AZ-Kommentar Alice Weidels Klagen: Wohlfeile Worte

Alice Weidel ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Bundestag. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Alice Weidel beklagt sich in einem Interview über den rüden Umgang mit ihr und ihrer Familie. Das ist wohlfeil und wenig überzeugend, findet AZ-Redakteur Lukas Schauer. Ein Kommentar.

 

Halten wir kurz fest: Die Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag beklagt sich, dass sich ihre Freunde von ihr abgewendet haben und ihr Sohn auf dem Spielplatz geschnitten wurde. Kurz: Sie werde ausgegrenzt, seit sie Karriere in der AfD macht.

Das mag Frau Weidel traurig stimmen und traurig für ihren Sohn sein (der natürlich nichts dafür kann). Doch in diesem Fall ist das Klagen wohlfeil.

Die AfD steht der Integration im Allgemeinen und der anders Glaubender, anders Lebender und anders Aussehender oder Sprechender im Speziellen ja bekanntlich eher kritisch gegenüber. "In der Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Muslimen sieht die AfD eine große Gefahr für unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Werteordnung", heißt es etwa im Grundsatzprogramm der Partei.

Weidels Rhetorik und die ihrer Partei hat Deutschland verändert. Erinnert sei nur an die Aussage "Burkas, Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse" würden unseren Sozialstaat nicht retten. "Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden", schrieb Weidel einst in einer Mail, die sie später nie geschrieben haben wollte.

Wer so etwas sagt, kann und darf sich nicht wundern, dass sich Menschen von einem abwenden. Im Privaten andere Maßstäbe an die Gesellschaft anzulegen als als Politikerin ist vor allem eines: unglaubwürdig.

 

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