AZ-Kommentar Die CSU macht mündige Bürger zu passiven Dummköpfen

 Foto: Michael Schleicher / Online

AZ-Nachrichtenchefin Natalie Kettinger über das Nachtreten der CSU. Statt die wirklichen Probleme anzugehen, beißen die Verantwortlichen in nackter Panik um sich.

Man erinnere sich: Im Mai, nach der Großdemonstration gegen das Polizeiaufgabengesetz, verstieg sich Innenminister Joachim Herrmann zu der Behauptung, die "Lügenpropaganda der letzten Wochen" habe "manch unbedarfte Menschen in die Irre geführt".

Gemeint waren die Opposition, die Presse – und Zehntausende friedlich protestierende Menschen. Familien, Schüler, Studenten und Senioren wurden von der CSU wahlweise als deppert oder linksradikal verunglimpft. Auch hier dürfte ein Grund für die von Ministerpräsident Markus Söder ausgemachte "Stimmungsdelle" bei der letzten Umfrage liegen: 38 Prozent, ein Fiasko.

Wie viel die CSU dazugelernt hat? In nackter Panik beißt sie um sich, anstatt die wirklichen Probleme anzugehen. Wohnungsnot, Pflegemisere, Rentenangst – war da nicht was? Generalsekretär Markus Blume spricht lieber von "Hetze", die Bürger zu Extremen treibe. Wieder werden mündige Bürger zu passiven Dummköpfen gemacht, wird aus Kritik eine Kampagne.

Fakt ist jedoch: Ausgelöst haben den aktuellen Protest politische Versäumnisse und menschenverachtende Begriffe wie Asyltourismus, Anti-Abschiebe-Industrie und Shuttles auf dem Mittelmeer. Begriffe, wie man sie bislang von der AfD oder von noch weiter rechtsaußen kannte. Begriffe, die Zehntausenden zuwider sind. Eine Kampagne braucht es dazu nicht, nur Wut und Empathie. Die CSU verwechselt Ursache und Wirkung.

 

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