AZ-Interview mit dem Starkoch Schuhbeck über Hoeneß: "Bei Uli gilt noch die Handschlagpolitik"

"Wir sind über die Jahre echte Freunde geworden", sagt Starkoch Alfons Schuhbeck (l.), der am Donnerstag 70 wird, über Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Foto: Lindenthaler/Imago

Bayerns Sternekoch Alfons Schuhbeck spricht mit der AZ über das 40-jährige Jubiläum von Hoeneß. "So wie ich ihn kenne, macht er ab 90 halbtags".

 

München - Seit 30 Jahren kocht Alfons Schuhbeck für den FC Bayern, geholt hat ihn damals Uli Hoeneß. Im Interview mit der AZ spricht Alfons Schuhbeck über den Präsidenten des FC Bayern München, der am 1. Mai sein 40-jähriges Jubiläum beim Deutschen Rekordmeister feiert.

AZ: Herr Schuhbeck, Uli Hoeneß begeht am 1. Mai sein 40-jähriges Dienstjubiläum beim FC Bayern. Beeindruckend, oder?
ALFONS SCHUHBECK: Wenn man sich anschaut, wie der Verein heute dasteht und wie er ihn übernommen hat, dann kann man nur sagen: "Hut ab!" Ich glaube nicht, dass noch irgendjemand anderes dazu im Stande gewesen wäre. Durch seine geschäftliche Cleverness und seinen Fußballsachverstand hat er den Verein dorthin geführt, wo er jetzt ist.

Auch Sie arbeiten schon eine gefühlte Ewigkeit als Koch beim FC Bayern. Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Hoeneß?
Mei, das ist jetzt 30 Jahre her – von daher fällt mir das a bisserl schwer. Aber damals war alles anders. Da hast du halt den Uli angerufen und dann wusstest du, was Sache ist. Jetzt ist der Verein ja viel größer geworden. Es gibt andere Leute mit Ecken und Kanten und gewissen Positionen. Die muss man jetzt schon auch fragen. Ich koche seit 30 Jahren für den FC Bayern. Wenn wir was ändern wollen, dann muss ich nicht zum Uli laufen. Wir besprechen das dann mit dem Trainer, Hasan Salihamidzic oder mit der Katy (Teammanagerin Kathleen Krüger; d. Red.) – und dann ist die Sache erledigt.

Schuhbeck: "Bei Uli gilt noch die Handschlagpolitik"

Hat Uli Hoeneß Sie damals zum FC Bayern geholt?
Ja, so war das. Am Anfang war ich bei den Auswärtsspielen im Europapokal mit dabei. Da wollte Bayern den Standard haben, den man auch zu Hause hat. Die Spieler sollten auch essensmäßig eine gute Grundlage haben. Und so konnten wir das steuern.

Was zeichnet Uli Hoeneß für Sie aus?
Er ist einer der wenigen Menschen, bei denen noch die Handschlagpolitik gilt. Und ein Handschlag ist in Bayern mehr wert als eine Unterschrift. Das Schöne beim Uli ist: Wenn es mal etwas gibt, dann spricht man sich aus und es ist aus der Welt. Da wird nichts nachgetragen. Ich habe noch nie ein Problem mit dem Uli gehabt – ganz im Gegenteil. Wenn man aufrichtig zu ihm kommt und ihm sagt, wo es zwickt, kann man immer mit ihm reden. Der Verein ist für ihn immer das Wichtigste gewesen, dass dort alles so läuft, damit der FC Bayern das ist, was er ist. Da gehören ganz viele kleine Dinge – wie eben auch das Essen – dazu. Aber da gibt es so viele Leute, die zuarbeiten, damit dieser Riesen-Vereinsapparat überhaupt funktioniert. Früher haben wir noch zusammen Trikots verkauft. Mittlerweile ist das ja ein richtiger Konzern geworden.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Hoeneß beschreiben?
Wir sind über die Jahre echte Freunde geworden. Da wächst man mit der ganzen Familie mit hinein, ob das sein Sohn Florian ist oder seine Frau Susi. Der Uli legt immer großen Wert darauf, dass das Ganze harmonisch abläuft. Das ist keiner, der Whatsapp schreibt oder so einen Schmarrn. Der ruft dich an, holt dich zu sich, spricht sich mit dir aus. Und dann geht’s wieder weiter.

Schuhbeck: "Ich mag Männer und keine Waschlappen"

Hat er sich über all die Jahre verändert?
Er hat schon immer Handschlagpolitik betrieben – und wird das auch immer tun. In der Zeit, in der er nicht da war (während seiner Gefängnisstrafe von 2014 bis 2016; d. Red.), habe ich zu ihm gestanden wie ein Einser. Wenn man jemanden mag, dann steht man in guten und in schlechten Zeiten zu ihm. Die meisten schleichen sich erst wieder an, sobald es bessergeht. Diese Leute mag ich überhaupt nicht. Ich mag Männer – und keine Waschlappen oder Klugscheißer.

Können Sie etwas zu Hoeneß’ Essens-Vorlieben verraten?
Der Uli mag die ganz normale, bodenständige Küche gerne. Das ist keiner, der den Pipifax braucht. Er mag es nicht, wenn das Essen mit der Pinzette angerichtet wird. Ihm ist es lieber, was Handfestes auf dem Teller zu haben, das gut schmeckt.

Schuhbeck: "Ich glaube noch nicht, dass der Uli aufhört"

Hoeneß ist mittlerweile 67 und sprach kürzlich davon, dass sein Abschied vom Verein nicht mehr allzu fern sei. Ist für Sie der FC Bayern ohne Uli Hoeneß überhaupt vorstellbar?
Ich glaube nicht, dass dies so schnell passieren wird. Ich werde am Donnerstag 70 und denke überhaupt noch nicht daran, aufzuhören. Ich mache ab 90 dann halbtags. Und so wie ich den Uli kenne, macht er auch ab 90 halbtags. Er ist so verwurzelt mit dem Verein, der würde ja leiden wie ein Hund, wenn er sieht, dass das nicht mehr so läuft.

Auch wenn Oliver Kahn im nächsten Jahr als Vorstand zum FC Bayern kommt?
Es ist die große Schwierigkeit, wenn du seit 40 Jahren einen Verein führst und dann jüngere Leute übernehmen sollen, dass man die richtig einführen muss. Wenn Kahn kommt, wird jeder, auch Uli, dazu beitragen, dass er sich gut einarbeitet. Ich glaube noch nicht, dass der Uli aufhört und das sein letztes Jubiläum war. Aber es schadet ja nicht, wenn ein Mann ihm ein bisschen die Arbeit abnimmt.

 

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