders junge Frauen in der Dunkelheit mit einem mulmigen Gefühl, mitunter sogar mit Angst durch die Straßen gehen. Ein Pfefferspray gibt hier Sicherheit und kann im Ernstfall den Täter bis zum Eintreffen der Polizei außer Gefecht setzen (im schlimmsten Fall aber gegen das Opfer eingesetzt werden).

Keine Zustände wie in den USA

Schreckschusspistolen gehen angesichts der jüngsten Kriminalitätsstatistiken für München und Bayern jedoch zu weit. Eine Schreckschusswaffe ist kein Spielzeug. Immer wieder kommt es auch in Deutschland zu Unfällen mit teils schweren Verletzungen. Aus nächster Nähe abgefeuert, kann sie sogar töten. So geschehen im Dezember vergangenen Jahres in Mecklenburg-Vorpommern, als ein 28-Jähriger im Streit seinen Kontrahenten den Pistolenlauf an die Brust hielt und abdrückte.

Eine Gesellschaft, die mit Waffen überflutet ist, ist ohnehin keineswegs sicherer – im Gegenteil. Ein Blick in die USA genügt. Sollen geschürte Ängste dazu führen, dass auch hierzulande US-amerikanische Verhältnisse Einzug halten? Verhältnisse, die es zulassen, dass ein Kleinkind aus Versehen seine eigene Mutter tötet?

 

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