AZ-Interview TSV 1860: Benjamin Kindsvater "würde gerne ein Löwe bleiben"

Ein Oberbayer beim TSV 1860: Benjamin Kindsvater. Foto: sampics/Augenklick

Benjamin Kindsvater im Interview über die Rettung, Saison-Fazit und die Kaderplanung für 2019/20.

 

München - AZ-Interview mit Benjamin Kindsvater. Der 26-Jährige spielt seit 2017 für den TSV 1860.

AZ: Herr Kindsvater, wie schwer ist Sascha Mölders? Nach Ihrem 1:0 gegen Köln am Samstag hat er Sie ganz schön unter sich begraben.
BENJAMIN KINDSVATER: Ich glaube, da lagen einige Mitspieler auf mir drauf. In dem Moment merkst du das nicht – auch nicht bei Sascha. (lacht)

Ball am Mittelkreis bekommen, Gegenspieler vernascht und aus 20 Metern getroffen – Trainer Daniel Bierofka dürfte denken: bitte mehr davon.
Wäre mir auch lieber! Bierofka hat mir eingebläut: "Wer nicht schießt, kann auch nicht treffen." Ich hatte in der Saison einige Chancen, wo ich ein Tor machen muss, ich aber vergeben oder im falschen Moment abgespielt habe. In Zukunft werde ich öfter draufholzen.

Nach fünf Pleiten in Folge haben Sie einen Spieltag vor Saisonende den Klassenerhalt geschafft. Wie groß war die Erleichterung?
Sehr groß. Es war typisch Sechzig: Erst können wir sechs Spiele nicht gewinnen und machen es nochmal spannend. Dann müssen wir auch gegen Köln zittern. Gott sei Dank haben wir es geschafft. Stellen Sie sich mal vor, wir verlieren: Dann fährst du jetzt nach Jena und hast ein absolutes Finale. Wir hatten zum Glück keinen Schiss, sondern haben alle zusammengehalten. Der Sieg, diese Stimmung – das war Bombe! Die Feier ist natürlich kleiner ausgefallen als nach dem Aufstieg. Das war einzigartig, da ging es total ab. Jetzt hatten wir nur einen gemütlichen Mannschaftsabend.

Weniger Druck beim TSV 1860: Spiel gegen Carl Zeiss Jena

Sechzig wollte in der ersten Drittliga-Saison der Historie Fuß fassen. Ihr Saison-Fazit?
Es war von vielen die erste Drittligasaison, wir waren frischer Aufsteiger. Da ging es von vorneherein eher um den Klassenerhalt. Klar schielt man nach oben, gerade in der Phase, als wir so viele Punkte hergeschenkt haben. Wir hätten auch Fünfter oder Sechster werden können. Aber wir sind zufrieden.

Wie gehen Sie nun ins letzte Saisonspiel bei Carl Zeiss Jena am Samstag, wo es für Sechzig um nichts mehr geht und bei Jena alles auf dem Spiel steht?
Wir geben trotzdem alles. Jena wird sich reinhauen, wenn du da nicht dagegenhältst, geht das nicht gut aus. Wir können ein bisschen befreiter aufspielen. Vielleicht ist das mal ganz gut. Bei Sechzig München hast du sonst immer Druck. Aber ich weiß noch nicht, ob es bei mir geht – meine O-Beine machen Probleme.

Benjamin Kindsvater: O-Beine und Leistenprobleme

Wie bitte?
Ja, ich habe wieder Leistenprobleme, die kommen von meinen O-Beinen. In den letzten Wochen konnte ich nur mit Schmerztabletten spielen.

Solange es keine dauerhaften Probleme sind…
…nein, nein, das geht schon und ist sicher bald wieder weg. Nur jede Menge blöder Sprüche musste ich mir anhören.

Lassen Sie uns raten: Torjäger Mölders verwertet solche Steilvorlagen besonders gerne.
Das dürfen Sie glauben. "Hey Benni, dich erkennt man schon aus 500 Metern Entfernung – an deinem Gang!" Oder: "Bist du grad vom Pferd gestiegen?" Ich kann da aber schon über mich selber lachen.

Sechzger Kaderplanung: Wer muss gehen?

Ein ernsteres Thema ist die Kaderplanung für 2019/20: Geschäftsführer Günther Gorenzel meinte, kein Löwe sei unverkäuflich. Liegt auch für Sie ein Angebot auf dem Tisch?
Nicht dass ich wüsste. Ich habe ja noch Vertrag bis 2020. Ich habe jedenfalls nichts gehört, weder von Sechzig, noch von meinem Berater. Und ich würde auch gerne ein Löwe bleiben.

Was sagen Sie als Spieler dazu, dass mehrere Kollegen gehen müssen und 1860 in Zukunft Budget und Saisonziel herunterschrauben muss?
Keine Ahnung, wer alles gehen muss. Natürlich tut es weh, wenn Spieler den Verein verlassen müssen. Ich sehe die Jungs öfter als meine Eltern, wir sind auf und neben dem Platz Freunde geworden. Bei Sandro (Abruscia, d. Red.) ist es ja schon fix. Ich kann nur sagen: Von uns Spielern hat jeder den Traum, mal in der Ersten oder Zweiten Bundesliga zu spielen. Dafür ackerst du jeden Tag. Dafür bist du Fußballer geworden.

Hier der Liveticker zum Spiel gegen Carl Zeiss Jena (Samstag, ab 13.30 Uhr)

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