AZ-Interview mit Nicolas Feldhahn "Beim Derby macht Fußball noch mehr Spaß"

Voll fokussiert im Derby: Bayerns Nicolas Feldhahn (l.). Foto: sampics/Augenklick

Bayerns Feldhahn im AZ-Interview über seine Zeit bei den Löwen und den Reiz des Duells.

 

Der 30-Jährige wurde in München geboren und spielte in der Jugend für den TSV 1860. Am Sonntag trifft er mit dem FC Bayern II im Derby auf die Löwen.

AZ: Herr Feldhahn, als gebürtiger Münchner kennen Sie das Derby ja nicht nur vom Platz, sondern auch als Fan. Wie haben Sie – damals noch das große – Derby als Jugendlicher erlebt?
NICOLAS FELDHAHN: Ich komme vom Dorf, da ist man entweder Bayern-Fan oder Sechziger. Alle liefen im Trikot rum, ich immer in dem von Bayern. Das Derby war halt einfach das Größte, wir haben das ganze Jahr darauf hingefiebert.

Und dann kamen Sie in der Jugend zu Sechzig.
Genau. An ein Derby kann ich mich besonders gut erinnern. Ich war mit der Jugendabteilung im Sechzgerblock. Wir waren zwei oder drei Bayern-Fans in der Mannschaft. Bayern hat ein Tor geschossen, wir konnten uns nicht zurückhalten und haben kurz gejubelt. Da gab es viele böse Blicke.

Jetzt sind Sie ja bei Bayern. Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie mit der Mannschaft einlaufen und wissen: Jetzt ist Derby-Time?
Das Grünwalder Stadion ist voll. Die Stimmung ist gigantisch. Das Besondere ist, dass die Fans nicht wie sonst nur uns anfeuern, sondern auch gegeneinander arbeiten. Das finde ich klasse, solange das alles gewaltfrei und im Rahmen bleibt. Bei so einer Atmosphäre macht das Fußballspielen einfach noch mehr Spaß als sonst.

An den Fans merkt man auch, welche Bedeutung dieses Spiel für die Stadt hat.
Absolut. Meine Kumpels kommen normalerweise nur hin und wieder mal ins Stadion. Aber wenn Derby ist, rufen plötzlich alle an und fragen, ob ich noch Karten habe.

Im Sommer waren Sie mit den Profis im Trainingslager in den USA.
Das war ein unglaubliches Erlebnis. Jetzt mit etwas Abstand wirken die Erlebnisse noch beeindruckender. Ich war mit den besten Spielern der Welt unterwegs, war voll integriert. Ich war in Amerika, hab' gegen Mannschaften wie Inter Mailand und Real Madrid jeweils 90 Minuten gespielt.

Wussten Sie schon zu Beginn der Reise, dass Sie auch tatsächlich Einsatzzeiten im Team von Carlo Ancelotti bekommen würden?
Nein, überhaupt nicht. Natürlich habe ich davon profitiert, dass nicht viele Innenverteidiger dabei waren. Die meisten hatten Urlaub nach der EM. Es war einfach ein Highlight nach dem anderen: Dass ich so viel spielen durfte, das Hotel, der Flieger. Es war einfach atemberaubend.

Danach folgte für Sie noch ein weiteres Highlight: der Supercup gegen Borussia Dortmund an Ihrem 30. Geburtstag. Sie durften sogar den Pokal stemmen.
Ich dachte mir nach den USA: Mehr geht erstmal nicht mehr. Aber dann kam mein 30. Geburtstag. Und da hat einfach alles gepasst. Es war ein Platz im Kader, ich durfte mit, es war nicht irgendein Geburtstag, sondern ein runder, wir gewinnen einen Titel. Und Philipp Lahm hat an mich gedacht – ich durfte den Pokal hochheben.

Der Höhepunkt Ihrer Karriere?
Ja, diesen Moment werde ich nie vergessen. Meine Freunde haben mir danach auf meiner Geburtstagsfeier ein Bild geschenkt, auf dem ich den Pokal halte. Das hängt jetzt in meiner Wohnung. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich es sehe.

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