AZ-Interview Schausteller auf der Wiesn: "Eine Arbeit mit Familienanschluss"

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Am 6.Oktober endet das Oktoberfest. Foto: Tobias Hase/dpa

Der Präsident des Schaustellerbundes über die schwierige Mitarbeitersuche, neue Fahrgeschäfte und die Arbeit auf dem Oktoberfest.

 

München AZ-Interview mit Albert Ritter. Er ist Präsident des Schaustellerbundes und jedes Jahr auf der Wiesn.

AZ: Die Zeit der Wiesnbesucherrekorde ist vorbei. Bedauern das die Schausteller?
ALBERT RITTER: Wir wollen, dass sich Familien wohlfühlen. Aktionen wie der Familientag und die Mittagswiesn haben sich bewährt. Wir freuen uns über Kontinuität und nicht über Besucherrekorde.

Schausteller sind auf Mitarbeitersuche

Heuer haben sich gleich sechs Schaustellerfamilien neue Fahrgeschäfte gekauft.
Man muss investieren, um aktuell zu bleiben. Wir sind immer noch kein Gewerbe, das den Banken sicher scheint und müssen Haus und Hof belasten, um Kredite zu bekommen. Diese Fahrgeschäfte werden auch nicht aus dem Nichts gekauft, sonder ältere, meist kleinere Fahrgeschäfte, verkauft.

Was sind die Probleme, mit denen Sie sonst noch kämpfen?
Wir finden kaum Arbeitskräfte. Integrationsprogramme für Langzeitarbeitslose oder Geflüchtete begrüßen wir, denn uns fehlt die komplette Palette. Kraftfahrer und Elektriker sind Berufe, die leicht zu uns wechseln können, da geht’s um Auf- und Abbau, Instandhaltung, aber auch um Kassenkräfte. Das ist eine Arbeit mit Familienanschluss, weil man viel und eng zusammen ist.

Schausteller: Nicht nur Saisonarbeit

Womöglich ist Saisonarbeit für viele nicht attraktiv.
Mittlerweile ist die Saison bis in den Dezember, weil die Schausteller Weihnachtsmärkte machen. Im Winter sitzen wir nicht auf den Bahamas, sondern bereiten unsere Fahrgeschäfte für das Frühjahr vor. In der Tat sind viele unserer Mitarbeiter unbefristet beschäftigt. Ich habe auch 16 feste Mitarbeiter, beschäftige zur Weihnachtsmarktzeit 64 Leute.

Wie nehmen Sie das Oktoberfest von außen wahr?
Es ist beeindruckend, wie groß die Unterstützung ist – vonseiten der Stadt, aber auch das Interesse der Presse! Wenn ich mir vorstelle, der NDR würde 16 Tage lang ein Volksfest in Niedersachsen begleiten und täglich berichten, das wäre ein Traum.

 

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