AZ-Interview Sportmediziner Pabst über Sané-Verletzung: "Ein Restrisiko bleibt"

Dr. Helmut Pabst: "Nach der Operation wird es nie wieder ganz so gut wie vor der Verletzung." (Archivbild) Foto: imago/Plusphoto

Sportmediziner Dr. Helmut Pabst spricht über Leroy Sanés Operation und die Prognose: "Die Chance, dass der Spieler sich dort wieder verletzt, ist höher."

 

Der Münchner Sportmediziner und Dopingexperte war Präsident des Bayerischen Sportärzteverbandes und ist dort jetzt Ehrenpräsident.

AZ: Herr Dr. Pabst, bei Bayerns Wunschspieler Leroy Sané von Manchester City wurde eine "schwere Kreuzbandverletzung" diagnostiziert. Was sagen Sie als Sportmediziner und ehemaliger Präsident des Bayerischen Sportärzteverbandes: Sollten die Bayern ihn trotzdem holen?
Dr. Helmut Pabst: Da muss man sehr differenzieren. Wenn es nur ein Anriss ist, dann würde er nicht so lange ausfallen, da muss man auch nicht zwanghaft operieren. Die Operation ist aber schon für nächste Woche angesetzt. Ich sage ja, man müsste nicht. Denn die Stabilität des Knies bekommt man sowieso nicht durch das Band, sondern durch die Muskulatur. Es gibt Methoden, mit denen man das Bindegewebe sehr gut stärken kann. Dann könnte Sané in einigen Wochen wieder spielen.

Und wenn das Kreuzband ganz gerissen ist?
Dann reden wir von sicher sechs Monaten. Früher ging man von einem Jahr aus, aber da hat sich in der Medizin auch viel getan. Man würde sehr schnell mit der Reha und leichten Bewegungen beginnen, denn die Narben müssen sich in Faserrichtung drehen. Nach drei, vier Monaten kann er dann das Knie schon sehr gut belasten, nach sechs Monaten voll. Aber zur Frage, ob ich ihn kaufen würde: Bei einem echten Kreuzbandriss nicht. Die Bayern haben ja mit Kingsley Coman schon einen, der sich sehr leicht verletzt. So eine Verletzung bekommt man nicht so schnell und einfach aus dem Kopf. Da geht es oft gar nicht so sehr um das Knie an sich, sondern um den Kopf. Kann der Spieler die Verletzung ausblenden? Rodler, Eishockeyspieler können das oft, Fußballer sind da öfters etwas anders gestrickt.

Pabst: "Da liegt fast immer eine Vorschädigung vor"

Wird das Knie nach der Operation wieder so gut und belastbar, wie es vorher war?
Nein. Die Natur hat uns mit dem Kreuzband die beste Variante gegeben. Nach der Operation wird es nie wieder ganz so gut wie vor der Verletzung. Man muss klar sagen: Es wird immer ein Restrisiko bleiben. Die Chance, dass der Spieler sich dort wieder verletzt, ist höher. Und noch eines: Ein Kreuzband reißt auch nicht einfach so, das hält schon gewaltige Kräfte aus. Da liegt fast immer eine Vorschädigung vor, eine dauernde Überlastung, die dann zu der Verletzung führt.

Was passiert bei dem Eingriff am vorderen Kreuzband eigentlich genau?
Meist muss man bis zur OP ein bisschen Zeit ins Land gehen lassen. Man operiert nicht gleich nach der Verletzung, da sich zu viel Wundflüssigkeit angesammelt hat, eine Instabilität herrscht. Dass die gerissenen Enden einfach wieder zusammengenäht werden, passiert fast nie mehr. Fast immer wird eine körpereigene Sehne aus dem Oberschenkel entnommen. Dieses wird dann als Kreuzbandersatz verwendet.

 

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