AZ-Interview mit Hoffenheim-Keeper Oliver Baumann exklusiv: "Mut gegen FC Bayern ist am wichtigsten"

Torwart der TSG Hoffenheim: Oliver Baumann Foto: imago images / Jan Huebner

Die TSG Hoffenheim muss am Samstag beim FC Bayern antreten. Keeper Oliver Baumann erklärt, wie man gegen Lewandowski spielen muss – und warum ein Wiesn-Besuch nicht in Frage kommt.

 

Der Torwart von 1899 Hoffenheim Oliver Baumann gastiert am Samstag (15.30 Uhr/Sky und im AZ-Liveticker) mit seinem Team beim FC Bayern in der Allianz Arena.

AZ: Herr Baumann, wie bereitet man sich als Torhüter auf einen Stürmer wie Robert Lewandowski vor, der aktuell fast nach Belieben trifft?
OLIVER BAUMANN: Puh, ganz schwieriges Thema. Er hat ja leider eine sehr gute Quote gegen mich (sieben Tore in den vergangenen acht Liga-Spielen gegen Hoffenheim, Anm.d.Red.). Du kennst die Jungs natürlich aus einigen Jahren in der Bundesliga, aber Lewandowski ist einfach in allen Bereichen gut. Seine Kollegen spielen ihn perfekt frei – und vor dem Tor ist er dann eiskalt. Er hat die absolute Ruhe im Strafraum. Das unterscheidet ihn von manch anderem Stürmer.

So will Hoffenheim Coutinho und Lewandowski stoppen

Was auffällt, ist zudem seine sehr starke Quote vom Elfmeterpunkt. Warum ist es so schwer, Lewandowskis Strafstöße zu parieren?
Ich habe ja mal einen gehalten! (lacht)

Stimmt. Das war in der vergangenen Saison beim 2:1 der Bayern in München. Der Strafstoß wurde aber wiederholt – und im zweiten Versuch traf Lewandowski dann.
Ja, es ist schon sehr kompliziert gegen ihn, weil er immer genau schaut, was der Torhüter macht. Man muss so lange wie möglich warten. Vielleicht zocken wir ja am Samstag wieder gegeneinander.

Seit Saisonbeginn hat Lewandowski mit Philippe Coutinho einen kongenialen Partner, der ihn mit Vorlagen versorgt. Wie muss man gegen ihn verteidigen?
Du musst ständig an ihm dran sein, ihn nerven, damit er keinen Bock auf Fußball mehr hat. Aber das ist natürlich nicht so einfach. Ich finde es generell für die Liga super, dass so ein Spieler verpflichtet wurde. Ich habe mich richtig gefreut, als ich es gehört habe. In den vergangenen Jahren ist es den Vereinen ja eher selten gelungen, mal Stars aus dem Ausland zu holen. Coutinho ist einer der ganz Großen, man kennt ihn von der Playstation. Für uns ist es leider nicht so optimal, dass er Samstag gegen uns spielt.

"Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen"

Was die Punkteausbeute angeht, läuft es für Hoffenheim noch nicht perfekt in dieser Saison. Woran liegt’s? Die Spielweise war ja bislang gar nicht so schlecht.
Sie sagen es. Wir haben eigentlich nur gegen Freiburg schlecht gespielt, der Rest war absolut okay. Gegen Gladbach zuletzt haben wir zahlreiche Torchancen vergeben. Es liegt an kleinen Dingen, manchmal auch am Glück. Das wird wieder zurückkommen. Die Haltung der Mannschaft stimmt. Deshalb dürfen wir uns jetzt nicht verrückt machen lassen.

Versteht die Mannschaft, was der neue Trainer Alfred Schreuder von ihr will?
Absolut. Die Mannschaft folgt dem Trainer voll, da gibt es überhaupt keine Diskussion. Unsere Spielweise stimmt. Die guten Ergebnisse werden wieder kommen.

Schon in München? Ihre persönliche Bilanz ist mit 13 Niederlagen aus 18 Spielen gegen Bayern ja nicht so wirklich prickelnd.
Ich wusste nichts von dieser Bilanz – vielen Dank dafür (lacht). Nein, im Ernst: So eine Statistik ist mir egal. Ich gehe in die Partie rein wie in jede andere auch. Bayern hat natürlich eine wahnsinnig hohe individuelle Qualität, aber gerade deshalb müssen wir noch einen Tick mutiger auftreten als gegen andere Teams. Mut ist gegen die Bayern mit am wichtigsten!

Und wenn Sie gewinnen, geht’s gemeinsam auf die Wiesn?
Da ist nichts geplant. Vielleicht können die Jungs den Trainer im Falle eines Sieges überreden. Aber ich trinke ja sowieso keinen Alkohol.

Auf der Wiesn gibt’s auch Wasser.
Ja, genau: Und dann setzte ich mich nüchtern neben all die Betrunkenen. (lacht)

Bauman über ter Stegen: "Seine Zeit wird kommen"

Da haben Sie auch wieder recht. Wie bewerten Sie eigentlich das Duell im DFB-Tor: Sollte Manuel Neuer spielen oder Marc-André ter Stegen?
Manuel war extrem gut in den vergangenen Jahren, er hat sich etwas aufgebaut, erarbeitet. Und seine Leistungen in den letzten Länderspielen und bei Bayern waren top. Leistungstechnisch brauchst du ihn einfach nicht aus dem Tor nehmen.

Ter Stegen ist trotzdem unzufrieden und will Neuer ablösen.
Ich verstehe Marc. Man muss respektieren, wie stark er in Barcelona spielt. Seine Zeit wird kommen.

Gibt es einen anderen Torhüter, der Sie aktuell fasziniert?
Jan Oblak von Atlético Madrid. Der ist total abgezockt und ruhig, das gefällt mir. Ich mag diese Torhüter, die einfach ihr Ding machen, die nie die Nerven verlieren und die Übersicht behalten. Showmänner, die aus jeder Situation etwas Besonders machen müssen, sind nicht mein Fall.

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